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"Den Ärzten geht es nur um Geld"
Die Patiente Vertriedung und die Caisse Médico-Complémentaire Mutualiste werfen den Ärzten vor, es gehe ihnen nur ums Geld.

"Den Ärzten geht es nur um Geld"

Foto: Shuttrstock
Die Patiente Vertriedung und die Caisse Médico-Complémentaire Mutualiste werfen den Ärzten vor, es gehe ihnen nur ums Geld.
Politik 2 Min. 30.05.2018

"Den Ärzten geht es nur um Geld"

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Die Patiente Vertriedung und die Caisse Médico-Complémentaire Mutualiste üben scharfe Kritik an der Ärztevereinigung AMMD, weil diese den allgemeinen Tiers payant ablehnt und die obligatorische Konventionierung in Frage stellt.

Dass die Ärzte den allgemeinen Tiers payant ablehnen und die obligatorische Konventionierung in Frage stellen, sei eine Attacke auf die Patienten. Die AMMD zeige jetzt ihr wahres Gesicht – es gehe nur um Geld, die Ärzte wollen über Zusatzversicherungen mehr Einkommen erzielen.

Das ist die Sicht der Patiente Vertriedung (PV) vom Konflikt der AMMD mit Sozialminister Romain Schneider, die sie am Mittwochmorgen gemeinsam mit dem Generaldirektor der Caisse Médico-Complémentaire Mutualiste (CMCM), Fabio Secci darlegte. Ihre Forderungen: Die automatische und obligatorische Konventionierung soll beibehalten werden, um den freien Zugang zur Medizin für alle Bürger zu garantieren und eine Zwei-Klassen-Medizin zu vermeiden. Der Tiers payant soll eingeführt werden – ein großer Teil der Ärzteschaft sei übrigens derselben Meinung, sagte PV-Präsident René Pizzaferri.

René Pizzafferri von der Patientenvertretung fordert die Einführung des allgemeinen Tiers payant.
René Pizzafferri von der Patientenvertretung fordert die Einführung des allgemeinen Tiers payant.
Foto: Gerry Huberty

Auch soll die Nomenklatur regelmäßig an die Entwicklung der heutigen medizinischen Gegebenheiten angepasst werden. „Die CNS kann nur erstatten, was an Leistung in der Nomenklatur steht, ansonsten kann der Arzt verlangen, was er will“, erklärte Pizzaferri und führte immer wieder als Beispiel die Zahnärzte an, die bereits weitgehende Tariffreiheiten haben.

Dass die Nomenklatur veraltet ist, liege an den Ärzten selber, denn sie sitzen an der Quelle moderner Medizin und könnten jederzeit beantragen, dass eine neue Leistung aufgenommen wird. „Alle neuen Leistungen, die die Ärzte bei der CNS beantragt haben, sie in den Leistungskatalog aufzunehmen, sind auch angenommen worden“, betonte er. „Es hängt aber auch vom politischen Willen ab, die Nomenklatur aktuell zu halten“, fügte der PV-Präsident an.

E Vull fir d'Kaz

Widerspruch auch beim Thema Tiers payant généralisé. Der funktioniere schon in anderen Bereichen gut, wie mit den Krankenhäusern, der Unfallversicherung, den Laboren oder den Physiotherapeuten, ohne dass je Leistungen gekürzt worden wären. „Die Ärzte lehnen den Tiers payant nicht wegen der Gesundheitsversorgung des Patienten ab, die schlechter werden könnte, sondern weil sie dann keine CP (Convenance personnelle) mehr rechnen können“, war Pizzaferri überzeugt.

Die Argumente der Ärzte gegen den Tiers payant seien jedenfalls alle falsch, wenn man sie im Detail anschaue. Hier sei nun die Politik gefordert, der man vorwerfen könne, dass sie schon lange hätte reagieren können. „Schon der frühere Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo hätte ihn einführen können und auch heute kann der Minister jederzeit die Entscheidung treffen.“

Und zur Konventionierung verwies Pizzaferri darauf, dass das Gesetz sie vorsehe mit allen Dienstleistern. Ohne Konventionen herrsche „völliger Wildwuchs oder amerikanische Verhältnisse“ und der Patient sei „e Vull fir d'Kaz“. „Jeder Patient bekommt in unserem Gesundheitssystem das, was er an Behandlung braucht und die Ärzte haben volle Therapiefreiheit“, zeigte sich Pizzaferri überzeugt und widerspricht hier kategorisch der Ärzteschaft. „Wir haben kein Problem des Gesundheitssystems, sondern der Vertreter der Ärzteschaft“, sagte er und urteilte, dass die AMMD „relativ weit vom Terrain entfernt“ sei.


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