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Déi Gréng im Wandel mit neuem Co-Präsidenten Meris Sehovic
Politik 3 Min. 09.07.2020

Déi Gréng im Wandel mit neuem Co-Präsidenten Meris Sehovic

Verjüngungskur bei den Grünen: Sowohl der frischgewählte neue Co-Präsident Meris Sehovic (im Bild), wie auch sein Pendant Djuna Bernard sind 28 Jahre alt.

Déi Gréng im Wandel mit neuem Co-Präsidenten Meris Sehovic

Verjüngungskur bei den Grünen: Sowohl der frischgewählte neue Co-Präsident Meris Sehovic (im Bild), wie auch sein Pendant Djuna Bernard sind 28 Jahre alt.
Sophie Margue
Politik 3 Min. 09.07.2020

Déi Gréng im Wandel mit neuem Co-Präsidenten Meris Sehovic

Morgan KUNTZMANN
Morgan KUNTZMANN
Die ökologische Partei zeigt sich sowohl von der Führung her wie auch bei den Mitgliedern als jung und dynamisch.

„Bereits zwei Mal musste unser Parteikongress Corona-bedingt abgesagt werden“, sagte am Donnerstagabend Djuna Bernard per Livestream. Der ökologischen Partei und der Co-Präsidentin war es aber wichtig, dass der „digitale Kongress noch unbedingt vor dem Sommer stattfindet, als Abschluss eines herausfordernden und turbulenten Jahres“

Doch gleich am Anfang des Kongresses richtete Felix Braz, der im August 2019 einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte, einen persönlichen Gruß an die Parteimitglieder. Nach acht Monaten Krankenhausaufenthalt sei er glücklich, wieder Zuhause zu sein, und wünsche sich, beim nächsten Kongress mit dabei zu sein. 


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Anschließend ging Djuna Bernard auf die letzten drei Monate ein, die durch die Corona-Pandemie geprägt waren. Die Grenzschließungen, Krankenhäuser, die an ihre Kapazitätsgrenzen kamen, die Knappheit der Masken, waren Szenen, die man nur aus Katastrophenfilmen kannte, so die Co-Präsidentin. „Um uns herum ging es vielen Leuten noch schlechter als uns und noch immer ist die Welt von dieser Pandemie, den wirtschaftlichen Folgen, der Angst und Populismus nicht befreit“, beschrieb Bernard die Situation eindringlich. 

Felix Braz grüßte die Parteimitglieder per Videobotschaft.
Felix Braz grüßte die Parteimitglieder per Videobotschaft.
Foto: Sophie Margue

Doch das Problem ist für die Mitglieder der ökologischen Partei klar, der Klimawandel, die Urbanisierung und der daraus folgende Rückgang der Biodiversität fördere die sogenannten Zoonosen, Infektionskrankheiten die von Tieren auf Menschen überspringen. Deshalb bleibe das zentrale Ziel der Partei die Bekämpfung des Klimawandels. Dass dieser Kampf in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei, habe sich letztes Jahr gezeigt, als die weltweite „Fridays for Future“-Bewegung die Menschen aufgeweckt habe, so Bernard. 

François Bausch kämpferisch 

Auch wenn keiner der Redner auf die letzten Umfragewerte des Politmonitors einging, der den Grünen fallende Werte zuschreibt, so ging François Bausch auf die „internen Turbulenzen“ ein, die die Partei im letzten Jahr durchmachen musste. „Wir haben ein turbulentes Jahr hinter uns, konnten uns aber durchschlagen.“ So sei Felix Braz jemand, „der sich ins Leben zurückgekämpft hat“, ein Beispiel für das nötige Durchhaltevermögen in der Politik. Den Kritikern, die den Grünen vorwerfen, während der Krise nicht präsent gewesen zu sein, entgegnete Bausch: „Wir halten Ressorts, die sich während der Krise als wichtig gezeigt haben, wie das der Inneren Sicherheit.“ 


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Francois Bausch nach, hätten sowohl die grünen Mitglieder in der Regierung, wie auch die Fraktion „wichtige Meilensteine“ in der Krise erreicht. Bausch warnte jedoch, dass es im Gegensatz zur Covid-Krankheit beim Klimawandel keine Hoffnung auf einen Impfstoff gibt. „Wir müssen handeln, um den Klimawandel aufzuhalten, damit unsere Lebensgrundlage gesichert ist. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das schaffen, wir haben die nötigen Werkzeuge dafür.“ Aber auch die Koalitionspartner wurden ermahnt. So hätten sich Déi Gréng unwohl gefühlt, als der Rechtsstaat während des Etat de crise ausgesetzt worden sei. Sie standen zwar hinter der Entscheidung, doch trotzdem müssten die Umstände „kritisch aufgearbeitet werden“, so Bausch. 

Neuer Co-Präsident Meris Sehovic 

Bei seiner Bewerbungsrede zum Co-Präsidenten blieb Meris Sehovic seinem Image treu, ein Realpolitiker zu sein, der sein Ziel, die Durchsetzung einer nachhaltigen Umweltpolitik, nicht aus den Augen verliert. Auch wenn die aktuelle Zeit voller Herausforderungen sei und einem manchmal sogar Angst einjagen könne, so hätte man genau jetzt „die Chance, aus einer ganz schwierigen Situation heraus, die Zukunft so zu gestalten, wie wir sie gerne hätten.“ Ebenfalls forderte der frischgewählte Co-Präsident „einen starken Staat, der klare Regeln festlegt und sie notfalls durchsetzt.“ 


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Ganz im Sinne einer Volkspartei wünscht sich Meris, dass sich „die Partei noch mehr aufmacht für neue Ideen und neue Leute.“ Der Grundtenor seiner Bewerbungsrede blieb jung und dynamisch: Lust machen auf eine Zukunft, die man sich nicht durch Angst oder Unsicherheit wegnehmen lassen wolle.

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