Das Schweigen des Bildungsministers
Am 3. Februar protestierten 200 junge Lehrer und Lehramtsstudenten aus Luxemburg, Belgien und der Schweiz gegen die geplanten Rekrutierungsmaßnahmen, mit denen Bildungsminister Claude Meisch den Lehrermangel bekämpfen möchte, darunter die Rekrutierung von Bachelorabsolventen ohne Lehrerausbildung und die Kürzung des Referendariats.
Wenige Tage zuvor fand ein Treffen statt. Der Minister empfing sechs Vertreter der Lehramtsstudenten der Uni Luxemburg, die sich zuvor in einem offenen Brief beschwert hatten. Sie fühlten sich durch die Maßnahmen ungerecht behandelt.
Bei dem Treffen mit dem Minister wurden gemeinsam Lösungen erörtert, die in eine gemeinsame Stellungnahme flossen, verfasst vom Ministerium. Doch als die Studenten das Schreiben erhielten, war ihr Erstaunen groß, „denn dort steht nicht das, was wir besprochen haben“, so David Moos, einer der sechs Studenten gestern auf Nachfrage des "Luxemburger Wort".
Im Schreiben, das dem „Luxemburger Wort“ vorliegt, heißt es beispielsweise, man sei sich einig über die Notwendigkeit, den Lehrerberuf für Bachelorabsolventen zu öffnen, um die Unterrichtsqualität zu gewährleisten, für den Fall, dass keine diplomierten Lehrer verfügbar seien.
„Das stimmt nicht“, meint David Moos. „Wir haben lediglich gesagt, dass ein Bachelorabsolvent mit 240 Stunden Weiterbildung für den Unterricht geeigneter ist als ein Abiturient mit einem vierwöchigen Praktikum. Eine Öffnung des Lehrerberufs für Bachelorabsolventen wirkt sich negativ auf die Unterrichtsqualität aus und kommt für uns nicht in Frage.“
Dann soll das Ministerium den Studenten gesagt haben, man könne auch kurzfristig Änderungen beim Referendariat vornehmen, um die Berufsanfänger zu entlasten. „Davon ist in dem Schreiben aber keine Rede mehr“, ärgert sich der Lehramtsstudent. Stattdessen geht im Schreiben von einer anonymen Umfrage die Rede, wonach die Referendare das Praktikum eher positiv bewerteten. „Die Fragen sind aber so gestellt, dass sie gar nichts über die Qualität des Praktikums aussagen“, so Moos.
Was den Vertretern der angehenden Lehrern sauer aufstößt, ist die Bewertung. „Was wir zum Berufsstart brauchen, ist eine Begleitung, und keine Bewertung.“ Eigentlich wollten die Studenten die Dinge mit dem Minister regeln, und nicht in der Öffentlichkeit. Doch seit sie ihre Bemerkungen Anfang Februar schriftlich zurückgeschickt haben, haben sie vom Minister nichts mehr gehört. „Das ist nicht fair“, sagt Moos. Er hofft nun auf eine Wiederaufnahme des Dialogs.
