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Das Referendum bewegt noch immer
Politik 2 Min. 09.06.2015 Aus unserem online-Archiv
Presserevue

Das Referendum bewegt noch immer

Wieso, weshalb, warum? Der Ausgang des Referendums beschäftigt die Kommentatoren.
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Das Referendum bewegt noch immer

Wieso, weshalb, warum? Der Ausgang des Referendums beschäftigt die Kommentatoren.
Guy Jallay
Politik 2 Min. 09.06.2015 Aus unserem online-Archiv
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Das Referendum bewegt noch immer

Auch heute bleibt die Analyse der Referendumsresultate das Hauptanliegen der Kommentatoren.

(jag) - Die Analyse des Referendums und seiner Folgen beschäftigt auch heute die Kommentatoren in der Tagespresse. Mit etwas Abstand wird jetzt klar, wie viel Porzellan zerbrochen wurde.

"Nach dem Beben", titelt das "Lëtzbuerger Journal". Nic. Dicken ist immer noch fassungslos und mehr verärgert als bereit, das Resultat anzuerkennen. Ihm stoßen vor allem die Reaktionen verschiedener Politiker und Gruppierungen sauer auf:

"Glauben zu machen, dieser Zersetzungsprozess habe erst mit dem Antritt der neuen Regierung vor anderthalb Jahren begonnen, wie es besagte Dame (Erna Hennicot-Schoeppges) unterschwellig getan hat, ist genauso falsch wie unverantwortlich. Und vergessen wir nicht: Die DP-LSAP-Grünen-Koalition hatte den Mut und die Verantwortung, die Menschen im Lande um ihre Meinung zu fragen (...)."

Eine sehr tiefgründige Analyse macht Christoph Bumb im "Luxemburger Wort". Die fehlende Verfassungsmehrheit im Parlament, die dramatisch schlechten Umfragewerte und schließlich der Spalt zwischen politischer und kultureller Elite einerseits und dem Volk andererseits wären für dieses Resultat mitverantwortlich gewesen. Diese Arroganz hätten verschiedene Politiker trotz der blutigen Nase immer noch nicht abgelegt:

"Dass einige der dezidierten Verfechter dieses scheinbar alternativlosen Forschrittdenkens jetzt sogar auf die überwältigende Mehrheit der Nein-Sager herabschauen und sie - je nach dem - als konservativ, nationalistisch bis latent rassistisch, ungebildet bis komplett debil darstellen, ist die Höhe der politisch-elitären Arroganz, die mit als ein Grund für die Überdeutlichkeit des Resultats gedeutet werden kann."

Katerstimmung stellt auch Christophe Langenbrink in seinem Leitartikel im "Luxemburger Wort" fest. Das Referendum habe gezeigt, dass Luxemburg nicht so offen sei, wie immer behauptet wird.

"Doch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, anderswo in Europa wäre man weiter als hier. Ein anderes Abstimmungsergebnis wäre in Frankreich oder Deutschland sicherlich nicht erzielt worden."

Danièle Fonck sucht im "Tageblatt" nach den Gründen der Ablehnung des Ausländerwahlrechtes. Die Politik habe sicherlich versagt, zu wenig Integration, vielleicht auch zu polemische Forderungen einiger Verbände und Organisationen hätten das Ihrige dazu beigetragen. Das politisch Korrekte sei zur Bibel geworden, die Ängste der Luxemburger überhört worden. Zur Integration gehöre auch die Sprache, und die sei erlernbar. Futter für die täglichen Sorgen und Ängste der Luxemburger seien oft auch unzivilisiertes Benehmen in der Öffentlichkeit. Nächtlicher Lärm, Schlägereien, Autorennen und Vermüllung gehörten auch dazu, so Danièle Fonck. Man rede nicht davon, weil es sich nicht gehöre, und doch störe es.

Katerstimmung auch beim "Quotidien": David Marques fragt sich, wie viele Bürger wirklich die Fragen beantwortet haben und wie viele einfach nur die Nase voll hatten. Nur das gemeinsame Arbeiten am Projekt Luxemburg aber bringe das Land weiter. Und nicht weiter spalten, so wie vor 200 Jahren der Wiener Kongress.