Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Das neue Leben der Bettlerinnen von Bali
Politik 1 4 Min. 16.09.2014 Aus unserem online-Archiv
Armut in Muntignung

Das neue Leben der Bettlerinnen von Bali

Politik 1 4 Min. 16.09.2014 Aus unserem online-Archiv
Armut in Muntignung

Das neue Leben der Bettlerinnen von Bali

Lange Zeit zogen die Frauen von Muntigunung mit ihren Kindern in die Touristenzentren Balis, um zu betteln. Nun hat die Richtung geändert: Die ehemaligen Bettlerinnen führen 
Touristen auf einer Trekking-Tour 
in ihre Dörfer.

VON HELENE ARNET (TAGES-ANZEIGER)

Ein typischer Banker war Daniel Elber nie. Er führte zwar bei einer Zürcher Großbank mehr als 1 200 Mitarbeiter, doch stieg er immer wieder eine Weile aus: zu Fuß über die Anden, Borneo, Tibet. Doch als der 52-Jährige vor zehn Jahren entschied, in Bali ein neues Leben anzufangen, erstaunte das seine Freunde trotzdem. Dahinter steckte eine Frau: Ketut.

„Das passt einfach nicht zusammen“

Daniel Elber wurde auf Ketut und ihre Tochter Komang aufmerksam, als er von Muntigunung im Norden Balis über die Berge Richtung Batursee joggte. Tags zuvor hatte er sie und andere Bettlerinnen in den Straßen Ubuds gesehen. Nun kehrten sie mit ein wenig Geld und einem Sack Reis in ihr Dorf zurück. Die Begegnung ließ Daniel Elber keine Ruhe. Er fragte sich: Warum müssen Frauen in einem Paradies auf Erden betteln? Mitten in blühender Natur, rundum boomt der Tourismus? „Das passt einfach nicht zusammen“.

Elber ging der Sache nach und erfuhr, dass die Bettlerinnen aus den 36 Weilern in Muntigunung stammten und es für ihre Familien in diesem wasserarmen Gebiet kein Auskommen gab. Er fragte sich: Was könnten diese Frauen stattdessen tun? Damit kommt eine andere Frau ins Spiel: Karin Vogt. Die Marketing-Fachfrau hatte eben den europäischen Markteintritt einer großen US-Kaffeekette gemanagt und besuchte Elber in Bali. Sie sagt: „Die Idee ist simpel. Wir ändern die Richtung.“ Statt dass die Frauen von ihren Dörfern in die Touristenzentren zum Betteln reisen, begleiten sie Touristen aus den Zentren in ihre Dörfer. Das war der Anfang von Muntigunung-Trekking.

Mittlerweile arbeiten 50 Frauen aus Muntigunung Teilzeit als Führerinnen. Sie begleiten Touristen auf einer Tagestour auf Trampelpfaden zu ihren Dörfern. Die Tour kostet knapp achtzig Franken. Ein Teil davon fließt direkt an die ehemaligen Bettlerinnen und in ihre Dörfer.

„Anfangs wagten sie den Touristen kaum in die Augen zu schauen“, erzählt Karin Vogt. Das hat sich mittlerweile geändert. Die Frauen sprechen mit den Fremden ein paar Brocken Englisch und zeigen ihnen stolz, was aus ihren Dörfern geworden ist. Denn in Muntigunung ist eine neue Zeit angebrochen, und das Trekking ist das Scharnier, das unterschiedliche Hilfsprojekte verbindet.

„Zukunft für Kinder“

Unterdessen wurde in der Schweiz der von der maßgeblichen Stiftung Zewo zertifizierte Verein „Zukunft für Kinder“ gegründet, dessen Präsident Fritz Lienhard ist. Der Vorstand definierte Strategien, um die Armut in Muntigunung zu bekämpfen. Erstens – Wasser. Diese Gegend ist während neun Monaten im Jahr so trocken, dass viele Frauen mehrere Stunden im Tag unterwegs waren, um vom Batursee oder von der Küste her Wasser zu holen. Das Ziel: täglich 25 Liter Wasser pro Kopf.

So errichtete man zusammen mit den Dorfbewohnern große Wassertanks und Dächer, die den Regen in darunter liegenden Zisternen sammeln. „Wir machen Schritt für Schritt“, sagt Fritz Lienhard. Meilenschritt für Meilenschritt: Bereits haben 17 der 36 Dörfer eine Wasserversorgung – und die Frauen, die nicht mehr Wasser schleppen müssen, freie Zeit. Damit sind sie fit für die zweite Stufe. Ziel: Ein Einkommen von monatlich 120 Dollar pro Familie. Für die 5 500 Einwohner braucht es etwa tausend Arbeitsplätze.

Elber und sein Team suchten Produkte, welche die Dorfbewohner mit einheimischen Materialien fertigen können. Tee aus Hibiskusblüten, geröstete Cashewnüsse, geflochtene Körbchen, seit kurzem werden Hängematten gewoben. Und die Produkte brauchen Abnehmer. Elber konnte die in der 
Bali Hotel Association vereinigten Spitzenhotels dafür gewinnen, diese Produkte zu kaufen und ihren Gästen anzubieten. Zwischenbilanz: 220 Arbeitsplätze.

Projektinitiator Daniel Elber (l.).
Projektinitiator Daniel Elber (l.).
Foto: Karin Vogt

Und all das passt fast wundersam zusammen. Karin Vogt sagt: „Wenn die Gäste auf den Touren hautnah erleben, unter welchen Bedingungen die Menschen in dieser Region leben, werden sie ein Teil unseres Projekt.“

Und da sie nicht nur das Problem, sondern auch einen Ausweg sehen, wird das Trekking zum besten Werbeträger für das Entwicklungsprojekt Muntigunung. Karin Vogt ist überzeugt, dass das Modell Munigunung-Trekking sich bestens auch auf andere Regionen übertragen ließe.

„Wo neben reichen Touristenzentren Menschen in großer Armut leben, können solche Brücken geschlagen werden.“ Das Projekt hat mittlerweile international von sich sprechen gemacht. So wurde es mit dem Eco-Tourismuspreis der Skal ausgezeichnet, einem weltweiten Netzwerk für verantwortungsvollen Tourismus. Mittlerweile hat der Verein „Zukunft für Kinder“ das Trekking als eigenständige Firma einem Einheimischen übergeben. Projektleiter Pande Ketut Pica sagt: „Ich bin sehr glücklich, dieses Unternehmen zu führen, weil die Frauen von Muntigunung damit ihr Leben ändern können.“

Aber auch, weil er den Gästen zeigen könne, wie schön diese noch weitgehend unberührte Landschaft sei. Und was ist aus Ketut und Komang geworden? Ketut führt regelmäßig Touristen in ihr Dorf, wo aus den Blättern der Lontarpalme Körbchen geflochten werden. Sie ist stolz, dass sie für ihr Geld arbeiten kann. Damit sei sie ihrer Tochter ein gutes Vorbild. Komang geht in die Schule – Teil des jüngsten Projekts des Vereins „Zukunft für Kinder“.

www.zukunft-fuer-kinder.ch


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Système d’alerte précoce
L’architecte Andres Meira a constaté à quel point un tremblement de terre pouvait faire des dégâts en travaillant à la reconstruction de Haïti, au lendemain du séisme de 2010 qui a fait plus de cent mille morts.
Le «Grillo» est un petit boîtier sur lequel clignote un cercle de points qui fait retentir une alarme avant une secousse.
Se garer dans une grande métropole peut vite devenir un enfer, et la ville lumière ne fait pas exception. Peu importe l’heure, à Paris, un tiers de la circulation se résume à des automobilistes cherchant désespérément une place pour se garder, selon des statistiques.
Facturés à la minute, les automobilistes ne paient que pour ce qu’ils utilisent.
Eine Schweizer Firma versichert arme äthiopische Bauern gegen Dürre. Für fünf Dollar im Jahr, 6 000 machen bereits mit. Wie schafft man das in einem Land, in dem Versicherungen kaum bekannt sind?
Die äthiopischen Bauern werden geschult: Was ist eine Versicherung, was sind Satelliten, wie werden sie bezahlt bei einer Missernte …
Die Bürgerbewegung Transition Minett setzt auf lokaler Ebene nachhaltige Initiativen um
Bei dem „urban gardening“-Projekt handelt es sich um eine Initiative der Bürgergruppierung Transition Minett, die seit 2012 im Großherzogtum agiert – und nach dem Vorbild der seit 2006 entstandenen „Transition towns“ im Ausland funktioniert.
Ein Projekt mit einer edukativen, solidarischen und ökologischen Berufung: der „Quartiersgaart“.
Le “Grupo México” a commencé cette année à faire circuler le “train de la santé” sous le surnom de “Dr.Vagón”, combinant un travail sur les relations publiques et les services à la communauté. Il compte apporter des soins aux communautés précaires et marginalisés du Mexique grâce à cette clinique sur rails.
Le «Train de la santé» procure ses services médicaux aux communautés rurales précaires.
The idea was born when two different personal stories and career paths unexpectedly crossed. One came from an area of the world which is turbulent to say the least (from the Middle East, Jordan, to be precise) and the other from Switzerland.
Roberto Agosta with a  Swissleg prosthesis.
Ocean Cleanup
Contre vents et marées, le petit prodige néerlandais Boyan Slat a mis en œuvre son idée hors du commun pour nettoyer les océans. Grâce au soutien de nombreux experts, sa fondation – The Ocean Cleanup – prévoit de débarrasser les mers de tonnes de déchets plastiques.
The Ocean Cleanup: La fondation de Boyan Slat prévoit de débarrasser les mers de tonnes de déchets plastiques.
Digitale Inhalte in Brailleschrift
Blinde Menschen können zwar dank technischer Hilfsmittel das Internet nutzen. Doch diese sind teuer und wenig mobil. Das Start-up Blitab Technology will das ändern und entwickelt ein Tablet, mit dem man digitale Inhalte in Brailleschrift ertasten und selbst schreiben kann.
Ein Tablet für Blinde.
Deux designers industriels de Londres ont mis au point un dispositif propre et économique pour permettre aux habitants des pays en développement d’éclairer leur intérieur à toute heure du jour ou de la nuit. Fondée sur les lois de la pesanteur, la GravityLight offre une alternative sans danger au kérosène pour les quelque 1,3 milliard d’individus dans le monde, qui n’ont pas accès à l’électricité.
En l’espace de quarante jours, les dons pour le projet «gravity light» atteignirent les 400 000 dollars.
Jean-Luc Baradat discutait régulièrement des problèmes du réchauffement climatique avec sa femme, une océanographe. Jusqu’au jour où il décida d’arrêter de parler et de commencer à agir.
Einblick in die Solidarwirtschaft
Die Kooperative co-labor hilft seit 31 Jahren jungen Arbeitslosen, die Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben, sich beruflich einzugliedern. Unterstützt wird das Unternehmen vom Familien- und Arbeitsministerium. Eine Momentaufnahme aus dem sozial-ökonomischen Betrieb.
Co-labor betreibt Projekte im Umwelt- und Naturbereich, darunter die Bio-Baumschule an der Route d'Arlon in der Hauptstadt.
Lange Zeit zogen die Frauen von Muntigunung mit ihren Kindern in die Touristenzentren Balis, um zu betteln. Nun hat die Richtung geändert: Die ehemaligen Bettlerinnen führen 
Touristen auf einer Trekking-Tour 
in ihre Dörfer.
Die ehemaligen Bettlerinnen führen mittlerweile Touristen durch die schöne Landschaft ihres Landes.
Nous sommes informés de tous les problèmes du monde et cette omni-conscience nous fait peur, nous angoisse. Pire encore, nous anesthésie. Pourtant, il existe de plus en plus d’hommes et de femmes, d’entreprises, d’universités, d’organisations dont les projets améliorent la marche du monde...
Chistian de Boisredon