Das neue Buch von Erny Gillen

Das Ende des Vatikan-Staats

Erny Gillen möchte mit seinem offenen Brief an Papst Franziskus dessen Reformwillen unterstützen.
Erny Gillen möchte mit seinem offenen Brief an Papst Franziskus dessen Reformwillen unterstützen.
Lex Kleren

(DS) - Vor 500 Jahren wäre Erny Gillen wohl auf dem Scheiterhaufen gelandet. Sein neues Buch „Wie ein Papst Kurien-Krankheiten heilen kann“ hat es nämlich in sich. Gillen fordert in seinem offenen Brief an Papst Franziskus nämlich nichts mehr und nichts weniger als die Entmachtung der römischen Kurie.

Die Kurie müsse dezentralisiert werden und die einzelnen Kongregationen sollten dort angesiedelt werden, wo die Menschen sind. Die mächtige Glaubenskongregation gehört seiner Meinung nach nach Brasilien, weil „die Menschen dort um ihren Glauben kämpfen müssen“. Die Kongregation für den religiösen Dialog sähe der ehemalige Generalvikar am liebsten in Irland oder in Aleppo, weil dort die Glaubensgemeinschaften aufeinander treffen und sich auch bekämpfen.

Die Schizophrenie der Kurie

Die Kurie sei schizophren, hatte Papst Franziskus in seiner viel zitierten Rede zu den Kurien-Krankheiten am 22. Dezember gesagt. Erny Gillen greift die Aussagen des Papstes auf und formuliert sie in seinem Buch teilweise wesentlich schärfer aus. So fordert er u.a. das Ende des Vatikan-Staates.

Die Kirche solle auf ihre staatlichen Privilegien verzichten, so sein Rat. Der Papst wäre folglich nicht länger Staatsoberhaupt des Vatikans, sondern nur noch Oberhirte der katholischen Kirche und Bischof von Rom: „Die Kurie ist deshalb schizophren, weil sie einmal als Kirche und einmal als Staat spricht … Und weil wir es mit einem systemimmanenten Problem zu tun haben, reicht es nicht, die Krankheit heilen zu wollen. Wir müssen vielmehr die Organisation ändern, weil das Konstrukt an sich schizophren ist“, so der frühere Generalvikar in einem Interview mit dem "Luxemburger Wort". Um ein deutliches Zeichen zu setzen, sollte der Papst in die Lateran-Basilika, den Sitz des römischen Bischofs, umziehen.

Angeregt von der Rede des Papstes zu den Kurien-Krankheiten griff Erny Gillen zur Feder. Er wolle dem Papst zeigen, dass die Basis ihn in seinem Reformvorhaben unterstütze.

Das Buch „Wie ein Papst Kurien-Krankheiten heilen kann. Ein offener Brief“ ist bei den Editions Saint-Paul erschienen und ab heute in gedruckter Form im Buchhandel erhältlich. Als e-Book ist es unter www.epubli.de erhältlich.

Das ganze Interview mit Erny Gillen können Sie in der heutigen Ausgabe des "Luxemburger Wort" nachlesen.