Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Das "luxemburgische Modell"
Politik 2 Min. 29.06.2016 Aus unserem online-Archiv
Prostitution

Das "luxemburgische Modell"

Freier machen sich künftig strafbar, wenn sie eine sexuelle Beziehung zu einer Prostituierten eingehen, die entweder über einen begrenzten IQ verfügt oder minderjährig ist.
Prostitution

Das "luxemburgische Modell"

Freier machen sich künftig strafbar, wenn sie eine sexuelle Beziehung zu einer Prostituierten eingehen, die entweder über einen begrenzten IQ verfügt oder minderjährig ist.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 29.06.2016 Aus unserem online-Archiv
Prostitution

Das "luxemburgische Modell"

Steve BISSEN
Steve BISSEN
Unter gewissen Umständen können sich in Zukunft Freier, die eine sexuelle Beziehung mit einer Prostituierten eingehen, strafbar machen.

(stb) - Justizminister Felix Braz und Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch haben am Mittwoch das „luxemburgische Modell“ zur Bekämpfung von Prostitution vorgestellt. Im Mittelpunkt steht dabei ein detaillierter neuer Aktionsplan gegen sexuelle Ausbeutung mit gesetzlichen Anpassungen. Das Modell basiert zum größten Teil auf der bereits bestehenden Gesetzgebung, ergänzt durch einige neue Straftatbestände und Gesetzespräzisierungen, die die Strafverfolgung durch die Justiz in Zukunft erleichtern sollen.

Der Plan National "Prostitution"

Das "Luxemburger Modell" beruht auf den Vorarbeiten, die von der Plattform Prostitution erarbeitet wurden und im November 2014 vorgestellt wurden. Dabei wurden unterschiedliche im Ausland bereits praktizierte Modelle, wie beispielsweise das holländische oder das schwedische Modell, untersucht. Für die beiden Minister ist aber klar, dass "kein Modell eins zu eins übernommen werden kann". Schließlich müsse man den "landesspezifischen Begebenheiten" Rechnung tragen.

Lydia Mutsch betonte, dass "gesetzliche Kader ein wichtiger Teil ist, aber nicht der einzige". So liegen die Prioritäten des nationalen Plans "Prostitution" vor allem auf den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Prävention und psychosozialer Betreuung. Zu den gesteckten Zielen gehört:

  • Reduzierung der Prostitution,
  • Repression der sexuellen Ausbeutung,
  • Ausweitung der medizinischen, sozialen und psychosozialen Versorgung der Prostituierten,
  • Schutz der Prostituierten,
  • Schaffung einer Exit-Strategie, die den Prostituierten den Ausstieg erleichtern soll

Prostituierte sollen künftig auch in den Genuss einer sozialen Absicherung kommen können unter der Bedingung, dass sie einen festen Wohnsitz vorweisen können. Dies ist aber vor allem deshalb schwierig, weil die meisten Prostituierten sich nur wenige Wochen in Luxemburg aufhalten, um dann in ein anderes Land zu gehen. Dies erschwert ebenfalls eine belastbare Beweisführung bei der Strafverfolgung von Zuhältern.

Gesetzliche Anpassungen

Die bei der Ausarbeitung der neuen Bestimmungen maßgeblich beteiligte Plattform Prostitution wird im Gesetz verankert und damit "institutionalisiert". Außerdem soll durch die Präzisierung der Gesetzestexte die Beweisführung der Justizbehörden in Zukunft erleichtert werden.

Des Weiteren soll künftig der Entzug von Reise- und Identifikationsdokumenten unter Strafe gestellt werden. Denn dies sei zur Zeit "ein zentrales Element des Menschenhandels", so Justizminister Félix Braz. Die Prostituierten seien so in vielen Fällen den "Menschenhändlern ausgeliefert".

"Grundsätzlich" soll Prostitution künftig aber nicht unter Strafe gestellt werden. Dabei werden aber zwei Ausnahmen gelten, im Falle von sogenannten "personnes vulnérables". Dies gilt bei Prostituierten, die über einen begrenzten IQ verfügen oder minderjährig sind. In diesen beiden Fällen macht sich auch der Freier strafbar.

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Bekämpfung der Prostitution soll anhand eines neuen Aktionsplans wirksamer gestaltet werden. Vorgesehen sind härtere Strafen. Des Weiteren nahm Bettel Stellung zu den jüngsten Cattenom-Gerüchten.
Premier Bettel: "Wir zahlen nicht für die Schliessung von Cattenom"
Bekämpfung der Prostitution
In Frankreich droht Freiern beim Besuch von Prostituierten künftig eine Geldstrafe von 1.500 Euro. Dadurch könnte sich ein Teil der Kundschaft nach Luxemburg verlagern.
Luxemburg will zur Bekämpfung der Prostitution ein eigenes Modell ausarbeiten.
Jahrelang stritt die französische Politik um neue Regeln gegen die Prostitution. Nun ist das Gesetz durch - und nimmt künftig die Freier ins Visier. Eine Kehrtwende im Kampf gegen den käuflichen Sex.
Wer beim Kauf von Sex erwischt wird, muss künftig bis zu 1500 Euro Geldbuße zahlen, im Wiederholungsfall sogar 3750 Euro.
In einer Eigentumswohnung in Hollerich
Zu einer Haftstrafe auf Bewährung wurde am Mittwoch ein Mann verurteilt, der den Prostitutionsring seiner Lebensgefährtin in der eigenen Wohnung toleriert hatte.
Als "lieu de débauche", eine Lasterhöhle, hatte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft die Eigentumswohnung in der Rue de Hollerich bezeichnet.
Interview mit Ex-Prostituierter
Prostituierte sind per se Opfer, sagt die irische Buchautorin und Ex-Prostituierte Rachel Moran. Daher müssten auch die Freier bestraft werden, nicht die Frauen. Prostitution gehöre abgeschafft – so wie einst die Sklaverei.
Prostitution im Bahnhofsviertel: Offiziellen Zahlen zufolge schaffen rund 60 Frauen in den Straßen der Hauptstadt an.