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Das liebe Geld: Weg mit den Ein- und Zwei-Cent-Münzen?
Politik 3 Min. 09.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Das liebe Geld: Weg mit den Ein- und Zwei-Cent-Münzen?

Lästiges Kleingeld oder Glückscent? Die Abgeordneten Max Hahn und Joëlle Elvinger erkundigten sich in einer parlamentarischen Anfrage über eine mögliche Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen.

Das liebe Geld: Weg mit den Ein- und Zwei-Cent-Münzen?

Lästiges Kleingeld oder Glückscent? Die Abgeordneten Max Hahn und Joëlle Elvinger erkundigten sich in einer parlamentarischen Anfrage über eine mögliche Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen.
Foto: Shutterstock
Politik 3 Min. 09.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Das liebe Geld: Weg mit den Ein- und Zwei-Cent-Münzen?

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Parkautomaten akzeptieren sie nicht, im Portemonnaie nehmen sie viel Platz ein. Es fragt sich also: Wohin mit den Ein- und Zwei-Cent-Münzen? Zwei liberale Abgeordnete erkundigen sich nach einer möglichen Abschaffung.

(BB) - Sie kennen das Sprichwort bestimmt. "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert", heißt es. Zwei liberale Abgeordnete haben es dennoch auf die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgesehen. In einer parlamentarischen Anfrage wollen sie vom Finanzminister wissen, ob die kleinsten Kupfermünzen wie in einigen anderen Euro-Ländern nicht abgeschafft werden sollten. Denn streng genommen ist die Herstellung des Kleingelds teurer als das, was auf der Münze drauf steht.

Die irische Zentralbank hatte unlängst nachgerechnet und festgestellt: Für einen Cent  chiffriert sich der Kostenpreis auf 1,65 Cent. Für den Staat ist es ein Verlustgeschäft. Weil viele Leute die kleinen Münzen eher zu Hause horten als im Portemonnaie mitzutragen, werden auch immer wieder neue Cents in Umlauf gebracht.

Vom Cent zur generellen Preiserhöhung

Doch lassen sich die Ein- und Zwei-Cent-Münzen einfach so abschaffen? Ganz unsentimental und ohne weiteren Folgen für die Wirtschaft und die Haushalte? Oder riskieren sich die kleinen Euromünzen zu rächen, so wie in der Redewendung? Und schon könnte die Inflation in die Höhe schießen.

Das Finanzministerium verweist auf Nachfrage hin auf die irische Praxis. Ende 2015 hatte  Dublin angekündigt, Wechselgeldbeträge fortan ab- und aufrunden zu können. Geschäfte können zum Beispiel für den Preis eines Brötchens zwar immer noch 62 oder 63 Cent anzeigen. Diesen Preis werden die Kunden auch per Kreditkarte zahlen. Wer allerdings bar bezahlt, sieht die Rechnung auf den naheliegenden fünf Cent ab- oder aufgerundet. In genannten Fall wären es also 60 Cent oder 65 Cent.

"Im Schnitt gleichen sich die Preiserhöhungen und Vergünstigungen aus. Eine generelle Auswirkung muss nicht zwingend negativ sein", schätzt das Finanzministerium. Eine Inflationsspirale wird eher ausgeschlossen. Genaue Rechnungen für den Luxemburger Markt hat das Ministerium zurzeit allerdings nicht angestellt.

Gewichtige Gewinnmargen

Auf die Gesamtwirtschaft könnten ein paar Cent mehr oder weniger also keinen Einfluss haben. Auf die einzelnen Betriebe allerdings schon. Die Handelskonföderation CLC weist darauf hin, dass Preise mit zwei Stellen hinter dem Komma besonders kleine Alltagswaren betreffen. Kostet eine Ware ein paar Euro, machen die Cent schon einen Unterschied.

"Für ein einziges Brötchen macht es sicherlich nicht viel aus. Wenn Sie aber als Händler hunderte Brötchen am Tag verkaufen, summiert sich das", gibt der CLC-Direktor Thierry Nothum zu bedenken. Würden die Ein- oder Zwei-Cent-Münzen abgeschafft, würden die Preise wahrscheinlich eher nach oben angepasst. 

"Rundet der Händler die Preise systematisch ab, riskiert er, erhebliche Verluste einzufahren. Seine Gewinnmargen würden einbrechen. Es sei denn, es handelt sich um einen Großhändler und er kann den Ausfall anderswo kompensieren", führt Thierry Nothum den Gedankengang fort.

Möglich, aber nicht wirklich opportun

Einfach so lassen sich Rechnungen jedenfalls nicht aufrunden. "Im Prinzip muss der angezeigte Preis auch beglichen werden. Der Händler kann eine kommerzielle Geste machen. An der Kasse darf er aber nicht mehr Geld verlangen", erklärt Thierry Nothum. Das ist gesetzlich geregelt. Und dann wäre da noch die Befindlichkeit der Kunden. Fraglich ist, ob die Händler wirklich ihre Kunden für ein paar Cent irritieren wollen.

Die Frage der Opportunität stellt sich auch aus Sicht des Staats. Will der Staat jeden Pfennig zweimal umdrehen, wenn es eigentlich als Staatsaufgabe gilt, Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen? Auch diesen Aspekt dürfte der Minister in seiner Antwort an die Abgeordneten berücksichtigen.

Persönlich muss jeder für sich entscheiden, ob er die kleinen Kupfermünzen für lästig hält oder nicht. Manche Leute heben sogar verlorene Cents auf dem Gehweg auf. Es soll angeblich Glück bringen.