"Dann soll die CSV eben mit uns in die Opposition!"
In der kommenden Legislaturperiode wird die ADR mit vier statt bisher drei Sitzen vertreten sein. Spitzenkandidat Gast Gibéryen und Fernand Kartheiser wurden im Süden gewählt, Roy Reding im Zentrum und Jeff Engelen im Norden. Die ADR erreichte landesweit mit 8,28 Prozent der Stimmen gut 1,5 Punkte mehr als vor fünf Jahren. Trotz des Stimmenzuwachses und des zusätzlichen Sitzes im Norden ist die von Gibéryen erhoffte „massive Stärkung“ ausgeblieben.
Die ADR profitiert kaum von der Wachstumsdebatte
Die Debatte um die Aufwertung des Luxemburgischen und die Diskussion um den Umgang mit dem Wachstum waren eigentlich Wahlkampfthemen, die die ADR gesetzt hatte. „Dem Luxemburger geht es eigentlich gut, er möchte sich ungern mit langfristig negativen Szenarien beschäftigen“, analysiert Gast Gibéryen die Gründe, warum die ADR nicht stärker für die Themensetzung vom Wähler honoriert wurde. Verhaltener Jubel. Gefeiert wurde im Sofitel-Hotel in Kirchberg nur einmal.
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte soll sich mit dem Wahlsystem beschäftigen
Jeff Engelen, ein Gründungsmitglied der ADR, wird zum ersten Mal Abgeordneter. „Ich gönne ihm das einfach. Er ist seit der ersten Stunde dabei, er verdient diesen Einzug“, freut sich Gibéryen für Engelen, der von seinen Parteifreunden bejubelt wurde. Nur kurz bevor der Applaus für Engelen ertönte, herzte Roy Reding Roby Mehlen, der im Osten den Einzug in die Chamber knapp verpasste. „Wir haben knapp zehn Prozent der Stimmen, insgesamt sind knapp 20 Prozent der Wähler im Osten nicht repräsentiert.
Ich fühle mich in meiner Ehre gekränkt.
Das kann nicht sein“, zeigt sich Mehlen verbittert und kündigt an, den Rechtsweg gegen das Wahlsystem einzuschlagen: „In unserer Verfassung steht, dass jeder Luxemburger gleich viel wert ist, de facto ist der Wähler im Zentrum aber mehr wert als der Wähler im Osten. Da fühle ich mich als Bürger in meiner Ehre gekränkt.“ Mehlen hat sich vorgenommen, zur Not beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg für sein Anliegen zu kämpfen. Wenn die CSV schon nicht mit uns regieren wollte, dann sollen sie eben mit uns in die Opposition.
Wenn die CSV schon nicht mit uns regieren wollte, dann sollen sie eben mit uns in die Opposition.
Gibéryen kann sich vorstellen, dass die fehlende Machtperspektive auch ein besseres Abschneiden seiner Partei verhindert hat. „Statt sich den Gambia-Parteien anzubiedern, hätte die CSV mit uns eine echte Alternative anbieten können.“ Vom „Luxemburger Wort“ gefragt, welche Koalition er denn präferiere, CSV-DP oder eine Fortführung der jetzigen Regierung, antwortete er lakonisch: „Wenn die CSV schon nicht mit uns regieren wollte, dann sollen sie eben mit uns in die Opposition.“
