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CSV und Déi Lénk: "Können keine Impfstrategie erkennen"
Politik 3 Min. 26.01.2021

CSV und Déi Lénk: "Können keine Impfstrategie erkennen"

Bis Ende März sollen alle Personen aus Phase 1 geimpft sein. Dann erst beginnt Phase 2, während der die besonders Vulnerablen und die über 75-Jährigen geimpft werden.

CSV und Déi Lénk: "Können keine Impfstrategie erkennen"

Bis Ende März sollen alle Personen aus Phase 1 geimpft sein. Dann erst beginnt Phase 2, während der die besonders Vulnerablen und die über 75-Jährigen geimpft werden.
Foto: DPA
Politik 3 Min. 26.01.2021

CSV und Déi Lénk: "Können keine Impfstrategie erkennen"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Hat die Regierung eine Impfstrategie, die den Namen verdient? Und unternimmt sie genug, um die Menschen zu überzeugen? Wir haben drei Politiker dazu befragt.

Die Impfungen kommen nur schleppend voran. Das hat mit den Lieferungen zu tun, die nicht wie geplant eintreffen, und mit der Vorsicht der Regierung, die für jeden Erst-Geimpften die zweite Dosis reserviert, statt - wie andere Länder - alle Dosen zu verimpfen und darauf zu hoffen, dass die nächsten Lieferungen rechtzeitig eintreffen, um die zweite Dosis fristgerecht zu verabreichen.


30.12.2020, Bayern, Gauting: Ein Mitarbeiterin der Asklepios Klinik bereitet den Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer für eine Impfung vor. Zahlreiche Mitarbeiter der Klinik haben sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Das klingt gut, eine richtige Impfstrategie aber ist nicht zu erkennen. Das meint zumindest CSV-Sprecher Claude Wiseler. Er vermisst Details zu den einzelnen Impfphasen, das heißt, in welcher Reihenfolge welche Bevölkerungsgruppen drankommen. Dazu muss man allerdings sagen, dass die Regierung noch das Gutachten der nationalen Ethikkommission abwarten wollte. Dieses Gutachten ist nun da, sodass die Regierung die Details zur Strategie wohl demnächst kommunizieren wird. Klar ist, dass es noch viele Monate dauern wird, bis alle ihre Einladung erhalten haben. Klar ist auch: Die Menschen brauchen weiterhin Geduld.

Die sollte man nicht überstrapazieren, findet Wiseler. Er fordert eine Impfstrategie mit klaren, nachvollziehbaren Schritten. „Man muss den Menschen Perspektiven aufzeichnen, um sicherzustellen, dass sie Verständnis aufbringen und die Politik mittragen.“ Man müsse die Impfstrategie auch im Zusammenhang mit den Schutzmaßnahmen betrachten. „Wenn 30, 40 oder 50 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, werden die Maßnahmen dann gelockert? Welche Maßnahmen werden gelockert?“, will der CSV-Sprecher wissen.   

Am Freitag hatte Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) Hoffnungen geweckt, als sie die zweite Impfphase ankündigte. Ein genaues Datum nannte sie nicht. In Phase 2 werden „Personnes hautement vulnérables“ und Personen über 75 Jahre geimpft. Wer aber nun meinte, dass die zweite Phase bald beginnt, wird enttäuscht. Die Santé geht davon aus, dass Phase 1 erst Ende März abgeschlossen sein wird. Erst danach wird Phase 2 gestartet. Das teilte die Gesundheitsbehörde am Montag via Presseschreiben mit. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hänge jedoch von den Lieferungen, der Produktion sowie von der Beteiligung der Bürger ab, erklärte die Santé am Dienstag auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“. 

Geringe Beteiligung an Impfungen

Nur 40 Prozent derer, die eine Einladung fürs Impfzentrum erhalten haben, haben sich tatsächlich impfen lassen. Eine Katastrophe, sagt Wiseler. Dabei handelt es sich um Gesundheits- und Pflegepersonal. Statt sie zu zwingen, ein Impfzentrum aufzusuchen, hätte man sie in den jeweiligen Institutionen impfen sollen. „Hier sind eindeutig technische Fehler passiert, die man hätte voraussehen können“, sagt der CSV-Abgeordnete. 

Wiseler zufolge ist die geringe Beteiligung auch auf die mangelhafte Informationskampagne zurückzuführen. „Es ist ein Fehler, die Menschen zur Impfung einzuladen, ohne sie über die verschiedenen Impfstoffe, ihre Wirksamkeit und Risiken aufzuklären. Man muss auf Ängste eingehen, die Dinge erklären, die Menschen überzeugen, wenn man möchte, dass sie sich impfen lassen.“ 


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Auch Marc Baum (Déi Lénk) vermisst die von Regierungsseite angekündigte Kommunikations- und Sensibilisierungskampagne. Vor allem bei den Franzosen sei die Impfskepsis groß. Das habe historische Gründe und gehe auf einen Skandal in den Achtzigern zurück, „als eine Impfung, wie sich im Nachhinein erwies, fälschlicherweise mit Erkrankungen an Multiple Sklerose in Verbindung gebracht wurde“, so Marc Baum. Die Impfskepsis sei im französischen Kollektiv tief verankert. Umso wichtiger seien Sensibilisierung und Aufklärung

Marc Hansen (Déi Gréng) glaubt nicht an eine niedrige Impfbereitschaft des französischen Gesundheits- und Pflegepersonals. Er glaubt generell nicht, dass die niedrige Beteiligung auf eine geringe Impfbereitschaft zurückzuführen ist, da es sich beim Gesundheits- und Pflegepersonal um medizinisch aufgeklärte Menschen handelt. Was genau die Probleme sind, weiß aber auch er nicht. Er plädiert für eine genaue Ursachenforschung.

Sollte man in Phase 2 die Impfung näher zu den Menschen bringen, damit sich mehr impfen lassen? „Wenn das geht, sollte man das tun“, lautet Wiselers Antwort. Das Problem seien die extremen Bedingungen, unter denen der Impfstoff von Biontech/Pfizer beispielsweise gelagert werden müsse. Das stelle die Regierung vor quasi unüberwindbare technische und logistische Probleme. Impfstoff, der mit weniger Aufwand gelagert werden kann, müsse auf jeden Fall auch außerhalb der Impfzentren, also lokal - zum Beispiel von Hausärzten - verabreicht werden.

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