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CSV fordert, das Wohlbefinden der Kinder zu stärken
Politik 3 Min. 30.11.2021
Familienpolitik

CSV fordert, das Wohlbefinden der Kinder zu stärken

Mehr Zeit für die Kinder und eine bessere Vereinbarkeit mit dem Beruf sind Kernforderungen.
Familienpolitik

CSV fordert, das Wohlbefinden der Kinder zu stärken

Mehr Zeit für die Kinder und eine bessere Vereinbarkeit mit dem Beruf sind Kernforderungen.
Foto: Getty Images
Politik 3 Min. 30.11.2021
Familienpolitik

CSV fordert, das Wohlbefinden der Kinder zu stärken

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Serge Wilmes und Françoise Hetto stellen Verbesserungsvorschläge vor, wie Kindern und Jugendlichen eine gesunde Entwicklung gewährleistet werden soll.

Die CSV macht sich Sorgen um die Kinder. Nicht nur wegen der Auswirkungen der Pandemie auf ihr Wohlbefinden, sondern ganz allgemein und schon länger. Vor einem Jahr bereits hatte sie eine Interpellation zum Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen beantragt. Am Mittwoch findet sie nun statt.

In Anlehnung an das Motto aus einer früheren Rede zur Lage der Nation - wenn es dem Land gut geht, soll es auch den Menschen gut gehen - heißt es bei den Vorschlägen der Christsozialen, die am Dienstag vorgestellt wurden: „Wenn es unseren Kindern gut geht, dann geht es auch unserem Land in Zukunft besser“. Schließlich gelten Kinder allgemein als „unsere Zukunft“. 

Kinder leiden am meisten unter der Pandemie


Die Corona-Pandemie hat die bestehenden Ungleichheiten in der Gesellschaft verschärft. Charel Schmit und Ines Kurschat vom Okaju fordern die Politik dazu auf, rechtzeitig die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um Kinder und Jugendliche vor Armut und Ausgrenzung zu schützen.
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Nun hat sich das Wohlbefinden der Kinder aber in der Krise verschlechtert. „Laut einer Studie der Uni.lu zahlen die Kinder und Jugendlichen einen hohen Preis durch die Isolation, die soziale Distanzierung und die Covid-Maßnahmen allgemein. Die vulnerabelsten Teile der Bevölkerung leiden am meisten, dabei ist gerade für sie und ihre gesunde Entwicklung die mentale Gesundheit wichtig“, betonte Serge Wilmes. 

Aber schon vor der Pandemie waren Kinder durch die gesellschaftlichen  Veränderungen enormen Herausforderungen ausgesetzt. „Sie wachsen in eine Gesellschaft hinein, die von hohem Druck geprägt ist – Zeitdruck, Erwartungsdruck, Schnelllebigkeit und Unsicherheit. Das ermüdet. Kinderärzte sind schon länger alarmiert über Konzentrations- und Verhaltensprobleme und schlechten Schlaf.“ 

Das physische, psychische und soziale Wohlbefinden habe aber entscheidenden Anteil an der gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. „Kinder, die sich sicher fühlen und entspannt den Alltag bewältigen, können sich positiv auf äußere Bildungsimpulse einlassen. Das Wohlbefinden ist der Schlüssel für erfolgreiches Lernen und Chancengerechtigkeit - vor, während und nach der Covid-19-Pandemie“, sagte Françoise Hetto-Gaasch.

Mehr Wert auf das Qualitative setzen

Wir brauchen unbedingt mehr Daten zum Wohlbefinden der Kinder und Jugend.

Serge Wilmes

In Zukunft müsse das Primat auf das Qualitative gesetzt werden, das gelte für das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das durch den lang geforderten Faktor des Wohlbefindens ergänzt werden müsse. „Wir brauchen aber auch unbedingt mehr Daten zum Wohlbefinden der Kinder und Jugend, es gibt nicht genug Studien und Analysen“, bemängelte Wilmes. 


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Er forderte zudem eine zentrale Online-Informationsstelle mit allen nützlichen und hilfreichen Angeboten, die auch ausgebaut werden müssten. Eltern sollten zudem einen Informationsbrief erhalten. „Sie brauchen in der Phase des Elternwerdens Hilfe“, erklärte Wilmes, der sich auch dafür aussprach, dass sich Eltern mehr Zeit für ihre Kinder nehmen müssen können. „Wir fordern schon lange eine größere Flexibilisierung des Elternurlaubs.“

Tagesmütter aufwerten

Wilmes beklagte auch, dass die 680 Tagesmütter nicht genug Vergütung bekommen. „Betreuungsstrukturen und Maison relais erhalten sechs Euro pro Kind und Stunde, Tagesmütter 3,75 Euro – damit kommt man knapp über die Runden.“ Sie müssten aufgewertet werden. Kritisch sah er auch die neue Maßnahme des gratis Mittagessens in den Maison relais. „Was ist mit denen, die ihre Kinder zu Hause speisen? Wo bleibt hier die Wahlfreiheit?“


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Für Hetto-Gaasch hat das Wohlbefinden zwei Faktoren: Zeit und Qualität. In diesem Sinn müssten Eltern mehr unterstützt werden, Zeit mit ihren Kindern und nicht neben ihren Kindern her zu verbringen. Gerade die ersten 1.000 Tage eines Kindes seien entscheidend für eine gesunde Entwicklung und gute Bildungschancen. „Es muss mehr über die Risiken und Gefahren des frühen und übermäßigen Bildschirmkonsums aufgeklärt werden.“

Es brauche aber auch gut ausgebildete Lehr- und Erziehungspersonen und eine Qualitätskontrolle und -sicherung der Betreuungsstrukturen. „Wir wünschen uns auch einen schulpsychologischen Dienst in den Grundschulen“, forderte Hetto-Gaasch.  

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