CSV: Ein harter Schlag
CSV: Ein harter Schlag
Für keine Partei stand am Wahlsonntag so viel auf dem Spiel wie für die CSV. Denn wer viel hat, hat auch viel zu verlieren. 2014 fuhr die CSV mit 37,66 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis bei Europawahlen ein. Der Sieg vor fünf Jahren war Balsam auf der noch nicht geheilten christlich-sozialen Seele. Diese drei Sitze galt es zu verteidigen, und das ohne Viviane Reding, ohne Georges Bach und ohne Frank Engel.
Die CSV versuchte ihr Glück bei dieser Wahl mit nur einem amtierenden EU-Parlamentarier und ansonsten weitgehend unbekannten Gesichtern, wenn man einmal von Isabel Wiseler absieht. Der Plan war riskant, die Angst vor einem Debakel groß. Und genau so sollte es auch kommen.
Minus 16,55 Prozentpunkte
Die Christsozialen verloren 16,55 Punkte an Zustimmung und erreichten gestern mit 21,1 Prozent ein neues historisches Tief. Doch es reichte, um zwei Schäfchen ins Trockene zu bringen: Gewählt wurden die beiden Spitzenkandidaten Christophe Hansen und Isabel Wiseler. Hansen landete mit 62.622 Stimmen auf Platz 2 hinter Charel Goerens, dem großen Abräumer bei diesen Wahlen. Isabel Wiseler wurde Fünftgewählte mit 49.496 Stimmen. Beide CSV-Kandidaten kamen nicht an ihr persönliches Ergebnis von 2014 heran (Hansen: 63.705, Wiseler: 60.026).
Schon früh sickerte am Sonntagabend in der CSV-Wahlzentrale in Hesperingen durch, dass die CSV wohl einen Sitz einbüßen würde. Doch als um 23 Uhr Mandatsträger und Parteianhänger im Centre Nic Braun auf den großen Bildschirm mit den Ergebnissen starrten, herrschte Stille. Kein Ah, kein Oh, kein Aufschrei, nichts. Auf den Sitzverlust war man eingestellt, aber gleich ein Minus von 16,55? Das war dann doch ein Schock.
„Wir hatten schon bessere Abende“, sagte Parteipräsident Frank Engel, nachdem der erste Schock sich gelegt hatte. Darauf folgten Erklärungen. „Wir sind mit einer ehrlichen, frischen, neuen und jungen Liste angetreten und es war klar, dass wir nicht an unser Ergebnis von 2014 anknüpfen können würden“, meinte Engel.
Auf die CSV warte nun viel Arbeit, „um dafür zu sorgen, dass wir von diesen 21 Prozent wieder wegkommen“. Ein starker grüner Trend und ein starker liberaler Spitzenkandidat erklärten vieles, „sind aber kein Grund, nicht zu versuchen, es nächstes Mal besser zu machen“, so Engel.
Christophe Hansen, der sein Amt im EU–Parlament erst vor acht Monaten antrat, sprach angesichts des Risikos, das man mit der Kandidatenliste eingegangen war, von einem Erfolg, der dem sechsköpfigen Team zu verdanken sei. Das sah auch Isabel Wiseler so. „Wenn Christophe und ich gewählt wurden, dann ist das ganz klar der Verdienst des gesamten Teams.“
Zur Erinnerung: 2014 holte die CSV 441.578 Stimmen, fast so viele wie DP, LSAP und Grüne zusammen (486.832). Allein Viviane Reding (126.952) hatte fast so viele Stimmen wie die LSAP insgesamt (137.504). Sie war die nationale Gewinnerin mit einem Vorsprung von 43.977 Stimmen auf den Zweitgewählten Charel Goerens (DP). Selbst die letztgewählte Marianne Pesch-Dondelinger (56.769) konnte mehr Stimmen für sich verbuchen als beispielsweise LSAP-Spitzenkandidatin Mady Delvaux, die mit 33.089 Stimmen einen Sitz im EU-Parlament ergattern konnte.
Als Abonnent wissen Sie mehr
In der heutigen schnelllebigen Zeit besteht ein großer Bedarf an zuverlässigen Informationen. Fakten, keine Gerüchte, zugänglich und klar formuliert. Unsere Journalisten halten Sie über die neuesten Nachrichten auf dem Laufenden, stellen politischen Entscheidern kritische Fragen und liefern Ihnen relevante Hintergrundgeschichten.
Als Abonnent haben Sie vollen Zugriff auf alle unsere Artikel, Analysen und Videos. Wählen Sie jetzt das Angebot, das zu Ihnen passt.

