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Covid-Infektionen: Bericht über die Situation in den Schulen
Politik 5 Min. 14.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Covid-Infektionen: Bericht über die Situation in den Schulen

Gesundheitsminister Claude Meisch (DP) bei der Vorstellung der Analyse.

Covid-Infektionen: Bericht über die Situation in den Schulen

Gesundheitsminister Claude Meisch (DP) bei der Vorstellung der Analyse.
Gerry Huberty
Politik 5 Min. 14.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Covid-Infektionen: Bericht über die Situation in den Schulen

Morgan KUNTZMANN
Morgan KUNTZMANN
Die Gesundheitsministerin Lenert und Bildungsminister Meisch stellen den Bericht über die Infektionen in Schulen vor und ziehen die ersten Schlüsse für den Schulanfang 2020.

Es gab wohl seit dem Beginn der Pandemie kein größeres Streitthema als die Auswirkungen der Schulöffnungen auf die Covid-Infektionsrate in der Bevölkerung Luxemburgs. Am Freitag haben Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und Bildungsminister Claude Meisch (DP) eine Pressekonferenz abgehalten, bei der ein Bericht präsentiert wurde, der die bisherigen Erkenntnisse über die Infektionen von Schülern und Lehrern im Schulalltag analysiert. „Wir haben Daten aus der Santé in den Bericht einfließen lassen, diese aber auch in den internationalen Kontext gesetzt“, betont Paul Wilmes der Uni-Professor, der ebenfalls Mitglied der Corona-Task-Force der Regierung ist. 

„Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 18 Jahren gibt es international eine Todesrate von 0,03 Prozent“, so Wilmes. Auch schwere Verläufe und Hospitalisierungen sind bei Minderjährigen viel seltener, als in der breiteren Gesellschaft. So erklärt sich, dass es in Luxemburg keinen einzigen Todesfall bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 19 Jahren gab. 

Demnach ist es möglich, dass Kinder und Jugendliche auch bei der Verbreitung des Virus eine untergeordnete Rolle spielen. Ganz sicher sei man sich in dieser Hinsicht aber noch nicht, so Wilmes.

Situation in den Schulen

Paul Wilmes zeigte die Situation in Luxemburgs Schulen, die in dem Bericht untersucht wurde, anhand einer Grafik. Vor allem während der ersten Welle, zum Beispiel während der Woche vom 23. März, waren Kinder und Jugendliche im Vergleich zum Rest der Gesellschaft nur sehr wenig betroffen. Rund 40 von 100.000 Minderjährigen wurden positiv getestet. 

Michèle Winandy



A walk-in pedestrian is tested at a COVID-19 testing station setup at Eden Park, National Sports Stadium, in Auckland on August 14, 2020. - New Zealand rushed to track the source of a sudden return of the coronavirus as the number of new cases in its biggest city rose to 17 and officials warned more infections were inevitable. (Photo by DAVID ROWLAND / AFP)
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Bei der zweiten Welle sieht es in Luxemburg allerdings anders aus - hier liegen die Zahlen der positiv getesteten Kinder und Jugendlichen in etwa so hoch, wie im Rest der Gesellschaft. Etwa 100 von 100.000 Minderjährigen wurden in diesem Zeitraum positiv getestet. „Die Übertragungen fanden vor allem in den Haushalt statt“, erklärte Paul Wilmes.

Die Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Welle liegen laut Bildungsminister Claude Meisch vor allem daran, dass während der ersten Welle vor allem noch symptomatisch getestet wurde. Da Kinder und Jugendliche seltener Symptome zeigen, seien diese wohl nicht so systematisch erfasst worden, wie bei den Large Scale Tests während der zweiten Welle. 

Lehrerinnen und Lehrer waren etwas weniger von Infektionen betroffen, als Arbeitnehmer in anderen Bereichen. Dies hinge, dem Bildungsminister nach, mit den strengen Hygienemaßnahmen, die in den Schulen gelten. Grundschulkinder infizieren sich seltener als Schüler in der Sekundarschule.  

Michèle Winandy

Infektionen eher im Haushalt als in der Schule

Laetitia Huiart von der Inspection sanitaire de la Direction de la santé erklärte am Freitag, dass die Familie nach wie vor die Hauptinfektionsquelle für Kinder und Jugendliche ist. In 49 Fällen sei es allerdings auch „sehr wahrscheinlich“ zu Infektionen unter Schülern in der Schule gekommen. „Dies sind 11,6 Prozent von insgesamt 424 Personen, Schülern und Lehrern, die sich mit dem Virus infiziert haben“, erklärte Laetitia Huiart. „Wir gehen davon aus, dass diese 49 Infizierungen von 29 Personen ausgingen“, fügte sie an. 150 infizierte Kinder und Jugendliche hätten die Krankheit jedoch an niemanden weitergegeben, so Huiart.  

„Wenn ein Infektionsfall auftritt, sind die Vorsichtsmaßnahmen in Schulen besonders streng“, so die Mitarbeiterin der Inspection sanitaire, „Die ganze Klasse muss dann in Quarantäne gehen.“ 

Michèle Winandy

Insgesamt 2711 Personen mussten im Zusammenhang mit Infektionsfällen in Quarantäne gehen, davon wurden später 152 Menschen positiv getestet. Insgesamt waren 726 Schüler in Quarantäne, davon wurden 16 positiv getestet.


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Die Schule sei aufgrund der Datenlage nicht als Ort mit einem außergewöhnlich hohen Infektionsrisiko einzuschätzen, da sich die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen parallel zum Rest der Gesellschaft entwickelt haben. Es habe keine unkontrollierten Infektionsfälle in Schulen gegeben und es seien auch keine größeren Cluster entstanden.

Schulbildung in Zeiten von Corona  

"Trotz Restriktionen haben Kinder und Jugendliche ein Recht auf Bildung. Wir dürfen keine verlorene Corona-Generation entstehen lassen", betont der Bildungsminister.  An einigen seien die Maßnahmen nicht spurlos vorbeigegangen und hätten das Schuljahr 2020 extrem negativ beeinflusst.   Man habe gesehen, dass das Virus für Kinder und Jugendliche ungefährlicher sei, als für ältere Mitbürger - es gehe also mit den Maßnahmen vor allem darum, Risikogruppen zu schützen.  

 "Die Erkenntnisse dieses Berichts wird dazu beitragen, dass wir Eltern und Schüler beruhigen können - die Schule ist kein besonderer Risikoort", erklärte der Bildungsminister. „Es gab keine unkontrollierten Infektionsketten in den Schulen. Die Reproduktionszahl in den Schulen lag bei 0,27“, fügte Meisch an. 


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Trotzdem müsse man auch im kommenden Schuljahr vorsichtig bleiben und verschiedene Maßnahmen beachten. „Dass sich Schüler in der Schule infizieren, sei nicht unmöglich - aber äußerst selten“, so Meisch. Den Bericht würde man in die Überlegungen für das kommende Schuljahr mit einfließen lassen.  

Die gewonnen Erkenntnisse 

Minister Meisch fasste die für ihn wichtigsten Erkenntnisse des Berichts zusammen: "Es gab keine größeren Infektionsketten in Schulen." Auch sei die Reproduktionszahl in den Schulen - also Erkrankte, die den Erreger weitergegeben haben - mit 0,27 extrem niedrig.  Zu Anfang der Pandemie sei man noch davon ausgegangen, dass die Schule einer der Hauptinfektionsquellen sein könnte - dies habe sich allerdings nicht bewahrheitet. Schüler seien vor allem auch weniger gefährdet, einen schweren Krankheitsverlauf zu erhalten.  Man arbeite daher nun an einem Stufenprogramm für das kommende Schuljahr, das in den kommenden Wochen vorgestellt werden soll.  

Erste Anhaltspunkte für den Schulanfang 2020

Auf die Frage eines Journalisten, wie genau das Stufenprogramm aussehen soll antwortete Meisch: „Die genaue Form des Stufenprogramms werden wir unter Berücksichtigung des Analyse-Berichts und mit Absprache des Lehrpersonals ausarbeiten.“ Wie auch in der Gesellschaft, hing die Infektionsrate mit der Bevölkerungsdichte der jeweiligen Region zusammen. „In verschiedenen Regionen gab es gar keine Fälle, während es in anderen mehrere gab“, fasste Meisch zusammen. 

Deshalb wird mithilfe der Santé ein Restriktionsminimum ausgearbeitet, das je nach Gefährdungslage der jeweiligen Schule verschärft werden könnte. Den Effekt der Zusammenlegung der A/B Gruppen könne man nicht genau beziffern, da die Datenlage eine solch klare Trennung nicht zulasse. „Unser Ziel ist für das kommende Schuljahr, den Schulunterricht wieder größtmöglich normal zu organisieren“, so Minister Meisch. Ebenfalls sollen Schüler die Möglichkeit bekommen, sich nach dem Sommerurlaub und vor dem Schulbeginn testen lassen zu können. 

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