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Covid-Impfstoff: EU-Länder preschen vor
Politik 2 Min. 07.07.2020

Covid-Impfstoff: EU-Länder preschen vor

Bei der Auswahl eines Pharmakonzerns zählt nicht nur die Forschung. Auch die Fähigkeit, ausreichende Mengen des Impfstoffs liefern zu können, ist wichtig.

Covid-Impfstoff: EU-Länder preschen vor

Bei der Auswahl eines Pharmakonzerns zählt nicht nur die Forschung. Auch die Fähigkeit, ausreichende Mengen des Impfstoffs liefern zu können, ist wichtig.
Friso Gentsch/dpa
Politik 2 Min. 07.07.2020

Covid-Impfstoff: EU-Länder preschen vor

Morgan KUNTZMANN
Morgan KUNTZMANN
Vier EU-Mitgliedsstaaten haben eine "Impf-Allianz" gebildet, um einen Impfstoff zu finden. Wie Luxemburg sich an dieser beteiligen kann, scheint noch unklar.

„Um endgültig aus der Covid-Krise zu kommen, brauchen wir einen Impfstoff“, so begann am Dienstag die erweiterte Frage des Abgeordneten Marc Hansen (Déi Gréng) an Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP). Hansen ging bei seiner Frage auf die „EU-Strategie für Covid-19-Impfstoffe“ ein, die die Europäische Kommission am 16. Juni veröffentlicht hat. 

Die größeren EU-Staaten Frankreich, Deutschland, Italien und die Niederlande haben eine „Inklusive Impfallianz (Gavi)“ gebildet. Dieser Allianz können sich alle EU-Mitgliedstaaten anschließen. Mithilfe der Impfallianz sollen die nationalen Ressourcen der Länder gebündelt und ein gleichberechtigter Zugang zur Impfstoffversorgung für die Bevölkerung gewährleistet werden. 

Dementsprechend hat die Allianz bereits ein Vorkaufsrecht mit dem Pharmakonzern AstraZeneca ausgehandelt, für eine Bestellung von 300 Millionen Impfdosen. Das Problematische an diesem Vorgehen ist, dass die anderen EU-Staaten vor „vollendete Tatsachen gestellt worden sind“, wie es Marc Hansen am Dienstag im Cercle Cité beschrieb. Die Initiatoren der Impfallianz haben die Verhandlungen um das Erstkaufrecht der Millionen Impfdosen durchgeführt, ohne die anderen Mitgliedstaten mit einzubeziehen. 


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Auf die Fragen des Abgeordneten Hansen, „wie kann der Vertrag auf die ganze EU übertragen werden? Was sind die Vertragsklauseln? Kann man aus dem Kontrakt wieder aussteigen?“, konnte die Gesundheitsministerin nur zögerlich antworten: „Wir haben den Vertrag noch nicht gesehen.“ 

Gewusst sei, dass die Direction générale de la santé von der EU-Kommission sich zuversichtlich zeige, dass sich die anderen EU-Länder dem Vertrag mit dem Pharmakonzern anschließen könnten. „Der Konzern AstraZeneca hat gute Chancen, die erste Firma zu sein, die einen Impfstoff findet“, fügte Lenert an. Die Frage, welche Selektionskriterien angewandt wurden, um die Pharmakonzerne auszuwählen, konnte die Ministerin ebenfalls beantworten: „Wir wissen nur, dass die Kommission mit allen Impfstoffherstellern in Kontakt treten wird, die noch dieses Jahr klinische Studien durchführen und schnell die nötigen Mengen liefern könnten.“ 

Herdenimmunität 

Marc Hansen ging bei seinen erweiterten Fragen auch auf das Thema der Herdenimmunität ein. Dies ist eine indirekte Form des Schutzes vor einer ansteckenden Krankheit, der entsteht, wenn ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung bereits immun geworden ist, sei es durch Impfung oder durch Infektion. Dadurch verringern sich die Ausbreitungsmöglichkeiten des Krankheitserregers insgesamt. Marc Hansen stellte fest, dass bei einer Bestellung von 300 Millionen Impfdosen zwei Drittel der EU-Bevölkerung abgedeckt wären und stellte die Frage: „Kann mit einer Impfung von 60 Prozent der Bevölkerung eine Herdenimmunität erreicht werden?“ 


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„Luxemburg hat als Ziel, eine Herdenimmunität von 50 bis 70 Prozent durch Impfen zu erreichen“, lautete die Antwort der Ministerin. Natürlich werde man darauf achten, welche Bevölkerungsgruppen ein Vorrecht auf die Impfung erhalten sollen. „Bei der EU ist die Zielsetzung 40 Prozent Immunität in einer ersten Phase“, erklärte Lenert weiter. 

Dass eine Vorbestellung nicht gleichzusetzen sei mit einer Lieferung erinnerte der Grünen-Abgeordnete Marc Hansen, als er seine Fragen stellte. „Die Auswahl eines Pharmakonzerns und Impfstoffs gleicht einem Pokerspiel, man ist nicht sicher, auf wen man setzen soll.“ Dementsprechend könnte es sein, dass man gar keinen Impfstoff findet.


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