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Covid-19: Gesundheitssystem stellt auf Krisenmodus um
Politik 2 5 Min. 30.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Covid-19: Gesundheitssystem stellt auf Krisenmodus um

Die Corona-Krise erfordert es, dass Patienten erst telefonieren sollen und dann dahin orientiert werden, wo ihnen am besten geholfen werden kann.

Covid-19: Gesundheitssystem stellt auf Krisenmodus um

Die Corona-Krise erfordert es, dass Patienten erst telefonieren sollen und dann dahin orientiert werden, wo ihnen am besten geholfen werden kann.
Foto: Lex Kleren
Politik 2 5 Min. 30.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Covid-19: Gesundheitssystem stellt auf Krisenmodus um

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Das Gesundheitssystem wird krisenbedingt neu organisiert - was das für Patienten, Ärzte und sämtliche Gesundheitsberufe bedeutet, erklärten am Montag Gesundheitsministerin Paulette Lenert und der neue nationale Koordinator Dr. Alain Schmit.

Am Montag  waren 1.988 Personen infiziert - 38 mehr als am Vortag - und es gibt insgesamt 22 Todesopfer zu beklagen. Zehn davon sind Personen aus einem Alten- und Pflegeheim, elf verstarben im Krankenhaus und eine Person zu Hause. 

202 Personen waren hospitalisiert und 31 wurden auf einer Intensivstation betreut. 80 Corona-Patienten konnten mittlerweile wieder das Krankenhaus verlassen. Es wurden 16.199 Tests vorgenommen, 308 am Sonntag und damit weniger am Wochenende als in der Woche.  

 Über diese neuesten Zahlen hinaus informierten Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und Dr. Alain Schmit am Montag vor allem über Organisatorisches. "Wir sind uns alle einig, dass der Gesundheitssektor mit dieser Krise vor großen Herausforderungen steht und dafür global anders aufgestellt werden muss", erklärte Lenert.  

Flexibilität ist gefordert

Das gemeinsame Ziel müsse es sein, die bestmöglichen Gesundheitsdienstleistungen über die nächsten Wochen aufrecht zu erhalten. Das habe aber große Auswirkungen auf die Gewohnheiten und die Organisation, die die Patienten und alle, die im Gesundheitssektor arbeiten bislang gewohnt waren. Der Gesondheetsdësch wird erst einmal auf Eis gelegt. 

Was an Behandlungen warten kann, wird erst einmal ausgesetzt, dringende Behandlungen werden aber natürlich weiter durchgeführt, Vorrang haben Corona-Patienten - mit dieser geänderten Priorisierung wird die gesamte Organisation in den Krankenhäusern umgestellt. "Das fordert ein starkes Zusammenspiel und viel Flexibilität von allen Akteuren - auch von den Patienten", betonte Lenert. 

Dr. Alain Schmit wird nationaler Koordinator

Am Freitag hat der Regierungsrat beschlossen, eine zentrale Verwaltung für die Krise einzusetzen. Sie beinhaltet eine Koordinationsstelle für alle Akteure aus dem Gesundheitssystem, die von Dr. Alain Schmit geleitet wird. Sein Mandat als Präsident der AMMD ruht während der Zeit. "Wir brauchen mehr denn je alle unsere Ärzte und alle unsere Pflegekräfte und wir werden keinen im Regen stehen lassen", sagte Lenert.

Der Gastrologe Dr. Alain Schmit wird nationaler Koordinator und lässt seine Präsidentschaft des Ärzteverbandes AMMD ruhen.
Der Gastrologe Dr. Alain Schmit wird nationaler Koordinator und lässt seine Präsidentschaft des Ärzteverbandes AMMD ruhen.
Foto: Guy Jallay

Es soll vermieden werden, dass die Leute sich zu viel fortbewegen, zu viel in Praxen gehen

Paulette Lenert

Für den Patienten heißt es nun, dass die Telekonsultation, mit der er einen Hausarzt erreicht, das erste Mittel ist. Der normale Weg soll über das Telefon laufen, um dann dorthin orientiert zu werden, wo es am sinnvollsten ist. "Es soll vermieden werden, dass die Leute sich zu viel fortbewegen, zu viel in Praxen gehen", erklärte Lenert. 

Auch ohne Verschreibung in ein Centre de soins avancés

Das heißt für die Patienten aber auch, dass sie nicht mehr nur mit dem Arzt ihrer Wahl zu tun bekommen. "Das ist der Preis dieser Krise", sagte Lenert. Sie werden dann entweder in eines der vier Centre de soins avancés geschickt oder in ein Krankenhaus oder es wird in Ausnahmefällen eine Visite in einer Praxis beziehungsweise ein Hausbesuch eines Arztes festgelegt. 

Patienten, die meinen, Corona-Symptome zu haben, können sich auch direkt und ohne Verschreibung an ein Centre de Soins Avancés wenden. Für Notfälle oder schwere Symptome sind weiterhin auch die Polikliniken der Krankenhäuser zuständig. 

Fünf Listen für ärztliche Bereitschaftsdienste

Für die Ärzte werden getrennte Dienstlisten erstellt: Die einen arbeiten in der Telekonsultation und machen Hausbesuche bei Patienten, die keine Covid-19-Patienten sind, andere werden rund um die Centre de soins avancés eingesetzt und machen gegebenenfalls auch Hausbesuche. Die dritte Liste ist reserviert für Hausärzte in den Alten- und Pflegeheimen, auf die sich rund um die Uhr in den kommenden Wochen besonders konzentriert wird. 

Daneben gibt es Listen für die Dienste der jeweiligen Fachrichtungen und für die Dienste in den Krankenhäusern sowie für die Zahnärzte. Denn die normale gesundheitliche Versorgung muss auch aufrecht erhalten werden. Hausärzte, Fachärzte und Zahnärzte werden gebeten, sich bis Dienstag, 31. März auf einer der Listen einzutragen. 


Coronavirus , PK Xavier Bettel und Paulette Lenert , Sars-CoV-2 , Covid-19 , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
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"Es ist ein sehr komplexes System, das hier verwaltet werden muss", sagte die Gesundheitsministerin, die ihrem Kollegen Romain Schneider (LSAP) aus dem Sozialministerium dafür einen Stundentarif von 236,40 Euro für die Ärzte mit auf den Weg gab: "Manche Ärzte sind nun permanent im Einsatz - das funktioniert nicht mit Einzeltarifen. Ein solches System bringt auch keine administrativen Lasten für die CNS." 

Option eines CDD beim Staat für die Krisenzeit

Weil mit dieser Neuorganisation keiner im Regen stehen gelassen werden soll und verschiedene Berufsgruppen mehr in den Einsatz gelangen als andere, wird allen 20 gesetzlich anerkannten Gesundheitsberufen - von Ärzten, Zahnärzten und Tierärzten über Krankenpfleger bis hin zu Psychotherapeuten, Psychomotorikern, Orthophonisten und Ernährungsberatern - die Möglichkeit geboten, einen befristeten Arbeitsvertrag mit dem Staat abzuschließen

Der gilt so lange wie die Krise anhält, zumindest einmal zwei Monate und beruht auf Freiwilligkeit. "Das bietet den Gesundheitsberuflern eine Sicherheit, durch die Krise zu kommen und uns die Sicherheit, sie allzeit über Reservelisten einsetzen zu können", betonte Lenert. 

Anordnung für Personal in Pflegeheimen

Sie wies auch ausdrücklich darauf hin, dass für das Personal in den Alten- und Pflegeheimen eine Anordnung des Gesundheitsdirektors erging, dass es ab sofort verboten ist, arbeiten zu gehen, wenn man Corona-Symptome aufweist. Diese Pfleger müssen sich testen lassen und wenn der Test positiv ist, dies ihrem Arbeitgeber mitteilen. Dieser muss Listen führen und positive Fälle der Gesundheitsdirektion melden. Es gilt auch eine Anordnung, die Arbeitskleidung unter strengsten Hygieneregeln zu wechseln. 


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Abschließend appellierte Lenert an die Ärzteschaft und die Pflegekräfte, verfügbar zu bleiben. "Wir arbeiten derzeit noch mit Freiwilligen, können aber jederzeit auch Personal einziehen, wenn es sein muss." An die Bevölkerung erging der Appell, weiter die Hygiene- und Ausgangsregeln zu befolgen und nur das Haus zu verlassen, wenn es unbedingt sein muss. Ein warmer Dank ging an die Ehrenamtlichen, die sich in den Einsatz gemeldet haben. 

Schutz und Prävention spielen zentrale Rolle

Auch Dr. Alain Schmit betonte, dass sich die Organisation der Ärzte- und Zahnärzteschaft an den Patientenbedürfnissen ausrichten muss. "Wir brauchen jetzt eine Krisenmedizin und daran haben wir gemeinsam gearbeitet." Schutz und Prävention spielten eine zentrale Rolle und seien genauso wichtig wie die Versorgung der Covid-Patienten, die sehr viel Pflege von Arzt und Pflegern bräuchten.

Wir brauchen jetzt eine Krisenmedizin und daran haben wir gemeinsam gearbeitet.

Dr. Alain Schmit

 Der neue Koordinator des Gesundheitsektors unterstehe der Ministerin und arbeite eng mit dem Krisenstab im Ministerium zusammen. Schmit wandte sich aber auch direkt an die Patienten und rief dazu auf, sich weiterhin bei einem Arzt zu melden, wenn sie sich nicht gut fühlten. "Es gibt keinen Grund, aus Angst vor dem Virus nicht zum Arzt zu gehen und deswegen einen Gesundheitsschaden davon zu tragen."


24.03.2020, Sachsen, Geyer: Solveig Brändl vom Textilunternehmen Brändl in Geyer zeigt Schutzkleidung und eine Mundschutzmaske, die hier im Unternehmen gefertigt werden. Die Masken und die Kleidung bestehen aus einem antibakteriellen Stoff, in dem Fäden aus reinem Silber eingewebt sind. Mit dem innovativen technischen Textil kämpft das Unternehmen aus dem Erzgebirge seit längerem gegen Krankenhauskeime. Was vielen Krankenhäusern bislang zu teuer war, wird in der Coronakrise interessant. Jetzt stellt der Betrieb auf Mundschutzmasken und Schutzkleidung um. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB +++ dpa-Bildfunk +++
WHO gegen allgemeines Mundschutztragen
"Wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist“, sagt ein leitender WHO-Mitarbeiter am Montag in Genf.

 Details zu Immuntests wird die Ministerin am Mittwoch oder Donnerstag bekannt geben. Auf Nachfrage erklärte sie, dass man nicht an dem Punkt angelangt wäre, an dem jeder eine Maske tragen müsse.

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