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Corona: Schulen ab Montag geschlossen
Politik 1 7 Min. 12.03.2020

Corona: Schulen ab Montag geschlossen

Premierminister Xavier Bettel (DP) und Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) haben am Donnerstag neue Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus bekannt gegeben.

Corona: Schulen ab Montag geschlossen

Premierminister Xavier Bettel (DP) und Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) haben am Donnerstag neue Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus bekannt gegeben.
Foto: Guy Wolff
Politik 1 7 Min. 12.03.2020

Corona: Schulen ab Montag geschlossen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Regierung hat am Donnerstag neue weitreichende Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Krise beschlossen. Das betrifft sämtliche Einrichtungen im Land.

„In den vergangenen 24 Stunden hat sich die Situation in Luxemburg und der Nachbarregion derart drastisch verändert, dass weitere Maßnahmen notwendig sind“, sagte Premierminister Xavier Bettel (DP) am Donnerstagabend nach einer erneuten Krisensitzung der Regierung wegen der Corona-Krise. 


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Nun ist es offiziell: Im Jahr 2020 wird keine Päischtcroisière stattfinden. Alle aktuellen Infos zur Krise im Ticker.

Um die Verbreitung des Erregers einzudämmen, sind Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern (indoor) und ab 500 Teilnehmern (outdoor) ab sofort verboten. Für Kinos und Schwimmbäder beispielsweise bedeutet das, dass „sie nicht mehr als 100 Personen zulassen dürfen“, wie Bettel auf Nachfrage erklärte. In den Kinos gilt die Beschränkung pro Kinosaal. 

Zudem sind ab Montag sämtliche Schulen und Betreuungseinrichtungen im Land bis einschließlich 27. März geschlossen (siehe Kasten unten). Das betrifft die Grund- und die Sekundarschulen. Bettel betonte, dass die Schüler nicht schulfrei haben. „Es wird während der Zeit Hausaufgaben geben, der Kontakt zwischen Schülern und Lehrern funktioniert per E-Mail“, so der Premier. 

Besondere Anweisungen an die Eltern und Kinder gab die Regierung nicht. „Sie stehen nicht unter Quarantäne, sie können sich also frei bewegen.“ Grund für die Schließung der Schulen ist laut dem Premier die Tatsache, dass Kinder das Virus unbemerkt in sich und somit weitertragen können. 

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Auch die Universität Luxemburg schließt ab Montag die Hörsäle und sagt sämtliche Kurse und Vorlesungen bis einschließlich 27. März ab. Die Kurse werden durch E-Learning-Kurse ersetzt. 

Eine Schließung aller Schulen und Betreuungseinrichtungen sowie eine Annullierung von Schulsportaktivitäten und Schulausflügen forderte am Donnerstag auch die CSV in einem Presseschreiben. 

Auch die Gewerkschaft SEW/OGBL meldete sich per Pressemitteilung zu Wort, mit der Beschwerde, die Schulen erhielten „keinerlei Aufklärung zum Umgang mit dem Coronavirus“. 

Bildungsminister Claude Meisch gibt am Freitag um 10 Uhr bei einer Pressekonferenz weitere Details zur Schließung der Schulen bekannt

Eine Person in kritischem Zustand 

Die Zahl der positiv getesteten Personen ist laut Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) innerhalb eines Tages von sieben auf 26 gestiegen. Stand Donnerstagabend 20 Uhr. Unter den Infizierten ist eine 94-jährige Person. Sie befindet sich in einem kritischen Zustand. 93 Personen befinden sich unter Quarantäne. Bis Donnerstag wurden über 400 Personen getestet. 


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Die Tests werden künftig nur noch an Personen durchgeführt, die gesundheitliche Komplikationen aufweisen. Grund ist die Reserve an Tests, „die nicht unendlich ist“, wie Paulette Lenert erklärte. 

Für besonders gefährdete Personen gelten neue Empfehlungen (siehe Kasten unten). Als besonders gefährdet gelten Personen über 65 Jahre, Personen mit einer Immunschwäche, Atemwegserkrankungen, kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetiker. 

Die drastischen Maßnahmen haben zum Ziel, Zeit zu gewinnen und die Verbreitung hinauszuzögern, aber auch eine Stärkung der Gesundheitsstrukturen „damit sie in der Lage sind, all jene Menschen zu behandeln, die Komplikationen haben“, so Paulette Lenert. 

Erst im Internet schlau machen 

Weil die Hotline 8002-8080 überlastet ist, wird ab Freitag ein zweites Callcenter in Betrieb genommen. Dennoch ging am Donnerstag der Rat an die Bevölkerung, sich zunächst auf www.gouvernement.lu oder www.sante.lu über die neuen Maßnahmen zu informieren. Dort findet man auch Antworten auf häufig gestellte Fragen. Dann war es noch die Bitte, den Notruf 112 nur im Notfall anzurufen. 

Auto-Quarantäne

Die Menschen können sich auch selbst in Quarantäne setzen. Im Krankheitsfall sollen sie auf keinen Fall ihren Arzt aufsuchen, sondern die Sprechstunde via Telefon abwickeln und einen Krankenschein anfordern. Auf diese Weise soll die Aktivität in den Arztpraxen und generell im Land reduziert werden, so Lenert. 

Die Regierung empfiehlt den Betrieben, Heimarbeit zu ermöglichen. Bei den Grenzgängern muss erst die Steuerfrage mit den jeweiligen Regierungen geklärt werden. Man sei mit den Autoritäten in den Nachbarländern im Gespräch, sagte Xavier Bettel. Grenzkontrollen oder Grenzschließungen sind kein Thema. „70 Prozent des Personals im Gesundheitssektor sind Grenzgänger“, sagte der Premier. „Wenn wir die Grenzen schließen, können wir auch die Krankenhäuser schließen.“ 

Die neuen Empfehlungen und Maßnahmen entsprechen dem, was am Donnerstag auch das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) den europäischen Ländern riet. 

Franz Fayot in Quarantäne 

Donnerstagabend kam noch die Meldung, dass Wirtschaftsminister Franz Fayot (LSAP) unter Quarantäne steht, weil er Kontakt mit Infizierten hatte. 

Wenn alles nach Plan läuft, findet kommenden Dienstag im Parlament eine Debatte über die Corona-Krise statt. Die Sitzung beginnt mit einer Deklaration von Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert, gefolgt von einer parlamentarischen Debatte, die den ganzen Nachmittag dauern wird. Sowohl die CSV als auch die ADR hatten rezent eine Aktualitätsstunde zum Thema beantragt. 

Lage in den Nachbarländern 

In Deutschland sind im Kampf gegen das Corona-Virus weiterhin keine großflächigen Schulschließungen geplant. Für Deutschland sprach sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zum jetzigen Zeitpunkt gegen eine flächendeckende Schließung aus. Man versuche, einen Normalbetrieb so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. 

Nach einem Treffen der Ministerpräsidenten der Bundesländer am Donnerstag  in Berlin verwies Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf die Zuständigkeit der Bundesländer. 

Die Kultusministerkonferenz (KMK) schließt jedoch eine derartige Maßnahme nicht aus. Das sagte die Vorsitzende, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), nach Beratungen mit ihren Kollegen und Kolleginnen aus den anderen Bundesländern in Berlin. 

Nachbar Frankreich hat hingegen bereits drastische Maßnahmen angekündigt. „Ab Montag und bis auf Weiteres werden alle Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Universitäten geschlossen“, kündigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Donnerstagabend in einer Fernsehansprache an.


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