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Corona-Krise: Das "Wir" gewinnt
Leitartikel Politik 2 Min. 24.03.2020

Corona-Krise: Das "Wir" gewinnt

Die Menschen in Luxemburg sind diszipliniert und halten sich an die Social-distancing-Anweisungen der Regierung.

Corona-Krise: Das "Wir" gewinnt

Die Menschen in Luxemburg sind diszipliniert und halten sich an die Social-distancing-Anweisungen der Regierung.
Foto: Lex Kleren
Leitartikel Politik 2 Min. 24.03.2020

Corona-Krise: Das "Wir" gewinnt

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Luxemburg ist seit über einer Woche im Krisenmodus. Die Bevölkerung hat begriffen, was die Stunde geschlagen hat.

Die Welt ist aus den Fugen geraten. Bei Menschen fortgeschrittenen Alters dürfte die Ausnahmesituation Kriegserinnerungen wecken. Die meisten aber erleben eine Zeit, wie sie sie noch nie gekannt und bis vor Kurzem wohl auch nicht für möglich gehalten haben


Centre de soins avancés: Gesundheitssystem rüstet weiter auf
Das Großherzogtum stellt sich darauf ein, mit einer großen Anzahl Covid-19-Patienten konfrontiert zu sein. Dafür wurden auch neue Infrastrukturen geschaffen. Ein Überblick.

Wegen eines Virus steht das öffentliche Leben still. Und niemand weiß, wann sich die Situation wieder auflösen wird. Ein beklemmendes Gefühl. Und eine besonders schwierige Zeit für Gesundheits- und Pflegepersonal sowie für Unternehmen und Selbstständige, denen umgehend finanziell unter die Arme gegriffen werden muss. 

Die gute Nachricht: In der Krise zeigt sich, dass der Mensch sehr wohl in der Lage ist, innerhalb kürzester Zeit seine Gewohnheiten umzukrempeln, Disziplin zu zeigen, die Füße still zu halten und sich an Anweisungen zu halten, wie man die vergangenen Tage im Großherzogtum beobachten konnte. 

Die Straßen sind wie leer gefegt, die Menschen tragen Schutzmasken und halten Abstand. Vielerorts wird gejoggt, Rad gefahren und spazieren gegangen. Allein, zu zweit oder mit Kind. Wie vorgeschrieben. 

Und noch etwas kann man in Krisenzeiten wie dieser beobachten: Dass der Mensch ein Wesen mit einem tief verwurzelten Kooperationsbedürfnis ist. Die Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft einzubringen, ist nicht weg. Der moderne Lebenswandel, der Wohlstand, die große Freiheit, wie wir sie noch bis vor wenigen Tagen kannten, haben diese zutiefst menschliche Eigenschaft lediglich etwas einschlummern lassen. 

In Krisenzeiten aber kommt sie zum Vorschein. Überall im Land bieten Menschen anderen ihre Hilfe an. Das „Wir“ gewinnt. Das „Ich“, der Individualismus in seiner negativen Ausprägung tritt in den Hintergrund. Der Switch ging rasend schnell. 


Lokales, Polizei am Freitag bei der Grenze in Remich, Coronavirus, Covid-19, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Corona-Krise bremst Grenzverkehr aus
An den Grenzen von Luxemburg nach Deutschland hat sich die Situation spürbar beruhigt. Der Verkehr ging stark zurück.

Der von außen aufgezwungene Stillstand bietet die Gelegenheit, ein paar Gänge zurückzuschalten. Was der Mensch wider besseren Wissens nicht in sein Leben zu integrieren vermochte, schafft jetzt ein winziges Virus: Entschleunigung, Achtsamkeit, Zeit zum Nachdenken und die Einstellung gegenüber dem Leben einer Prüfung zu unterziehen. 

Einst hatten ein paar Kluge die glorreiche Idee, Grenzgänger für die Überfahrt zur Kasse zu bitten, als Mittel gegen den Stau auf unseren Straßen. Heute würde man ihnen Geld geben, damit sie kommen.

Auf einmal sehen wir viele Dinge anders. Die Beschaffung von Schutzmaterial und Medikamenten beispielsweise führt uns vor Augen, wie abhängig wir in unserer Versorgung mit Gütern von anderen Teilen der Welt sind, und lässt den Wunsch aufkommen, wieder lokaler zu agieren und zu produzieren. Das wussten wir auch vorher. Aber jetzt beruht das Wissen auf gelebter Realität. 

Die Pandemie vermag Vorurteile über den Haufen zu werfen, die mit rationalen Argumenten zu bekämpfen sich als völlig sinnlos herausgestellt hat, zum Beispiel unser Blick auf die Grenzgänger. Einst hatten ein paar Kluge die glorreiche Idee, Grenzgänger für die Überfahrt zur Kasse zu bitten, als Mittel gegen den Stau auf unseren Straßen. Heute würde man ihnen Geld geben, damit sie kommen. 

Die Corona-Krise ist eine Belastungsprobe für die gesamte Gesellschaft. Aber wie heißt es so treffend in einem Facebook-Post? „Unsere Eltern und Großeltern mussten in den Krieg ziehen. Wir müssen zu Hause bleiben. Wir können das.“  

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