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Corona in den Schulen: SNE fordert klare und einheitliche Anweisungen
Politik 2 Min. 25.09.2020

Corona in den Schulen: SNE fordert klare und einheitliche Anweisungen

Die Lehrergewerkschaft SNE hat kein Verständnis für die aktuellen Quarantänemaßnahmen in den Schulen.

Corona in den Schulen: SNE fordert klare und einheitliche Anweisungen

Die Lehrergewerkschaft SNE hat kein Verständnis für die aktuellen Quarantänemaßnahmen in den Schulen.
Foto: Guy Wolff
Politik 2 Min. 25.09.2020

Corona in den Schulen: SNE fordert klare und einheitliche Anweisungen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Lehrer werden bei der Umsetzung der Covid-Strategie in den Schulen allein gelassen und erhalten widersprüchliche Anweisungen. Damit muss Schluss sein, sagt die Lehrergewerkschaft SNE/CGFP.

Das Stufenmodell, das in den Schulen greifen soll, wenn Infektionsfälle auftauchen, stellt sich in der praktischen Umsetzung als problematisch heraus. Lehrer erhalten widersprüchliche Anweisungen und werden mit ihren Fragen allein gelassen. Das sagte der Vorsitzende des Syndicat national des enseignants (SNE), Patrick Remakel, am Freitag bei einer Pressekonferenz. 


In der ersten Schulwoche wurden 93 Lehrer wegen einzelner Infektionsfälle in den Schulen unter Teilquarantäne gestellt.
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Die Teilquarantäne von Lehrern sorgt nicht nur für Unverständnis. Sie schafft eine Reihe von neuen Problemen. Die Regierung brütet über Lösungen.

Ein Lehrer, der in einer Grundschulklasse, die innerhalb der Schule isoliert worden ist, ein Nebenfach unterrichtet hat, sei zunächst von der Santé angewiesen worden, nicht mehr in anderen Klassen zu unterrichten. „Kurz darauf wurde ihm mitgeteilt, dass er doch weiter unterrichten kann, während die Klasse weiterhin isoliert war“, so Remakel. 

Allein auf weiter Flur

Zudem seien Lehrer weitgehend auf sich alleine gestellt. Antworten auf Fragen, was in welchem Fall zu tun sei, würden lange auf sich warten lassen „oder sind derart unpräzise, dass die Lehrer nichts damit anfangen können“, so Remakel. Mit solch unpräzisen und widersprüchlichen Anweisungen sei das Chaos in den Schulen vorprogrammiert, warnte Remakel und forderte die beiden zuständigen Ministerien auf, klare und einheitliche Richtlinien aufzuzeichnen.

Für Kopferzerbrechen oder wohl eher für Kopfschütteln sorgt die Teilquarantäne, die so im Stufenmodell nicht vorgesehen war. Wie es in dieser Angelegenheit weitergeht, darüber infomieren Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und Bildungsminister Claude Meisch (DP) am Freitagnachmittag nach dem Ministerrat in einer Pressekonferenz

Der SNE hat jedenfalls kein Verständnis dafür, dass Lehrer unter Quarantäne gestellt werden und trotzdem in der Schule unterrichten sollen, „wo sie zwangsläufig mit anderen Personen in Kontakt kommen“, so Remakel. „Entweder man ist in Quarantäne oder man ist nicht in Quarantäne.“ 

Dass es an Personal mangle, sei kein Rechtfertigunsgrund für die Maßnahme, so noch der Gewerkschaftspräsident. Um einen Personalmangel zu vermeiden, schlägt der SNE die Rekrutierung von zusätzlichem Personal vor: Lehrkräfte für kurzzeitige Vertretungen, die das reguläre vierwöchige Praktikum machen, und Lehrkräfte für längerfristige Vertretungen (erweitertes Praktikum).


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Die Lehrergewerkschaft hat aber noch andere Anliegen. So wünscht sie sich einen richtigen Dialog mit dem Bildungsministerium statt nur informiert zu werden, wie das in den vergangenen Monaten der Fall war. 

Die Gewerkschaft fordert Änderungen beim Lehrerkontingent, also mehr Personal - unter anderem zusätzliche IEBS, eine Aufstockung der regionalen Hilfsteams (ESEB) und eine schulinterne Task Force mit Personal, das in die Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern einbezogen wird -, sowie eine Wiederbelebung der Arbeitsgruppe, die sich mit der Reduzierung des administrativen Aufwands befasst und Lösungen ausarbeitet, „damit die Lehrer sich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Unterrichten, widmen können“, so Remakel. Die neu rekrutierten Instituteurs spécialisés en compétences numériques (I-CN) müssten unbedingt auch in der Klasse unterrichten, statt den Lehrern nur beratend zur Seite zu stehen. 

Patrick Remakel wiederholte auch bekannte Forderungen wie die Ausbildung der Lehrer auf Masterniveau sowie Anstrengungen seitens der Uni Luxemburg, mehr Lehramtsstudenten aufzunehmen. Den Lehrerberuf attraktiver machen, ist auch eine langjährige Forderung der Gewerkschaft, zum Beispiel indem man den administrativen Aufwand reduziert und dem Lehrer wieder ermöglicht, sich auf seine Kernaufgabe zu konzentrieren. Der SNE forderte mehr Rückhalt von den Schuldirektionen sowie eine Rekrutierungskampagne, „die von der gesamten Schulgemeinschaft getragen wird“.

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