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Corona: Fragen an die Experten
Politik 4 Min. 16.03.2020

Corona: Fragen an die Experten

In ganz Luxemburg haben die Geschäfte seit Montag geschlossen, mit Ausnahme von lebenswichtigen Läden und Einrichtungen.

Corona: Fragen an die Experten

In ganz Luxemburg haben die Geschäfte seit Montag geschlossen, mit Ausnahme von lebenswichtigen Läden und Einrichtungen.
Foto: Guy Wolff
Politik 4 Min. 16.03.2020

Corona: Fragen an die Experten

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Rund um die Corona-Epidemie gibt es viele Fragen. Am Montag standen Experten aus verschiedenen Ministerien der Presse Rede und Antwort. Hier ein Überblick.

Mehrere Experten aus verschiedenen Ministerien standen der Presse am Montag nach der Pressekonferenz der Regierung Rede und Antwort.

Situation in den Krankenhäusern

Stand Montagvormittag wurden in Luxemburg 81 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet. Nicht alle befinden sich in stationärer Behandlung. Im CHL, dem nationalen Zentrum für Infektionskrankheiten, befinden sich laut Generaldirektor Dr. Romain Nati neun Corona-Infizierte in Behandlung, eine davon ist Intensivpatient und muss künstlich beatmet werden. 


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Die Abteilung für Infektionskrankheiten des CHL hat 17 Betten, 15 davon stehen Dr. Nati zufolge für Corona-Patienten zur Verfügung. Zwei sind für Patienten mit anderen Infektionskrankheiten vorbehalten. Patienten mit weniger schwerwiegenden Infektionskrankheiten werden in andere Abteilungen verlegt. 

Das CHL verfügt über 24 Beatmungsgeräte, kann die Kapazität laut dem CHL-Generaldirektor aber jederzeit auf 50 aufstocken. 


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Wie viele Beatmungsgeräte Luxemburg insgesamt hat, war nicht zu erfahren. Allerdings hat Luxemburg laut Dr. Françoise Berthet, beigeordnete Direktorin der Santé, eine Bestellung von 30 Geräten in Auftrag gegeben, zusammen mit anderem Material. Das sind vor allem Schutzmasken und Schutzkleidung für das Gesundheitspersonal. Dieses Material soll in absehbarer Zeit in zwei Cargolux-Fliegern nach Luxemburg gebracht werden.

Luxemburg verfüge über genügend Beatmungsgeräte, sagte Berthet. Einen Engpass könnte es einzig beim Personal geben, das in der Lage ist, die Geräte zu bedienen. Das könnte eintreffen, wenn ein großer Teil des Gesundheitspersonals ausfallen würde. Momentan aber sei diesbezüglich nichts zu befürchten. Weiter war es die Aussage, dass in den vier großen Krankenhäusern 169 Intensivbetten verfügbar sind.

Die drei Maisons médicales (Ettelbrück, Luxemburg-Stadt und Esch/Alzette), die sich speziell um Corona-Verdachtsfälle kümmern, am Mittwoch, den 18. März, in Betrieb gehen und dann von 8 bis 16 Uhr geöffnet sind. Eine vierte Maison médicale im Osten des Landes ist möglicherweise bis Mittwoch noch nicht in Betrieb. Aktualisierte Infos auf www.gouvernement.lu und auf www.sante.lu.

Die Situation der Unternehmen

Die Hotels sind weiterhin geöffnet, dennoch sind viele Hotels leer oder unterbelegt. Daher die Idee der Regierung, Grenzpendler, die im Gesundheitsbereich arbeiten, mit ihren Angehörigen in den Hotels aufzunehmen. Dadurch kann sichergestellt werden, dass diese Pendler problemlos zur Arbeit kommen und sie nicht - je nach Entwicklung in den Nachbarländern - an der Grenze gestoppt werden. Die Gespräche mit den Hoteliers laufen, wie Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) erklärte.


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Françoise Schlink vom Mittelstandsministerium gab weitere Erläuterungen zu anderen Themen wie zum Beispiel die Lebensmittelverorgung. Der Fokus liegt auf der Versorgung der älteren und besonders gefährdeten Bevölkerung. Es wird eine Liste mit 40 Produkten plus frischem Gemüse und Obst zusammengestellt. Zusammen mit der Plattform "letzshop" wird eine Online-Plattform geschaffen, über die man die Produkte bestellen kann, per Hotline oder Online.

Restaurants und Gaststätten sind seit Montag geschlossen, können aber einen Lieferservice oder einen Take-Out-Service einrichten. 

Der Staat unterstützt Betriebe, denen finanzielle Engpässe drohen, mit finanziellen Soforthilfen (die sogenannten De-minimis-Hilfen). Bis zu 200.000 Euro darf der Staat auszahlen. Der diesbezügliche Gesetzentwurf wurde hinterlegt und soll, so Françoise Schlink, so schnell wie möglich vom Parlament verabschiedet werden. Ein Teil der Summe muss später zurückgezahlt werden, wenn es dem Betrieb wirtschaftlich wieder gut geht. 

Parallel dazu hat Luxemburg auf europäischer Ebene angefragt, die Summe auf 500.000 Euro anzuheben. Diese Entscheidung steht aber noch aus. Unabhängig von dieser Entscheidung kann der Luxemburger Staat bis zu 200.000 Euro auszahlen. Die Regierung wird eine Periode definieren, während der diese Hilfen ausgezahlt werden. Die Formulare sind in Ausarbeitung.

Zusätzlich sei der Staat bemüht, auch alle anderen, in den vergangenen Wochen beantragten Hilfen so schnell wie möglich auszuzahlen, sagte Schlink. In der Regel handelt es sich hierbei um Investitionshilfen.

Ziel sei es, die Arbeitsplätze zu retten und die Unternehmen am Leben zu halten, sagte  Tom Thewes, Erster Regierungsrat im Wirtschaftsministerium. Den kompletten finanziellen Ausfall der Unternehmen aber könne der Staat nicht kompensieren. "Nicht alle Unternehmen werden diese Krise überleben", sagte Thewes weiter. Man dürfe sich da keine Illusionen machen.

170 Betriebe haben Thewes zufolge Kurzarbeit beantragt. Knapp 30 weitere haben Interesse an Kurzarbeit bekundet, aber sie noch nicht formell beantragt. Stand Samstag. In der Zwischenzeit dürfte die Zahl weiter gestiegen sein, so Thewes Montagmittag. 

Anders als 2008 sind in der jetzigen Krise viele kleine und sehr kleine Betriebe mit wenigen Mitarbeitern betroffen. 2008 waren es weniger Betriebe, dafür aber größere mit vielen Mitarbeitern, vor allem Industriebetriebe. Wie viele Mitarbeiter insgesamt von der Kurzarbeit betroffen sind, konnte der hohe Beamte am Montag noch nicht sagen.

Die Kurzarbeit kostete den Staat in den Krisenjahren um 2008 jährlich gut und gerne 70 Millionen Euro. Thewes geht davon aus, dass die jetzige Krise weitaus schlimmer werden könnte. Genauere Angaben zu den Kosten konnte Thewes allerdings nicht machen. 

Privat Beschäftigte, wie zum Beispiel Putzhilfen, müssen weiterhin bezahlt werden, wenn der Arbeitgeber sie aus gesundheitlichen Gründen bittet, nicht zu erscheinen. 

Die Situation der Familien

Laut Abilio Fernandes vom Sozialversicherungsministerium sind bis Montag in der Früh 1.400 Anträge für den zusätzlichen Sonderurlaub aus familiären Gründen eingegangen. Hier war es der Appell der Regierung, den Sonderurlaub nur zu beantragen, wenn Eltern keine Alternativen für die Betreuung ihrer Kinder finden.

 


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