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Corona-Bongen der Gemeinden auf einen Blick
Politik 3 Min. 19.04.2021 Aus unserem online-Archiv

Corona-Bongen der Gemeinden auf einen Blick

Weil die Geschäfte während des Lockdown schließen mussten, haben zahlreiche Gemeinden so genannte Corona-Bongen ausgegeben, um den lokalen Handel zu unterstützen.

Corona-Bongen der Gemeinden auf einen Blick

Weil die Geschäfte während des Lockdown schließen mussten, haben zahlreiche Gemeinden so genannte Corona-Bongen ausgegeben, um den lokalen Handel zu unterstützen.
Foto: John Schmit
Politik 3 Min. 19.04.2021 Aus unserem online-Archiv

Corona-Bongen der Gemeinden auf einen Blick

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Viele Gemeinden haben im vergangenen Jahr dem lokalen Handel mit Gutscheinen unter die Arme gegriffen. Nun liegt ein Buch zu den Corona-Bongen vor.

Lebensmittelgutscheine kennt man normalerweise nur in Krisenzeiten. In Luxemburg gab es zuletzt im Zweiten Weltkrieg solche Bezugsscheine. Da viele Lebensmittel rationiert waren, waren beispielsweise Butter und Fleisch nur nach Vorlage einer Lebensmittelkarte erhältlich. Verteilt wurden die Karten von den Gemeinden, allerdings im Auftrag des „Lebensmittelamtes des Gau Moselland“. Die Bezugsscheine gaben aber lediglich ein Anrecht auf bestimmte Artikel, um eine möglichst gerechte Verteilung der raren Waren zu gewährleisten. Gezahlt werden musste trotzdem.

Die Gutscheine, die die verschiedenen Gemeinden ausgegeben haben, sind in dem Buch von Emile van der Vekene abgebildet.
Die Gutscheine, die die verschiedenen Gemeinden ausgegeben haben, sind in dem Buch von Emile van der Vekene abgebildet.

Das ist bei den Corona-Gutscheinen, die die Gemeinden in den ersten Wochen und Monaten der Pandemie ausgegeben haben, anders. Denn die Zielsetzung ist eine völlig andere. Auch wenn in den ersten Tagen des Lockdowns viel gehamstert wurde – Stichwort Klopapier –, geht es in der Corona-Krise nicht darum, den Mangel zu verwalten. Die Kommunen wollen mit ihren so genannten „Corona-Bongen“ vielmehr die lokalen Händler unterstützen, denen vor allem wegen des Lockdowns die Einnahmen weggebrochen sind. Sie verfolgen also ein ähnliches Ziel wie die Gutscheine, die der Staat im vergangenen Jahr ausgegeben hatte, um den Gastronomiebetrieben unter die Arme zu greifen.

Gutscheine als Zeitzeugen

Die Einkaufsgutscheine sind ein Zeitzeugnis erster Güte, das später bei einer historischen Aufarbeitung der Pandemie seinen Platz finden dürfte. Der Autor und langjährige „Conservateur de la Réserve précieuse“ der Nationalbibliothek, Emile van der Vekene, hat sich deshalb mit den Gutscheinen beschäftigt und sie in einem reich illustrierten Buch zusammengetragen. „Corona-Bongen zu Lëtzebuerg“ heißt der 82 Seiten starke Band, der im Selbstverlag erschienen ist.


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Bei seiner Recherche hat van der Vekene sämtliche Gemeinden angeschrieben, aus 30 Rathäusern kam eine Rückmeldung in Form von Gutscheinen, die allesamt in dem Buch abgebildet sind. Die restlichen Kommunen haben entweder keine „Corona-Bongen“ ausgegeben oder sie haben nicht geantwortet.

Keine einheitliche Vorgehensweise

Eine einheitliche Vorgehensweise gibt es nicht, stellt der Autor fest. Natürlich variieren die Summe und die Gültigkeitsdauer. Aber auch die Art und Weise, wie die Gutscheine unter die Leute gebracht wurden, ist unterschiedlich. In einigen Gemeinden erhielt jeder Einwohner einen „Corona-Bong“, in anderen gab es einen Gutschein pro Haushalt. Andere wiederum verschickten ihre Coupons nur an ältere Bewohner.

Wieder andere Gemeinden, darunter beispielsweise die Hauptstadt, gingen einen noch anderen Weg. Sie haben den ansässigen Betrieben Gutscheine abgekauft, um sie dann unter der Bevölkerung zu verlosen. Die Stadt Luxemburg hat darüber hinaus 5.500 Einkaufsgutscheine an Personen mit geringem Einkommen verteilt.


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Übrigens haben gleich mehrere Kommunen die Aktion gegen Ende des Jahres, als die Zahl der Neuinfektionen wieder in die Höhe schoss und es zu einem zweiten, kurzen Lockdown kam, aufleben lassen und noch einmal Gutscheine verschickt.

Hilfe für die Vereine

Einige Kommunen haben nicht nur die lokalen Händler und Dienstleister unterstützt, sondern auch die Vereine. In Wintger haben beispielsweise Vereine, die wegen der Pandemie ihre Feste oder Veranstaltungen absagen mussten und somit um ihre Einnahmen gebracht wurden, einen Gutschein in Höhe von 500 Euro erhalten.

Interessant sind auch die Eintrittstickets, die einige Gemeinden vergeben haben. In Grevenmacher gab es etwa neben den normalen Einkaufsgutscheinen auch noch Tickets für den Schmetterlingsgarten und für das lokale Schwimmbad. In der Gemeinde Koerich haben die Schulkinder zum Kirchweihfest Gutscheine für das Karussell und für Leckereien erhalten, einen so genannten „Kiermes-Bong“.

Besonders originell fiel die Hilfe in der Gemeinde Echternach aus. Vor Weihnachten erhielt jeder Bürger einen Adventskalender, bei dem hinter jedem Türchen ein Gutschein zum Vorschein kam.


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Insgesamt kamen die „Corona-Bongen“ aber weitaus weniger originell daher: Meist musste ein einfacher Ausdruck mit dem Wappen oder dem Logo der Gemeinde reichen. Schöne Illustrationen sucht man meist vergeblich. Ob und wie viele Gutscheine eingelöst wurden, ist nicht bekannt. Eine Untersuchung wäre es wert.

„Corona-Bongen zu Lëtzebuerg“ von Emile van der Vekene ist im Selbstverlag erschienen und kann beim Autor zum Preis von 58 Euro bestellt werden. evekene@pt.lu 

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