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COPRAL: Die Schule der zweiten Chance
Politik 4 Min. 24.02.2020

COPRAL: Die Schule der zweiten Chance

Die Armee braucht jedes Jahr rund 350 freiwillige Soldaten, doch die Rekrutierung bereitet seit Jahren Probleme.

COPRAL: Die Schule der zweiten Chance

Die Armee braucht jedes Jahr rund 350 freiwillige Soldaten, doch die Rekrutierung bereitet seit Jahren Probleme.
Foto: Arlette Schmit
Politik 4 Min. 24.02.2020

COPRAL: Die Schule der zweiten Chance

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Vor dreieinhalb Jahren hat die Regierung das Projekt COPRAL ins Leben gerufen - ein Kurs, der junge Menschen auf die Armee vorbereitet. Nun soll das Projekt ausgewertet werden.

Seit dreieinhalb Jahren läuft im Lycée technique in Ettelbrück das Pilotprojekt COPRAL: Cours de préparation à l'armée luxembourgeoise. Es ist eine Art Ecole de la deuxième chance für junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren. 

Von 197 Kandidaten, die sich seit Beginn des Projekts zum Vorbereitungskurs für die Armee angemeldet haben, haben 76 ihn erfolgreich abgeschlossen. 57 von ihnen haben über diesen Weg den Sprung in die Armee geschafft, ein knappes Drittel etwa. 


Nationalfeiertag 2019. Prises d'Armes, Militärparade, Boulevard JF Kennedy, Militär, Armee, Foto: Guy Wolff/Luxemburger Wort
Gewerkschaften wollen Armee attraktiver gestalten
Die Lösung für die Rekrutierungsprobleme beim Staat führt über die Armee, betonte am Dienstag die Gewerkschaft SPFP, die ganz nebenbei noch den Rücktritt des Armeegenerals fordert.

Damit ist die Erfolgsquote nicht besser als bei jenen, die ohne die Vorbereitungskurse den Zulassungstest zur Armee machen. Doch genau das hatte die Politik sich erwartet. 

Die soziale Rolle der Armee 

Dennoch ist das Pilotprojekt in den Augen aller im Parlament vertretenen Parteien eine gute Sache, weil es in ihren Augen dazu beiträgt, Menschen mit einem niedrigen Bildungsstand, die in ihrem jungen Leben oft schon viel einstecken mussten und meist die Schule geschmissen haben, wieder auf die Spur zu bringen und ihnen Zukunftsperspektiven zu bieten. 

Das Parlament diskutierte kürzlich auf Anfrage der ADR über die Rekrutierung und die Rolle der Armee, und somit auch über das Pilotprojekt COPRAL. Fernand Kartheiser (ADR) gab zu verstehen, dass er sich um das Niveau der künftigen Soldaten sorge, zumal seit geraumer Zeit weder Deutsch, Französisch noch Mathematik geprüft werden, sondern der Zulassungstest zur Armee „nur“ noch aus einem psychologischen und einem Sporttest besteht

Es sei nicht gut, das Niveau herabzusetzen, fand Kartheiser. Soldaten bräuchten gute sprachliche und mathematische Kenntnisse – in ihrem späteren beruflichen Leben und für die zahlreichen internationalen Militäreinsätze während ihrer Dienstzeit. 

Nach dreieinhalb Jahren soll das Projekt COPRAL nun ausgewertet werden. Für viele ist es noch zu früh, Schlussfolgerungen zu ziehen. Unabhängig davon sind aber alle Parteien für den Fortbestand des Vorbereitungskurses. Und sie haben Verbesserungsvorschläge, um die Armee attraktiver zu machen und das Rekrutierungsproblem in den Griff zu bekommen


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Fernand Kartheiser beispielsweise schlug vor, das Projekt COPRAL in das Bildungssystem zu integrieren und progressiv auszubauen, um so den steigenden Bedarf an Sicherheitspersonal im Land zu decken. Dan Biancalana (LSAP) konnte sich mit der Vorstellung anfreunden, das Projekt – im Falle einer positiven Beurteilung – in anderen Schulen des Landes anzubieten. Jean-Marie Halsdorf (CSV) plädierte für die Schaffung einer „uniformierten akademischen Schullaufbahn“ und forderte – ähnlich wie Gusty Graas (DP) – neue und ansprechende Berufsaussichten für die Soldaten. Auch beim Staat. 

Die Piraten sprachen sich für die Aufhebung der Altersgrenze bei der Rekrutierung aus. Das sei im Rahmen der Reform des Armeegesetzes ohnehin geplant, erklärte Armeeminister François Bausch (Déi Gréng) später in seiner Intervention. 

Wir müssen uns bei der Rekrutierung bewusst sein, dass wir Personen brauchen, die dafür sorgen, dass die Armee ihren Aufgaben gerecht werden kann.

François Bausch, Déi Gréng

Die eigentliche Rolle der Armee 

Allen Rednern war die soziale Rolle der Armee wichtig. Selbst Déi Lénk, die als einzige Partei Probleme mit der Ausrichtung der Armee und den internationalen Militäreinsätzen haben, wollen, dass das Projekt fortgeführt wird, wie Marc Baum erklärte. Eben wegen der sozialen Bedeutung. 

Für François Bausch ist die soziale Rolle auch wichtig. Die eigentliche Aufgabe der Armee aber sei es, für die Sicherheit des Staates zu sorgen und an internationalen Einsätzen teilzunehmen – Aufgaben, die immer komplexer werden. 

Wir müssen uns bei der Rekrutierung bewusst sein, dass wir Personen brauchen, die dafür sorgen, dass die Armee ihren Aufgaben gerecht werden kann“, so Bausch. Über 90 Prozent der Soldaten aber seien Schüler mit einem sehr niedrigen Bildungsstand, gab der grüne Verteidigungsminister zu bedenken. 

In Bezug auf die soziale Rolle meinte Bausch, dass man dabei sei, neue Laufbahnen beim Staat zu schaffen, vor allem im Sicherheits- und Wachdienst. Auch soll die Armee verstärkt im zivilen Bereich eingesetzt werden, zum Beispiel im Falle von Sturmschäden. 

Auswertung des Pilotprojekts 

Das Pilotprojekt Copral läuft unter der Verantwortung des Bildungsministeriums. Insofern nahm auch Minister Claude Meisch (DP) Stellung dazu. In Bezug auf die Auswertung meinte er, das Projekt müsse unter dem Gesichtspunkt des weiteren Werdegangs der COPRAL-Schüler analysiert werden. In anderen Worten: Man soll den Werdegang der COPRAL-Schüler, die meist einen Schulabbruch hinter sich haben, mit dem Werdegang anderer Schulabbrecher vergleichen, „um sich ein Bild vom tatsächlichen Mehrwert dieser Initiative zu machen“. 

Eine Regionalisierung des Projekts kommt für den Bildungsminister allerdings nicht in Frage. Zum einen, weil eine gewisse Nähe zur Militärkaserne nötig sei – die Copral-Schüler verbringen einen Tag in der Woche in der Militärkaserne –, zum anderen wegen der begrenzten Kapazität des "Häerebierg", junge Menschen aufzunehmen.


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