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Copas zieht Covid-Zwischenbilanz: "Krise gut gemeistert"
Politik 3 Min. 12.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Copas zieht Covid-Zwischenbilanz: "Krise gut gemeistert"

Der ehemalige Ombudsman Marc Fischbach ist zufrieden mit der politischen Begleitung des Pflegesektors.

Copas zieht Covid-Zwischenbilanz: "Krise gut gemeistert"

Der ehemalige Ombudsman Marc Fischbach ist zufrieden mit der politischen Begleitung des Pflegesektors.
Foto: Guy Wolff
Politik 3 Min. 12.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Copas zieht Covid-Zwischenbilanz: "Krise gut gemeistert"

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Der Präsident des Dachverbands der Hilfs- und Pflegeeinrichtungen Copas, Marc Fischbach sieht viel positive Punkte, verlangt aber auch mehr Aufmerksamkeit für den Pflegesektor außerhalb der Spitäler.

Nach sechs Monaten Covid-19-Krise hatte sich der Dachverband Copas bei seiner Generalversammlung am 26. September mit einem Debriefing befasst - am Montag stellte Copas-Präsident Marc Fischbach die Schlussfolgerungen über die guten und weniger guten Erfahrungen vor. 

Bis zum 9. Oktober waren 313 von 5.925 Bewohnern eines Pflege- und Altenheims an Covid-19 erkrankt, 200 sind mittlerweile genesen, 68 Personen der insgesamt dann 129 Toten sind an oder mit dem Virus verstorben. „Ich kann in aller Bescheidenheit sagen, dass unser Sektor die Krise gut gemeistert hat. Immerhin versorgen wir die aufgrund ihres Alters oder Allgemeinzustands vulnerabelsten Personen“, war Fischbachs Schlussfolgerung. 

Gute Zusammenarbeit mit Behörden

Als positiv hob der ehemalige Ombudsman die Zusammenarbeit mit den Behörden hervor. Die Copas war mit zwei Personen in die Krisenzelle des Gesundheitsministeriums mit eingebunden und auch dass die einzelnen Häuser selber die Verantwortung für den Umgang ihres Hauses mit dem Virus tragen mussten, begrüßte Fischbach. 


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„Aufgrund der unterschiedlichen Populationen und architektonischen Gegebenheiten war es nicht möglich, einheitliche Regeln einzuführen. Wenn die Bilanz nicht schlimmer ausfällt, dann aufgrund des hohen Verantwortungsbewusstseins der Verantwortlichen.“ 

Fischbach war auch der Meinung, dass die Abwägung zwischen dem Schutz der Kollektivität und den einzelnen Rechten der behinderten sowie der älteren Personen gelungen war und empfand die Zusammenarbeit mit dem Familienministerium als “sehr gut".

Palliativpflege im Altersheim 

Ausgesprochen zufrieden zeigte er sich darüber, dass nun auch Medikamente für die Palliativpflege in den Häusern gelagert werden dürfen. Das wurde ausnahmsweise während der Krise gestattet und soll nun auch gesetzlich erlaubt werden. „Dadurch wurden die Hospitalisierungen auf ein absolutes Minimum begrenzt - das hat die Copas und die einzelnen Häuser zufrieden gestellt.“ 

Fischbach begrüßt in diesem Sinn auch die Konvention, die zwischen der Ärzteschaft, der Copas und den Ministerien geschlossen wurde, um die medizinischen Dienste während der Nacht und den Sonn- und Feiertagen zu regeln. Langfristig sollen die Hilfs- und Pflegeeinrichtungen auch an die gemeinsame Einkaufszentrale der Krankenhäuser angeschlossen werden, um darüber ihr sanitäres Material zu beziehen. 

Nationale Reserve beibehalten

Genauso positiv sieht die Copas auch die nationale Reserve, die es ermöglichte, den Engpass an qualifiziertem Personal, der in der Krise entstand, zu lösen. „Das sollte für künftige Notsituationen beibehalten werden“, sagte der Copas-Präsident, der nicht zuletzt begrüßte, dass ein neuer Pfleger-Akt für aufwändigere Betreuung eingeführt wurde und sowohl aus dem Sozialversicherungs- als auch dem Familienministerium zugesagt wurde, dass die finanziellen Verluste wie beispielsweise durch begrenzte Zimmerbelegung ausgeglichen werden. 


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Fischbachs Bilanz zu Schwachstellen und Defiziten fiel denn auch recht gemäßigt aus. „Wir haben das Gefühl, dass im Gesundheitsbereich ein Mangel an Kenntnis des Pflegesektors herrscht und die Strukturen außerhalb der Spitäler dort nicht als Hauptakteure auf dem Radar sind. Wir müssten aber genauso eingebunden werden wie die Krankenhäuser“, forderte er. 

Er bedauerte zumal, dass der Behindertensektor nicht so anerkannt ist, wie er es sein müsste. „Es handelt sich dort nicht um weniger vulnerable Menschen  - es darf kein Trennungsstrich zwischen ihnen und anderen Personen gezogen werden.“

Diskussion über Kollektivverträge

Die Pandemie habe zudem in aller Brutalität offengelegt, wie abhängig man in Luxemburg vom Personal aus den Nachbarländern sei. Das Thema müsse dringend auch am Gesundheitsdësch behandelt werden. Fischbach forderte hier eine Sensibilisierungskampagne bei jungen Leuten und wiederholte die Forderung nach einer Diskussion über die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und Vergütungen, die durch die zwei Kollektivverträge entstehen, die im Krankenhaussektor und im Pflegebereich herrschen. 


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55 Einrichtungen umfasst die Copas, die ältere und Menschen mit Behinderung oder psychiatrischen Problemen ambulant oder stationär betreuen: Alten- und Pflegeheime, Tagesstätten für Senioren, Betreuungsstätten für behindert Menschen, betreute Wohnstrukturen, ambulante Pflegedienste und Strukturen für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen. 12.000 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

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