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"Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale": Erny Lamborelle tritt zurück
Politik 2 Min. 24.07.2017 Aus unserem online-Archiv

"Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale": Erny Lamborelle tritt zurück

Erny Lamborelle kehrt dem "Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale" den Rücken.

"Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale": Erny Lamborelle tritt zurück

Erny Lamborelle kehrt dem "Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale" den Rücken.
Foto: John Lamberty
Politik 2 Min. 24.07.2017 Aus unserem online-Archiv

"Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale": Erny Lamborelle tritt zurück

Maxime LEMMER
Maxime LEMMER
Das Komitee zur Erinnerung an die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges legte einen Fehlstart hin: Interne Querelen legten die Arbeit völlig lahm. Inzwischen hat einer der beiden Widersacher das Handtuch geworfen.

(ml) - Das "Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale" hat in seinen ersten acht Monaten einige Startschwierigkeiten durchlebt. Persönliche Differenzen zweier Mitglieder haben das im vergangenen Herbst gegründete Gremium überschattet und stellten es vor eine Zerreißprobe.  Im Zentrum des Streits, der zunehmend öffentlich ausgetragen wurde, standen der Vorsitzende der "Fédération des Enrôlés de Force", Erny Lamborelle sowie Henri Juda, Ex-Präsident der Vereinigung Memoshoah, der die jüdische Gemeinde in dem Erinnerungskomitee vertritt.

Dem "Mémorial" ist  zu entnehmen, dass Erny Lamborelle inzwischen dem neu gegründeten Gremium den Rücken gekehrt hat, berichtete am Montag der Sender 100,7. An seine Stelle rückt André Pletsch nach. Premierminister Xavier Bettel habe den Rücktritt von Erny Lamborelle zur Kenntnis genommen, sagte der Präsident des "Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale", Albert Hansen.

Unter Beschuss

Das Staatsministerium, dem das Erinnerungskomitee unterstellt ist, hält sich in der ganzen Angelegenheit bedeckt. Erny Lamborelle hält hingegen mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Mit seinem Rücktritt habe er gegen die „Machenschaften“ protestieren wollen, denen die Zwangsrekrutierten, deren Verband und seine eigene Person ausgesetzt seien, zitiert der Sender den Betroffenen. Da er seine freie Meinung nicht zum Ausdruck bringen könne, habe der den Entschluss gefasst, zurückzutreten.

Lamborelle war nach einer Generalversammlung des Verbandes der luxemburgischen Zwangsrekrutierten stark unter Beschuss geraten. In seiner Rede hatte er sich darüber beschwert, dass den Ideen der Zwangsrekrutierten innerhalb des Komitees nicht genügend Rechnung getragen werde.

Lamborelle ging damals sogar noch einen Schritt weiter, indem er bemängelte, dass die "enrôlés de force" und jene Männer, die sich freiwillig in die Wehrmacht gemeldet hatten, über einen Kamm geschert würden. Zwar hatte Lamborelle niemanden namentlich erwähnt, dennoch wurde seine Rede als eine Antwort auf jüngste Aussagen des Vertreters der jüdischen Gemeinde, Henri Juda, interpretiert.

Komitee nimmt seine Arbeit wieder auf

Fraglich bleibt nun, ob Lamborelle künftig an der Spitze des Verbandes der Zwangsrekrutierten bleiben wird. Erst Mitte Mai hatte er Behauptungen über einen Rücktritt von diesem Posten als pure Spekulation zurückgewiesen. Zudem bleibt abzuwarten,  ob sich das Erinnerungskomitee nach dem Rücktritt von Erny Lamborelle endlich wieder seiner Arbeit widmen kann.

Aufgrund der jüngsten internen Dissonanzen war eine im Mai geplante Sitzung des Plenums kurzfristig abgesagt worden, um somit eine weitere Eskalation des Streits zwischen beiden Widersachern zu vermeiden. Am kommenden Mittwoch wird das Gremium seine Arbeit erneut aufnehmen. Die Stimmung, die zuvor herrschte, habe es unmöglich gemacht, sich der Arbeit zu widmen, sagte der Präsident des Erinnerungskomitees, Albert Hansen.

Das Gremium war am 24. November vergangenen Jahres unter dem Impuls der Regierung gegründet worden. Dem 18-köpfigen paritätisch besetzten Komitee gehören neben Zwangsrekrutierten und Mitgliedern der jüdischen Gemeinde auch Vertreter des Widerstands an. Sie sollen gemeinsam Sorge dafür tragen, dass die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges nicht aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht werden.


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