Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Colette Flesch wird 80: "Du bass eist Super-Colette"
Politik 2 Min. 16.04.2017

Colette Flesch wird 80: "Du bass eist Super-Colette"

Sportlerin, Politikerin, Pionierfrau: Colette Flesch wird 80.

Colette Flesch wird 80: "Du bass eist Super-Colette"

Sportlerin, Politikerin, Pionierfrau: Colette Flesch wird 80.
Foto: Serge Waldbillig/LW-Archiv
Politik 2 Min. 16.04.2017

Colette Flesch wird 80: "Du bass eist Super-Colette"

Fast vier Jahrzehnte prägte Colette Flesch das politische Geschehen Luxemburgs. Sowohl national wie kommunal. Am Ostersonntag feiert die erste "Grande Dame" der Liberalen ihren 80. Geburtstag.

(km) - Luxemburg, Ende 1968. Die Parlamentswahlen stehen vor der Tür. Die Parteien suchen händeringend nach Frauen. Das hat vor allem strategische Gründe. Denn im kommenden Jahr, 1969, feiert Luxemburg den 50. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts.

Hier beginnt Colette Fleschs politische Karriere. Gleich drei Parteien fragen bei ihr an. Ihr Name ist im Großherzogtum bekannt. Schließlich hatte Flesch als Fechterin die Farben Luxemburgs bei den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom, 1964 in Tokio und 1968 in Mexiko-Stadt vertreten. Die junge Frau entscheidet sich für den gleichen Weg wie ihr Großvater Paul-August Flesch und tritt für die Liberalen an.

Das Fechten empfindet sie anfangs als "hart, sehr hart". Aufgeben gehört jedoch nicht zu ihren Eigenschaften. Davon profitiert Colette Flesch auch in der Politik. Sie fasst schnell Fuß und wird 1969 in die Abgeordnetenkammer gewählt. Ein Jahr später startet sie auch auf Kommunalebene eine erstaunliche Karriere.

Colette Flesch wird zur Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg vereidigt.
Colette Flesch wird zur Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg vereidigt.
Foto: Sibenaler/LW-Archiv

Da die erfahrenen Köpfe der DP in der Regierung sitzen, muss die junge Generation bei den Gemeindewahlen ran. Flesch gelingt eine kleine Sensation: Auf Anhieb erhält sie die meisten Stimmen. Am 1. Januar 1970 wird Colette Flesch mit gerade einmal 32 Jahren Bürgermeisterin der Hauptstadt. Sie ist nicht nur die einzige Frau im Gemeinderat, sondern zudem das jüngste Mitglied.

Von der Hauptstadt in die Außenpolitik

Etwas unfreiwillig, aber leidenschaftlich hat sie also ihr kommunalpolitisches Engagement gestartet. "Rückblickend tut es mir wirklich nicht leid. Gemeindepolitik ist etwas Wunderbares", sagte Flesch vor zehn Jahren in einem Interview im "Luxemburger Wort". Man sei eben näher am Bürger und sehe zudem die konkreten Resultate politischer Entscheidungen.

Pierre Werner und Colette Flesch im November 1981 nach der Rückkehr einer Staatsvisite in Frankreich.
Pierre Werner und Colette Flesch im November 1981 nach der Rückkehr einer Staatsvisite in Frankreich.
Foto: Tessy Hansen/LW-Archiv

Anfang der 1980er Jahre wechselt die studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin auf die nationale Bühne. Auch hier stößt Colette Flesch wieder in eine reine Männerdomäne vor. Doch das scheint sie nicht zu stören. Sich durchbeißen, das kann die ehemalige Fechterin. Ende 1980 wird sie Vizepremier sowie Außen-, Wirtschafts- und Justizministerin im Kabinett von Pierre Werner. Vom Alltag ist sie zwar weiter weg, aber als Außenministerin dabei, wie sie selbst einmal resümierte, "wenn Geschichte geschrieben wird".

Von 1988 bis Ende 19999 gehört Flesch wieder dem hauptstädtischen Gemeinderat und in mehreren Intervallen auch dem Europa-Parlament an. Vom 1. Januar 2000 bis Anfang 2008 ist sie Kulturschöffin der Gemeinde Luxemburg. Während ihrer letzten Gemeinderatssitzung wird die ehemalige Ministerin mit den Worten verabschiedet: "Colette, du bass eist Super-Colette".

Fleschs Erben

Am Anfang ihrer politischen Karriere standen Colette Flesch ihre beiden Mentoren, Gaston Thorn und Paul Elvinger, zur Seite. Sie selbst wiederum ist mit ihrer Karriere zum Vorbild - genauer gesagt zur Pionierin - vieler Frauen in der Politik geworden; allen voran in der Demokratischen Partei. Denn mit Colette Flesch begann ein liberales Mini-Matriarchat, das über mehrere Jahrzehnte die Politik der Hauptstadt entscheidend mitbestimmt hat.

Ihre legitime Nachfolgerin ist in mehrfacher Hinsicht Lydie Polfer: als Bürgermeisterin, als Parteipräsidentin, als Kulturschöffin. "Es war Colette Flesch, die mich auf den Geschmack für Politik gebracht hat", erinnert sich Polfer. 1977 hat die damals 25-jährige Juristin für die Europaabgeordnete Flesch gearbeitet.

Heute verbindet die beiden Politikerinnen nicht nur eine professionelle, sondern vor allem eine persönliche Freundschaft. "Colette Flesch ist ein besonderer Mensch und eine außergewöhnliche Politikerin. Auf sie ist immer Verlass und stets begegnet sie den Menschen mit Respekt", sagt die amtierende Bürgermeisterin der Hauptstadt ehrfürchtig. Und fügt hinzu: "Ich freue mich, mit ihr den 80. Geburtstag zu feiern."

Nach fast vier Jahrzehnten in der Politik gab Colette Flesch Ende 2007 ihren Rücktritt bekannt.
Nach fast vier Jahrzehnten in der Politik gab Colette Flesch Ende 2007 ihren Rücktritt bekannt.
Foto: Maurice Fick


Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Emile Haag im Porträt: Fordernd, aber beliebt
Nach fast 30 Jahren an der Spitze der CGFP legt Emile Haag seinen Vorsitz nieder. Nicht nur mit der Gewerkschaft, auch mit dem "Stater Kolléisch" und der Geschichte Luxemburgs verbinden viele seinen Namen.
Fast 30 Jahre prägte Emile Haag die öffentlichen Auftritte des CGFP, hier während einer Verkündung im Dezember 2012.