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Claude Meisch: "Sanitärkonzept in den Schulen hat sich bewährt"
Politik 1 4 Min. 12.11.2020

Claude Meisch: "Sanitärkonzept in den Schulen hat sich bewährt"

Bildungsminister Claude Meisch (DP) hat am Donnerstag seinen Covid-Bericht zur Infektionslage seit der Rentrée aus den Schulen vorgestellt und sieht momentan keine Notwendigkeit für die Einführung eines A/B-Modells in den höheren Klassen. Aber das Stufenmodell wird angepasst.

Claude Meisch: "Sanitärkonzept in den Schulen hat sich bewährt"

Bildungsminister Claude Meisch (DP) hat am Donnerstag seinen Covid-Bericht zur Infektionslage seit der Rentrée aus den Schulen vorgestellt und sieht momentan keine Notwendigkeit für die Einführung eines A/B-Modells in den höheren Klassen. Aber das Stufenmodell wird angepasst.
Foto: DPA
Politik 1 4 Min. 12.11.2020

Claude Meisch: "Sanitärkonzept in den Schulen hat sich bewährt"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Der Bildungsminister stellte am Donnerstag den Bericht über das Infektionsgeschehen in den Schulen seit der Rentrée vor. Für zusätzliche Maßnahmen sieht er keine Notwendigkeit.

Bildungsminister Claude Meisch (DP) stellte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz seinen Bericht zur Infektionslage in den Schulen seit der Rentrée vor, dies vor dem Hintergrund, ob und wenn ja, wo welche zusätzlichen Maßnahmen notwendig sind, um die Virusverbreitung einzudämmen.

Seine erste Feststellung: Das Virus ist seit einigen Wochen in der Gesamtbevölkerung stärker präsent, also auch in den Schulen.


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Die Analyse des Bildungsministeriums ergab, dass die meisten positiven Fälle in den Schulen dem Szenario 1 zuzuordnen (ein isolierter Fall pro Klasse) sind, wie  Romain Nehs - im Bildungsministerium für das Sekundarschulwesen zuständig - anhand von Grafiken erklärte. Die Grafiken und den Bericht hat das Bildungsministerium erstellt, auf Basis der offiziellen Zahlen der Santé, so Claude Meisch. 

Die Schlussfolgerungen, die man aus dem Bericht ziehen könne, seien in etwa dieselben wie die, die man im Sommer gezogen hatte zum Infektionsgeschehen in den Schulen vor den Sommerferien, so der Bildungsminister. Diesen Bericht hatte er zusammen mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert vorgestellt. Am Donnerstag wohnten weder Paulette Lenert noch ein wissenschaftlicher Experte oder ein Vertreter der Santé der Präsentation bei.

Die Schlussfolgerungen des Bildungsministers 

Die Schule sei nicht der Ort, an dem sich das Virus weiter verbreite. Das Sanitärkonzept habe sich bewährt, so die abschließende Feststellung. Zur Erinnerung: Im Falle einer isolierten Infektion wird die Klasse innerhalb der Schule isoliert, geht nicht in die Kantine und hat keinen Sportunterricht. Auf diese Weise sei es gelungen, das Virus zu stoppen, sagte Nehs. Ab zwei Infektionen pro Klasse (Szenario 2) begeben sich alle Schüler in Quarantäne. Auch diese Maßnahme habe sich bewährt und dafür gesorgt, die Virusverbreitung zu verhindern.

Geringes Infektionsgeschehen im Fondamental

Im Fondamental sei das Infektionsgeschehen geringer ausgeprägt als im Secondaire, sagte Romain Nehs. Die wenigsten Infektionen habe es im Zyklus 1, also bei den ganz Kleinen, gegeben. Im Fondamental, so die Schlussfolgerung, seien auf jeden Fall keine neuen Maßnahmen  notwendig. Wenn, dann eher im Secondaire. 

Es kommt lediglich zu kleinen Anpassungen. Infolge der Gespräche, die Claude Meisch rezent mit den Schulpartnern hatte, habe man sich darauf geeinigt, dass in den Grundschulen und in den Maisons relais immer dann ein Mund-Nasenschutz getragen werden muss, wenn ein Schüler sich in der Klasse oder in der Maison relais bewegt - auch draußen ist der Mundschutz Pflicht. Sitzend kann der Mundschutz abgenommen werden.

In der Schule und in den Maisons relais gelten die Regeln, die auch in der gesamten Gesellschaft gelten: maximal vier Personen an einem Tisch in der Kantine und maximal vier Personen pro Gruppe bei Sportaktivitäten. Meetings mit mehr als vier Personen müssen digital stattfinden.

Mehr Fälle in der Sekundaroberstufe

Klar ist, dass das Virus bei älteren Schülern präsenter ist als bei jüngeren. Die Schulen können, wenn sie es für angemessen halten, in den oberen Klassen auf den sogenannten Hybridunterricht umschalten. Laut Claude Meisch hätten drei Lyzeen das getan. Sollte man das Modell ganz allgemein in der Oberstufe einführen? Nein, dazu gebe es momentan keine Notwendigkeit, meinte Romain Nehs. Wahrscheinlich hätte man die eine oder andere Infektion verhindern können, sagte der Bildungsminister im Anschluss an die Präsentation. Seiner Auffassung nach aber rechtfertige der Aufwand den Nutzen nicht

Es bleibt also beim Status Quo in Sachen Hygienekonzept in den Schulen. „Neue Maßnahmen in der Schule wird es nur geben, wenn neue Maßnahmen für die gesamte Gesellschaft eingeführt werden“, so noch der Minister. Sollte aus Alternativunterricht umgeschaltet werden, stelle das Ministerium genügend Laptops bereit, um sicherzustellen, dass alle Schüler am Fernunterricht teilnehmen können. 

Anpassungen am Stufenmodell

Neu wird sein, die Erweiterung des Drei-Stufen-Modells auf vier Stufen, „weil unklar war, in welchem Szenario man von einer schulintern wahrscheinlichen Infektion ausgehen musste“, so Meisch. Bislang wurden schulintern wahrscheinliche Infektionen in keinem Szenario klar erfasst. Szenario 2 beinhaltete lediglich nicht nachgewiesene oder schulintern unwahrscheinliche Fälle. Hier soll also nachgebessert werden. 


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 Künftig gilt: Szenario 1 (ein isolierter Fall pro Klasse - die Klasse wird in der Schule isoliert), Szenario 2: zwei Fälle pro Klasse, bei denen nicht nachgewiesen ist, ob die Infektion innerhalb oder außerhalb der Klasse stattgefunden hat - die Klasse begibt sich in Quarantäne), Szenario 3 (zwei bis fünf Fälle pro Klasse - die Klasse begibt sich in Quarantäne) und Szenario 4: mehr als fünf Fälle pro Klasse oder eine klassenübergreifende Infektionskette. Diese Fälle würden vom Comité de pilotage „Covid-19 & Education“ untersucht, heißt es im Pressedossier des Bildungsministeriums. Der Minister verspricht sich davon ein präziseres Bild des Infektionsgeschehens in der Schule. 

Wie bereits vor einer Woche angekündigt, werden Schüler (Szenario 1) künftig in den Schulen getestet. Das Bildungsministerium verschickt die von der Santé erstellten Ordonnances an die Eltern. Die Tests werden sechs Tage nach Auftreten eines positiven Falles durchgeführt. Eltern können das ablehnen und ihre Kinder weiterhin in einem Testzentrum testen lassen

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