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Claude Meisch: "Habe die Kritik verstanden"
Politik 3 Min. 06.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Claude Meisch: "Habe die Kritik verstanden"

Das Bildungsministerium denkt darüber nach, die Schüler der oberen Sekundarstufe teils im Präsenz- und teils im Fernunterricht zu unterrichten. Hintergrund ist die zunehmende Zahl an Neuinfektionen bei 16- bis 19-Jährigen in der gesamten Bevölkerung.

Claude Meisch: "Habe die Kritik verstanden"

Das Bildungsministerium denkt darüber nach, die Schüler der oberen Sekundarstufe teils im Präsenz- und teils im Fernunterricht zu unterrichten. Hintergrund ist die zunehmende Zahl an Neuinfektionen bei 16- bis 19-Jährigen in der gesamten Bevölkerung.
Foto: DPA
Politik 3 Min. 06.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Claude Meisch: "Habe die Kritik verstanden"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Viele Menschen werfen Bildungsminister Claude Meisch (DP) Intransparenz im Umgang mit dem Infektionsgeschehen in den Schulen vor. Der Minister verspricht mehr Transparenz und kündigt Anpassungen an.

In den vergangenen Wochen ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Luxemburg so stark gestiegen, dass eine Kontaktverfolgung kaum noch möglich war - auch in den Schulen. Viele Eltern haben ihrem Ärger öffentlich Luft gemacht. Eine Eltern-Facebook-Gruppe mit 850 Mitgliedern hat sich in einem offenen Brief an Bildungsminister Claude Meisch (DP) gewandt, mehr Transparenz, zeitnahe und verlässliche Informationen sowie zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen gefordert.


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Am Freitag reagierte der Bildungsminister und kündigte Anpassungen ab kommender Woche an. „Wir haben die Kritik verstanden“, sagt Bildungsminister am Freitag nach der Kabinettssitzung im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“.

Zwar bleibt nach wie vor die Inspection sanitaire für das Aussprechen von Quarantänen und das Verschreiben von Tests verantwortlich, aber das Bildungsministerium wird die Anweisungen und Verschreibungen an die betroffenen Lehrer und Schüler weitervermitteln. Anders ausgedrückt: Die Santé entscheidet und das Bildungsministerium teilt die Entscheidungen zeitnah mit. Die Ordonnances werden per E-Mail an die Eltern (oder erwachsenen Schüler) verschickt beziehungsweise den Kindern in der Schule vom Lehrer ausgehändigt. Diese Vorgehensweise soll Verzögerungen verhindern.

Mobile Teststationen in den Schulen

Eltern hatten sich auch darüber beklagt, dass sie stundenlang in der Kälte vor den Testzentren anstehen müssen, um ihre Kinder testen zu lassen. Auch damit soll nun Schluss sein. Ab kommender Woche werden laut dem Minister Klassen, die sich in Szenario 1 (ein Infektionsfall in einer Klasse) befinden, mittels mobiler Teststationen in den Schulen getestet.

Ein Dutzend regionale Teams werden zu den Schulen fahren und die Tests durchführen. Der Einsatz ist ab dem 16. November geplant und findet ausschließlich während der Schulzeit statt. Die Testauswertung wird vom Laboratoire national de santé (LNS) vorgenommen. „Wir holen uns aber vorher die Erlaubnis der Eltern ein“, erklärt Claude Meisch. Eltern, die das nicht wollen, haben die Möglichkeit, ihr Kind wie bisher in einem Testzentrum testen zu lassen.

Lehrer in Auto-Quarantäne

In den Gesprächen zwischen dem Minister und den Schulpartnern kamen auch Fragen zur Autoquarantäne auf. Diesbezüglich erklärt Claude Meisch am Freitag, man müsse zwischen privatem und schulischem Umfeld unterscheiden. „Lehrer, die privat mit einem Infizierten Kontakt hatten, können sich in Autoquarantäne begeben“, so der Minister. Im Falle eines Kontaktes innerhalb der Schule nicht, „da in Szenario 1 keine Quarantäne ausgesprochen wird“, so der Minister. In Szenario 2 stellt sich die Frage nicht, weil die Klasse dann ohnehin in Quarantäne geht. In dem Fall werden auch keine Tests in den Schulen durchgeführt. Sie beschränken sich auf Szenario 1, die laut Meisch bis jetzt zwei Drittel aller Fälle ausgemacht haben.

Bildungsminister Claude Meisch (DP) will kommende Woche einen detaillierten Bericht zum Infektionsgeschehen in den Schulen vorlegen.
Bildungsminister Claude Meisch (DP) will kommende Woche einen detaillierten Bericht zum Infektionsgeschehen in den Schulen vorlegen.
Foto: Lex Kleren

Meisch verspricht mehr Transparenz

Mitte nächster Woche will der Bildungsminister - wie angekündigt - einen detaillierten Bericht vorlegen mit einer Analyse des Infektionsgeschehens seit der Rentrée, darunter auch genauere Zahlenanalysen. „Wir beobachten, dass unter den Neuinfektionen viele Jugendliche im Alter zwischen 16 und 19 Jahren sind“, sagte Meisch, „nicht nur in den Schulen, sondern allgemein in der Bevölkerung“. Aus diesem Grund wird in Erwägung gezogen - aber erst nächste Woche endgültig darüber entschieden -, die oberen Klassen abwechselnd zur Hälfte im Präsenz- und zur Hälfte im Fernunterricht zu unterrichten. Auf diese Weise kann die Zahl der Schüler in den Klassen, in den Bussen und den Schulkantinen reduziert werden.  

Infolge der Kritik am Stufenmodell, insbesondere an Stufe 2, wird Claude Meisch Anpassungen vornehmen. Stufe 2 beschreibt Klassen mit maximal zwei Fällen, die nicht miteinander in Verbindung stehen oder von denen angenommen wird, dass die Ansteckung nicht in der Schule stattgefunden hat. Stufe 2 soll nun in zwei Unterkategorien unterteilt werden beziehungsweise um eine Stufe 2bis erweitert werden, der Fälle zugeordnet werden, bei denen der Verdacht besteht, dass die Ansteckungen in der Schule stattgefunden haben könnten. Diese Kategorie fehlte bisher, wie das „Luxemburger Wort“ im Artikel „Es ist Zeit für mehr Transparenz“ berichtet hatte.

Im Falle einer Einstufung in Szenario 2bis mit Verdacht auf eine Infektionskette innerhalb der Schule, werde den Fällen genau auf den Grund gegangen und geprüft, „ob eventuell Regeln nicht eingehalten worden sind und ob möglicherweise zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssen“, erklärt der Minister. Ist eindeutig bewiesen, dass es zu einer Infektionskette innerhalb der Schule gekommen ist, werden die Fälle Szenario 3 zugeordnet.

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