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Claude Meisch: "Die Schulen sind nicht das Problem"
Politik 2 Min. 04.07.2020

Claude Meisch: "Die Schulen sind nicht das Problem"

Auf Claude Meisch prasselt derzeit viel Kritik ein.

Claude Meisch: "Die Schulen sind nicht das Problem"

Auf Claude Meisch prasselt derzeit viel Kritik ein.
Foto: SIP / Jean-Christophe Verhaegen
Politik 2 Min. 04.07.2020

Claude Meisch: "Die Schulen sind nicht das Problem"

War es richtig, die Klassen vor den Sommerferien wieder zusammenzulegen? Bildungsminister Claude Meisch und Kinderarzt Fernand Pauly sind sich einig. Die Lehrergewerkschaft Féduse hält an ihrer Kritik fest.

(jt) - Bildungsminister Claude Meisch (DP) hat sich am Samstag erneut vehement gegen die Behauptung gewehrt, wonach Schulen aktuell ein Hauptinfektionsherd für das Corona-Virus wären. "Hätten wir gesehen, dass sich das Virus in den Schulen verbreitet, hätten wir sofort reagiert", sagte Meisch in der RTL-Sendung "Background am Gespréich". Die Schulen seien momentan nicht das Problem, die jüngsten Infektionen seien vor allem auf "wilde Partys", Familienfeste sowie nicht-reglementierte Aktivitäten zurückzuführen.

Er werde am 15. Juli gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium eine Bilanz über die Quarantänemaßnahmen im Bildungsbereich ziehen, sagte Meisch. Er geht momentan davon aus, dass die meisten Infektionen von Schülern im familiären Umfeld geschehen sind. Es sei nachgewiesen, dass sich Schüler nicht direkt in der Schule ansteckten. Meisch stellte sogar die Frage, ob die Isolierung von ganzen Klassen künftig überhaupt noch notwendig sei.


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Momentan befinden sich rund 20 Klassen – Grundschule und Lyzeen zusammengerechnet – in Heimquarantäne, so Meisch. Schüler und Lehrer dieser Klassen würden nun getestet, bevor sie in die Schulen zurückkehren dürfen. 

Kinderarzt Fernand Pauly: "Kinder nicht einsperren"

Unterstützung erhielt der Bildungsminister vom Kinderarzt Dr. Fernand Pauly. Die Aufhebung des Klassensplittings und die Rückkehr zu einer gewissen Normalität in den Schulen sei kein Fehler, sondern geradezu eine Pflicht gewesen. "Wenn ein Sportler außer Form ist, kann man ihm auch nicht sagen, er müsse jetzt rasten." Man könne Schüler nicht ewig zuhause einsperren, dadurch würde das Problem nur verlagert. Die Gesellschaft müsse lernen, mit dem Risiko des Virus umzugehen, so Pauly. Am größten sei die Gefahr einer Übertragung auf dem Weg einer Arbeit. Auch Lehrer könnten sich untereinander anstecken. Erst an dritter Stelle sieht Pauly die Gefahr einer Übertragung von Kindern und Jugendlichen auf das Schulpersonal.


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Der Vertreter der Lehrergewerkschaft Féduse, Raoul Scholtes, kritisierte in der RTL-Sendung, dass es im Klassensaal keine Maskenpflicht gebe. Lehrer stünden hier "auf verlorenem Posten, wenn vom Ministerium keine klare Ansage kommt". Für die Rentrée im Herbst seien noch viele Fragen offen, etwa was das Lüften im Klassensaal bei kälteren Temperaturen betrifft. Claude Meisch äußerte Verständnis für die Sorgen des Schulpersonals. Er will aber weiterhin an der Freiwilligkeit des Mund-Nasen-Schutzes festhalten.

Einig war sich die Runde, dass eine zweite Schulschließung wie im März problematisch wäre. Man sei inzwischen, nicht zuletzt durch verschiedene wissenschaftliche Studien, schlauer geworden, sagte Pauly. Claude Meisch wies aber noch auf ein anderes Problemfeld hin, auf das er nun den Fokus legen will: Im Herbst kämen viele junge Absolventen auf den Arbeitsmarkt, die womöglich aufgrund der schlechten Konjunkturlage keine Beschäftigung finden. "Wie immer in einer Krise werden es die jungen Leute sein, die es am schwierigsten haben werden."

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