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Chamber: Wohlbefinden messen
Politik 2 Min. 06.02.2020

Chamber: Wohlbefinden messen

Dass es unter der Woche quasi täglich zu massiven Verkehrsstaus kommt, führt bei vielen Menschen zu Stress, wird aber beim normalen BIP nicht berücksichtigt.

Chamber: Wohlbefinden messen

Dass es unter der Woche quasi täglich zu massiven Verkehrsstaus kommt, führt bei vielen Menschen zu Stress, wird aber beim normalen BIP nicht berücksichtigt.
Foto: Chris Karaba
Politik 2 Min. 06.02.2020

Chamber: Wohlbefinden messen

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
In der Chamber sind sich alle Parteien einig, dass der „PIB du bien-être“ genutzt werden soll, um die Zufriedenheit in Luxemburg zu erfassen.

Um die Frage zu beantworten, wie es um die Situation in einem Land bestellt ist, wird in der Regel zunächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrachtet. Allerdings sagt dieser Wert nur bedingt etwas über die Zufriedenheit der Bevölkerung aus. Vor diesem Hintergrund hat Serge Wilmes (CSV) eine Parlamentsdebatte über die Einführung eines Index des Wohlbefindens initiiert. Nachdem die Debatte am 21. Januar nach zwei Redebeiträgen wegen der Nachricht vom Tod des DP-Fraktionspräsidenten abgebrochen worden war, wurde sie am Donnerstag fortgesetzt. 

Als Initiator unterstrich Wilmes als erster Redner, dass das Wirtschaftswachstum nicht alles und der Mensch nicht in erster Linie ein Homo oeconomicus sei. Er verwies darauf, dass die BIP-Daten erst vier Jahre nach ihrer Veröffentlichung definitiv seien und große multinationale Firmen ein Übergewicht hätten. Zudem würden die vielen Grenzgänger das Bild verzerren. Luxemburg, das beim BIP pro Einwohner weltweit auf dem dritten Platz liegt, verliere ohne die Grenzgänger 40 Prozent dieses Werts. 

Wilmes erklärte auch, wie sich der Index des Wohlbefindens zusammensetzen soll. Dieser bestehe aus elf Kategorien, wie beispielsweise Beschäftigung und Sicherheit oder Wohnungsbau. Diese Kategorien unterteilten sich dann wieder in 63 Indikatoren. Einige davon seien objektiver Natur, so wie der Schulabschluss einer Person, andere wiederum subjektiv, wie das Sicherheitsempfinden, das oft nicht mit den Polizeistatistiken übereinstimme. 

Handlungen besser als Theorie 

Für André Bauler (DP) muss es das Ziel jeder Politik sein, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Der Index des Wohlergehens sei zwar ein interessantes theoretisches Werkzeug, allerdings sei es wichtiger, dass die Politik greifbare Maßnahmen umsetze. Als Beispiele führte er den Télétravail, die Digitalisierung der Behörden sowie den Elternurlaub an. 

Yves Cruchten (LSAP) hatte das Wohlbefinden bereits zum Kernthema seines Berichts zum Haushaltsgesetz 2020 gemacht. Ihm ist vor allem die Akzeptanz durch die Bevölkerung wichtig. Der Index müsse „von den Menschen getragen werden“, sonst sei er „zum Scheitern verurteilt“. Die Bevölkerung solle deswegen, wie in Deutschland, in die Ausarbeitung eingebunden werden.

Anpassungen bei Rückerstattungen gefordert

Die Fraktionspräsidentin von Déi Gréng, Josée Lorsché, setzte den Fokus auf Umweltthemen. Dass Finnland im World Happiness Report den ersten Platz einnehme, liege unter anderem an der Naturbelassenheit des Landes. 


Politik, Budget Rapporteur Yves CRUCHTEN, LSAP,   Foto: Anouk Antony/Luxemburger Wort
Budgetbericht: Kluft zwischen Staat und Bürgern
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Gast Gibéryen (ADR) mahnte Anpassungen bei den Rückerstattungen durch die Gesundheitskasse an. „Es kann nicht sein, dass sich Menschen im reichen Luxemburg kein Gebiss leisten können.“ David Wagner (Déi Lénk) kritisierte seinerseits die luxemburgische Nischenpolitik. 

Plädoyer für höhere Produktivität 

„Wachstum soll kein Selbstzweck sein, sondern den Menschen zugutekommen“, so Wirtschaftsminister Franz Fayot (LSAP). Um eine nachhaltige Wirtschaft aufzubauen, sei der Index des Wohlbefindens ein zentrales Element. Deshalb wolle er ihn in das Staatsbudget übernehmen und sich dafür einsetzen, ihn auch in das Semestre européen zu integrieren. 

Fayot plädierte für eine Steigerung der Produktivität. Weniger Arbeitskräfte sollen benötigt und weniger Energie verbraucht werden. Zudem müsse das lineare Wirtschaftsmodell durch die Kreislaufwirtschaft ersetzt werden. Als Steuerungsmöglichkeiten nannte er Subventionen und das gezieltere Anziehen von Betrieben, gab aber auch zu: „Kurzfristig wird es schwer, das Wachstum zu steuern.“


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