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Chamber: Suizid im Fokus
Politik 2 Min. 21.01.2021

Chamber: Suizid im Fokus

Oft sind Selbstmordversuche das Resultat jahrelang andauernder Depressionen. In Luxemburg leiden 11,7 Prozent der Frauen und 8,2 Prozent der Männer unter dieser psychischen Erkrankung.

Chamber: Suizid im Fokus

Oft sind Selbstmordversuche das Resultat jahrelang andauernder Depressionen. In Luxemburg leiden 11,7 Prozent der Frauen und 8,2 Prozent der Männer unter dieser psychischen Erkrankung.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 21.01.2021

Chamber: Suizid im Fokus

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Das Parlament debattiert am Donnerstag über das Thema der mentalen Gesundheit. Über die Parteigrenzen hinweg herrscht große Einigkeit.

Auf Anfrage von DP-Fraktionspräsident Gilles Baum debattierten die Abgeordneten am Donnerstag im hauptstädtischen Cercle über Suizid und psychische Erkrankungen. Diese Phänomene haben durch die Einschränkungen in der Corona-Krise noch an Brisanz zugenommen. 

„Alle 40 Sekunden stirbt eine Person, weil sie sich das Leben nimmt“, so Françoise Hetto-Gaasch (CSV) mit Blick auf die weltweite Statistik. Sie unterstrich die Bedeutung der Prävention und bedauerte vor diesem Hintergrund, dass die Resultate des Suizidpräventionsplans für den Zeitraum von 2015 bis 2019 dem Parlament noch nicht vorgestellt wurden. Hetto-Gaasch bemängelte zudem, dass eine zu strenge Auslegung des Datenschutzes oftmals eine effiziente Prävention verhindere. Angesichts des Mangels an Psychiatern, 100 auf 600.000 Einwohner, müsse der Beruf attraktiver gestaltet werden.

Rückerstattung durch Gesundheitskasse gefordert 

„Wenn diese Pandemie zu etwas gut sein soll, dann dass das Thema Suizid kein Tabu mehr ist“, meinte Francine Closener (LSAP). Vor allem die hohe Zahl von selbstmordgefährdeten Jugendlichen zeige, dass in der Gesellschaft etwas schieflaufe. Hier müsse bereits in der Grundschule und bei der Lehrerausbildung angesetzt werden. Marc Hansen (Déi Gréng) forderte dazu auf, Depressionen und Suizid zu enttabuisieren. Auch müssten die Kosten psychologischer Behandlungen künftig von der Gesundheitskasse rückerstattet werden. 

Für Jeff Engelen (ADR) ist es nicht der richtige Ansatz, nur die Zahl der Selbstmorde reduzieren zu wollen, vielmehr müsse man die Gründe für Suizide, beispielsweise Arbeitslosigkeit und Isolation, ausmerzen. Er kritisierte, dass viele ältere Menschen während der Krise weggesperrt worden seien. Marc Baum (Déi Lénk) sieht unter anderem Nachholbedarf bei der Informationsarbeit. 

Nationaler Gesundheitsplan kommt 2021

„Das schlimmste, was wir tun können, ist wegschauen“, so Bildungsminister Claude Meisch (DP). Man müsse die Augen für Risikofaktoren wie Alkohol- und Drogenmissbrauch aber auch schulische Überforderung offen halten. Aktuell seien in den Schulen 300 auf psychosoziale Arbeit spezialisierte Pädagogen, 80 dieser Posten wurden seit 2017 geschaffen. Meisch kündigte zudem an, dass das Wohlbefinden einen Schwerpunkt im diesjährigen Jugendpakt darstellen soll. 


Politik, Partei DP, Gilles Baum, Thema Selbstmord  Foto: Anouk Antony/Luxemburger Wort
Gilles Baum: Suizid enttabuisieren
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Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) unterstrich, dass sich Menschen aus allen sozialen Schichten das Leben nehmen, von kleinen Kindern in Flüchtlingslagern bis hin zu älteren Personen, die an einer schweren Krankheit leiden. Wenn dieser Schritt in manchen Fällen vielleicht nachvollziehbar sei, handele es sich dabei meistens jedoch um einen Akt der Verblendung. Durch den ersten Suizidpräventionsplan sei „der Finger in die Wunde gelegt worden“. Auch wenn die Zahl der Selbstmorde von 85 im Jahr 2014 auf 58 im Jahr 2018 gesunken sei, bleibe noch viel zu tun. Im Lauf des Jahres solle ein nationaler Gesundheitsplan erstellt werden. 

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