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Chamber: Rassismus in Luxemburg real
Politik 2 Min. 01.07.2020

Chamber: Rassismus in Luxemburg real

Rund 1.500 Menschen nahmen am 5. Juni an einer Demonstration gegen Rassismus vor der US-Botschaft in Luxemburg teil.

Chamber: Rassismus in Luxemburg real

Rund 1.500 Menschen nahmen am 5. Juni an einer Demonstration gegen Rassismus vor der US-Botschaft in Luxemburg teil.
Foto: Chris Karaba
Politik 2 Min. 01.07.2020

Chamber: Rassismus in Luxemburg real

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Während einer Aktualitätsstunde wird im Parlament über Diskriminierung und Rassismus in Luxemburg diskutiert. Es zeigte sich ein tiefer Graben zwischen der ADR und anderen Parteien.

Seit den Protesten gegen Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA ist das Thema Rassismus auch im Großherzogtum in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Vor diesem Hintergrund wurde am Mittwoch in der Chamber während einer von CSV und Piraten initiierten Aktualitätsstunde über Diskriminierung und Rassismus in Luxemburg diskutiert. 

Paul Galles (CSV) bezeichnete Rassismus als eine der perfidesten Formen der Diskriminierung. Er diene stets dazu, andere Ziele zu erreichen, seien es politische, wirtschaftliche oder kolonialistische. Dabei basiere Rassismus auf einem wissenschaftlich unhaltbaren Konzept.   Deswegen forderte er eine Stärkung des Centre pour l'égalité de traitement (CET). 

"Wir sind alle nur Menschen"

Sven Clement (Piraten) erinnerte an die Demonstration vor der US-Botschaft in Luxemburg am 5. Juni anlässlich des Todesfalls des US-Amerikaners George Floyd und lobte die überwiegend jungen Teilnehmer für ihr Engagement. Struktureller Rassismus führe oft zu sozialen Ungleichheiten, hier müsse man das Problem an der Wurzel packen. Er forderte außerdem, die luxemburgische Kolonialvergangenheit im belgischen Kongo aufzuarbeiten und gegen rassistische Kommentare im Netz vorzugehen. 


Lokales, demo virun US ambassade, George Floyd, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
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Der friedliche Protest vor der amerikanischen Botschaft in Luxemburg-Stadt begann um 14 Uhr. Viele sind dem Aufruf von "Lëtz Rise Up" gegen Rassismus gefolgt.

„Wir sind alle nur Menschen“, zitierte Max Hahn (DP) aus einer Rede seiner Parteikollegin Monica Semedo aus dem EU-Parlament. Für ihn sei es unverständlich, dass in einem multikulturellen Land wie Luxemburg Rassismus existiere. Er reichte im Namen der Mehrheitsparteien eine Motion ein, die eine Bestandsaufnahme zum Rassismus in Luxemburg fordert und einstimmig angenommen wurde. 

Anonymisierte Verfahren gefordert

Yves Cruchten (LSAP) unterstrich das gute Zusammenleben verschiedener Kulturen, Nationen und Religionen in Luxemburg, vor allem im Vergleich mit anderen Ländern. Trotzdem dürfe dies nicht zu Selbstzufriedenheit führen. Er erinnerte zudem an die Verantwortung der Politik, mit gutem Beispiel vorzugehen und verschiedene Begriffe, wie beispielsweise „Schwarzafrikaner“, nicht zu benutzen. 

„Die Debatte über Rassismus hält uns den Spiegel vor“, so Charles Margue (Déi Gréng). Auch wenn sich Luxemburg gerne als multikulturelle Gesellschaft sehe, diskutierten doch 60 weiße Personen über die Probleme von Schwarzen und andren Minoritäten. In Luxemburg gebe es eher ein Neben- als ein Miteinander zwischen verschiedenen Gemeinschaften. Zudem regte er anonymisierte Verfahren bei Einstellungen und der Vergabe von Wohnungen an. 

Kartheiser: "Kein struktureller Rassismus in Luxemburg"

„Rassismus ist nicht akzeptabel“, so Fernand Kartheiser (ADR) zu Beginn seiner Rede. In dieser Feststellung sei man sich parteiübergreifend einig. In anderen Punkten widersprach er seinen Vorrednern jedoch vehement. In Luxemburg gebe es keinen strukturellen Rassismus, so hätten nicht nur Schwarze hierzulande Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Er kritisierte auch Forderungen nach einer schärferen Zensur im Internet, man könne Rassismus nicht durch die Aufgabe der Meinungsfreiheit bekämpfen. 


INDIA - SEPTEMBER 20:  One of a series of 20 photographs depicting the planting and manufacturing of indigo in India by French photographer Oscar Mallitte (c 1829-1905). Mallitte arrived in Calcutta in 1857 and later that year was part of Dr Mouat's official expedition to the Andaman Islands. He made an invaluable photographic record of the life and customs of the native islanders, a collection which sadly has since been lost. Mallitte taught photography at the School of Industrial Arts in Calcutta, and in 1859 he accompanied the Vice-Roy, Lord Canning, as photographer on a tour of the North-West provinces. A series of his views of indigo planting and manufacturing was sold at Sotheby�s in 1980.  (Photo by SSPL/Getty Images)
Rassismus: Das ewige Gift
Die Proteste in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd haben weite Kreise gezogen, doch die Problematik wurzelt tief. Eine Geschichte des Rassismus: Von der Kolonialzeit bis „Black Lives Matter“.

„Wenn einer sich diskriminiert fühlt, dann haben wir ein Problem mit Diskriminierung“, so Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen (DP). Sie plädierte für Integration und Inklusion, hier könnten vor allem Vereine eine wichtige Rolle spielen, weil sich dort Menschen unterschiedlicher Herkunft kennenlernen.

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