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Chamber: Luxair sorgt für Diskussionen
Politik 2 Min. 13.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Chamber: Luxair sorgt für Diskussionen

Ein ungewohntes und seltenes Bild: fast alle Luxair-Passagiermaschinen im Standby vor dem Terminal.

Chamber: Luxair sorgt für Diskussionen

Ein ungewohntes und seltenes Bild: fast alle Luxair-Passagiermaschinen im Standby vor dem Terminal.
Foto: Guy Zenner
Politik 2 Min. 13.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Chamber: Luxair sorgt für Diskussionen

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Die schwierige wirtschaftliche Situation der nationalen Fluggesellschaft wegen der Corona-Pandemie und die Nominierung von Gilles Feith zum neuen Generaldirektor beschäftigen die Abgeordneten.

Auf Anfrage des CSV-Abgeordneten Serge Wilmes gab es am Mittwoch in der Chamber eine Aktualitätsstunde zur zivilen Luftfahrt in Luxemburg. Wilmes bezeichnete die Luxair und die gesamte Luftfahrt als systemrelevant für das Großherzogtum. Die in Aussicht gestellte Wiederaufnahme der Linienflüge ab dem 1. Juni sei ein „kleiner Lichtblick“. Trotzdem werde das wirtschaftliche Umfeld auch in Zukunft schwierig bleiben. Dies einerseits, weil Firmen wohl verstärkt auf Videokonferenzen setzen würden und anderseits aus sanitären Gründen nur eine begrenzte Zahl von Sitzplätzen mit Passagieren belegt werden dürfte. 

Er verwies auf die unterschiedliche Entwicklung der beiden nationalen Fluggesellschaften Luxair und Cargolux in der Krise. Während die Passagierzahlen der Luxair stark eingebrochen sind, hat die Cargolux weiterhin gut gefüllte Auftragsbücher. An Transportminister François Bausch (Déi Gréng) richtete Wilmes die Frage, warum es nach dem Rücktritt von Adrien Ney als Generaldirektor keine Ausschreibung für den Posten gegeben hat. Der Wechsel an der Spitze von Ney hin zum hohen Beamten Gilles Feith, und vor allem dessen Geschwindigkeit, hätten alles andere als vertrauensbildend gewirkt. 

Kritik an Kurzstreckenflügen

Auch Max Hahn (DP) unterstrich die Bedeutung der Luxair und des nationalen Flughafens. Der Findel sei für fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich, was 2019 drei Milliarden Euro entsprochen habe. Indirekt hingen 24 000 Arbeitsplätze am Findel. 

Carlo Back (Déi Gréng) forderte eine Reduzierung der Kurzstreckenflüge. Diese sollten so gut wie möglich durch Zugfahrten, beispielsweise mit dem TGV von Luxemburg nach Paris, ersetzt und das Schienennetz zu diesem Zweck weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus bemängelte er die steuerliche Begünstigung von Kerosin. 

Forderung nach Hilfsfonds 

David Wagner (Déi Lénk) zeigte sich als einziger Oppositionspolitiker von der Nominierung von Gilles Feith beruhigt. Er bevorzuge einen hohen Beamten gegenüber einem Manager aus der Privatwirtschaft auf dem Posten des Luxair-Generaldirektors. Wenn sich der Staat schon an Unternehmen beteilige, solle er auch auf strategische Entscheidungen Einfluss nehmen. 

Marc Goergen (Piraten) forderte, den freien Willen der Kunden zu respektieren und diesen die Entscheidung zu überlassen, ob sie ihr Geld zurückerstattet oder einen Coupon für einen anderen Flug ausgestellt bekommen wollen. Die Piraten regten zudem die Schaffung eines Hilfsfonds für Reiseagenturen und Fluggesellschaften an. 

Bausch verteidigt Feith

François Bausch stellte einen nachhaltigen Umbau der Luftfahrt in Aussicht. Kritisch sieht er die Weigerung der Unternehmen, den Passagieren ihre Kosten zurückzuerstatten: „Die Airlines haben mit ihrem Verhalten nicht dazu beigetragen, dass Vertrauen zurückkommt.“ 

Die Entscheidung für Feith verteidigte Bausch. Dessen Nominierung sei eine einstimmige Entscheidung des Verwaltungsrats und nicht der Aktionäre gewesen, die er aber unterstütze. Er freue sich, dass man einen Luxemburger für diesen Posten gefunden hat. Bei einer internationalen Ausschreibung wäre die Wahl wohl auf jemanden aus dem Ausland gefallen. Außerdem habe in der aktuellen Krisensituation Zeitdruck bestanden. Auch die Zweifel an der Qualifikation von Feith ließ er nicht gelten. Dessen Vorgänger Ney sei schließlich auch nicht aus der Luftfahrt, sondern aus dem Bankensektor gekommen. 


Luxair-Turbulenzen reichen bis in die Politik
Die Opposition kritisiert Art und Weise seiner Nominierung, dennoch ist Gilles Feith zum Generaldirektor ernannt worden. In der Chamber findet eine öffentliche Debatte über die Lage bei der nationalen Airline statt.

Serge Wilmes wollte Bauschs Antwort aber nicht so einfach stehen lassen und bezweifelte, dass die Beamten vor ihrer Entscheidung für Feith nicht mit dem Minister gesprochen haben. Auch die Gemeinde Luxemburg habe Beteiligungen an Unternehmen und der Schöffenrat werde von den Beamten stets über strategische Entscheidungen informiert. Eine Ausschreibung für den Posten hätte nur Vorteile gehabt.

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14.5.Wi / Findel / Cargocenter / PK LuxairGroup / Cargolux / Flughafen Foto:Guy Jallay