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Chamber diskutiert über Schutz von Risikogruppen
Politik 2 Min. 17.11.2020

Chamber diskutiert über Schutz von Risikogruppen

Ältere und behinderte Menschen gehören in weiten Teilen zu den Corona-Risikogruppen. Als Konsequenz eines konsequenten Abschirmens werden jedoch erhebliche psychische Schäden befürchtet.

Chamber diskutiert über Schutz von Risikogruppen

Ältere und behinderte Menschen gehören in weiten Teilen zu den Corona-Risikogruppen. Als Konsequenz eines konsequenten Abschirmens werden jedoch erhebliche psychische Schäden befürchtet.
Foto: AFP
Politik 2 Min. 17.11.2020

Chamber diskutiert über Schutz von Risikogruppen

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Die Parlamentarier haben am Dienstagmittag über die sanitären Maßnahmen in Alters- und Pflegeheimen debattiert. Vor allem der Gegensatz von Freiheit und Sicherheit dominierte.

Am Dienstag debattierten die Abgeordneten im Rahmen einer von der CSV-Fraktion beantragten Aktualitätsstunde im hauptstädtischen Cercle Cité über die coronabedingten sanitären Maßnahmen in Alters- und Pflegeheimen. Marc Spautz (CSV) begründete die Anfrage der Aktualitätsstunde mit dem wenig präventiven Vorgehen der Regierung. Er nannte den Fall eines Altersheims, in dem den Bewohnern am 29. Oktober mitgeteilt worden sei, dass sie und mögliche Besucher erst ab dem 16. November auf Covid-19 getestet werden könnten. Als eine mögliche Lösung nannte er die in Aussicht gestellten Schnelltests. 

Spautz unterstrich aber auch, dass nicht jeder, der mit Covid-19 stirbt auch tatsächlich an der Virusinfektion gestorben ist. Hier entstehe ein Klima der Angst und es rücke in den Hintergrund, dass vor allem ältere Menschen auf soziale Kontakte angewiesen seien. Mit Blick auf die Geschichte des Großherzogtums meinte Spautz: „Wir schulden den Älteren viel“. 

Plädoyer für Large Scale Testing  

„Die demokratische Partei will eine gewisse Autonomie der einzelnen Pflegeeinrichtungen erhalten“, so der Liberale Gusty Graas. Man könne die Situation der jeweiligen Häuser nicht pauschal miteinander vergleichen. Er regte zudem an, sofern möglich, vermehrt digitale Kommunikationsmittel im Kampf gegen die Vereinsamung Älterer einzusetzen. 

Simone Asselborn-Bintz (LSAP) brach ihrerseits eine Lanze für das Large Scale Testing, das es ermögliche schnell auf mögliche Infektionscluster zu reagieren. Josée Lorsché, Fraktionspräsidentin von Déi Gréng, lobte die gute Zusammenarbeit mit allen Akteuren aus dem Gesundheits- und Pflegesektor, vor allem des Dachverbands der Pflegedienstleister Copas. Sie plädierte zudem für das Prinzip der Selbstbestimmung Sterbenskranker, die noch einmal Besuch empfangen möchten. 

Externe Anlaufstellen gefordert

Jeff Engelen (ADR) bedauerte das Fehlen externer Anlaufstellen für die Familien von Betroffenen. Er verwies zudem auf ein Gutachten der nationalen Ethikkommission, in dem eine größtmögliche Transparenz gefordert werde. „Man merkt ein Unbehagen bei vielen, wenn es um den Umgang der Regierung mit dem Pflegesektor geht“, so Marc Baum (Déi Lénk). Er forderte mehr Zahlenmaterial und nannte das Bildungswesen als positives Beispiel. 

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) bezeichnete das Ziel, die Infektionszahlen niedrig zu halten und gleichzeitig soziale Kontakte zu ermöglichen als „Quadratur des Kreises“. Mit mobilen Mannschaften sollen alle Einrichtungen durchgetestet werden, bei 23 Häusern sei dieser Prozess bereits abgeschlossen. 

Uneinheitlicher Isolationsbeginn   

Familienministerin Corinne Cahen (DP) präsentierte die neuesten Infektionszahlen. Aktuell gelten 259 Personen aus 28 Heimen als Corona-positiv. Insgesamt gab es 846 Infektionen und 125 Sterbefälle. Beim Pflegepersonal gab es 696 positive Tests. Cahen erinnerte daran, dass ein vierstufiges Ampelsystem existiere, je höher die Stufe ist, desto restriktiver sind die Vorgaben. Von den 52 Heimen befinden sich sechs auf Niveau 1, neun auf Niveau zwei, 26 auf Niveau drei und acht 8 auf Niveau vier. Drei Heime befinden sich in zwei Stufen gleichzeitig, weil sie über mehrere Strukturen verfügen. 


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Begonnen hatte die Sitzung mit einer Fragestunde, während der die Abgeordneten nicht weniger als neun Fragen an die Regierung richteten. Georges Mischo (CSV) wollte beispielsweise wissen, ab wann genau bei der zehntägigen Corona-Selbstisolierung die Zeitmessung beginnt. Paulette Lenert gab zu, dass es hier keine einheitliche Vorgehensweise gibt. Teilweise beginne die Zählung ab dem Tag, an dem die ersten Symptome bemerkt wurden, in Abwesenheit solcher Anzeichen einer Erkrankung erst ab dem Moment, wo ein positives Testergebnis vorliegt. 

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