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Chamber debattiert über ländlichen Raum
Politik 2 Min. 18.05.2021 Aus unserem online-Archiv

Chamber debattiert über ländlichen Raum

Am 1. Mai 2019 hat das Postamt in Hosingen seine Türen definitiv geschlossen. Dieses Beispiel steht stellvertretend für das Filialsterben staatlicher Dienstleister im ländlichen Raum

Chamber debattiert über ländlichen Raum

Am 1. Mai 2019 hat das Postamt in Hosingen seine Türen definitiv geschlossen. Dieses Beispiel steht stellvertretend für das Filialsterben staatlicher Dienstleister im ländlichen Raum
Foto: John Lamberty/LW-Archiv
Politik 2 Min. 18.05.2021 Aus unserem online-Archiv

Chamber debattiert über ländlichen Raum

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Im Parlament wurde über die Entwicklung des ländlichen Raums in Corona-Zeiten diskutiert. Die CSV kritisiert eine mangelhafte Gesundheitsversorgung.

Nach Januar 2020 war es am Dienstag zumindest zu Beginn der Chambersitzung das kurze Comeback des „klengen Léo“. Auf Anfrage von Léon Gloden (CSV) gab es nämlich erneut eine Interpellation zur Entwicklung des ländlichen Raums, diesmal vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Laut Gloden habe die Krise gezeigt, dass Arbeit, Privatleben und Freizeit miteinander kombiniert werden könnten. Hier könne die Téléarbeit eine wichtige Rolle spielen, weil die Menschen sich wieder vermehrt in ihrer Region aufhielten. 

„Auch wenn ich dafür oft belächelt werde, sage ich erneut, dass es extrem wichtig ist, die primären Dienstleistungen vor Ort zu belassen, weil daran eine ganze Reihe anderer Aktivitäten hängt.“ Gloden kritisierte zudem die mangelhafte gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum und forderte, vor allem im Osten des Landes, mehr Außenstellen der Krankenhäuser. In diesem Zusammenhang kritisierte er die bisherige Haltung der grünen Fraktionschefin Josée Lorsché. 

Forderung nach Dezentralisierung 

Das wollte Lorsché nicht auf sich sitzen lassen und warnte vor einem Konkurrenzkampf zwischen den Spitälern. Außerdem forderte sie eine Bestandsaufnahme des Ist-Zustands. „Sie sind noch immer bei den Analysen und wir setzen konkrete Projekte um“, entgegnete Gloden daraufhin. 

André Bauler (DP) hielt seinerseits ein Plädoyer für die modernen Technologien und die freie Entscheidungsfindung des Konsumenten. Diese führten nun einmal dazu, dass lieb gewonnene Traditionen verschwinden, auch wenn er dies selbst nicht immer begrüße. Andererseits habe die Corona-Pandemie dazu geführt, dass die Menschen den lokalen Konsum wiederentdeckt hätten, beispielsweise durch den Direktkauf beim Bauer aus der eigenen Ortschaft. Mit Blick auf den öffentlichen Transport müssten die RGTR-Buslinien noch einmal auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden. 

Kritik am Abbau öffentlicher Dienstleistungen

„Jede Region in Luxemburg hat ihre Eigenheiten, die auch erhalten bleiben sollen“, meinte Tess Burton (LSAP). Die Heimarbeit könne, wenn sie im Einverständnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beschlossen wird, auch Vorteile bergen, beispielsweise die Reduzierung des Staus. Auch beim Einfluss der Pandemie auf den Horeca-Sektor müsse differenziert betrachtet werden; gerade Hotels im ländlichen Raum hätten sich in der Krise gut gehalten.  Auch Chantal Gary (Déi Gréng) wies auf den rezenten Erfolg des lokalen Tourismus hin, vor allem das Fahrrad habe einen Siegeszug gefeiert. 


Dezentral planen und handeln
Die personelle Verstärkung der öffentlichen Verwaltung im Nordbezirk ist unabdinglich und würde der ganzen Region nutzen.

Fred Keup (ADR) hinterfragte überdies den Mehrwert großer Zentralschulen und kritisierte die Grünen dafür, dass diese die Ansiedlung industrieller Betriebe als Mehrwert für den ländlichen Raum bezeichneten. David Wagner (Déi Lénk), für den es wie für Marc Baum wegen des Rotationsprinzips ihrer Partei die letzte Chambersitzung war, hinterfragte den Abbau öffentlicher Dienstleistungen, da es in Luxemburg im Gegensatz zu vielen anderen Ländern kein Aussterben kleiner Ortschaften gebe. 

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