Causa Lunghi: Die Opfer der RTL-Affäre
(ml/jag) - Nach der RTL-Affäre um Mudam-Direktor Enrico Lunghi ist das Personalkarussell in Bewegung gekommen. Anfang November gab Enrico Lunghi bekannt, dass er sich Ende des Jahres an der Spitze des Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean zurückziehen wird. Am vergangenen Freitag platzte die Nachricht herein, dass Alain Berwick, CEO von RTL Lëtzebuerg, Ende Dezember seinen Posten zur Verfügung stellen wird.
RTL-Journalistin Sophie Schram, die eigenen Aussagen zufolge von Lunghi während eines Interviews am Arm verletzt wurde, ließ sich erst Tage später krank schreiben, wodurch eine Reihe von Fragen aufkamen.
Artztbesuch nach mehreren Tagen
Laut Informationen, die uns zugetragen wurden, habe die Reporterin einige Tage abgewartet. Erst als die Schwellung nicht zurückging, habe sie im CHL eine Ärztin aufgesucht, die bei Operationen im Dauereinsatz gewesen sei. Schram habe mehrmals darum gebeten, einen Krankenschein zu bekommen. Erst nach einigen Tagen sei ihr das ärztliche Dokument zugesandt worden.
Sophie Schram, die bei RTL als freie Mitarbeiterin unter Vertrag steht, sei inzwischen bei ihrem Arbeitgeber eine unerwünschte Person, heißt es weiter. Die Redaktion weigere sich, ihr Themen zu geben. Die Sendung "Den Nol op de Kapp", für die sie tätig war, wurde mittlerweile aus dem Programm gestrichen. Der Sender arbeitet derzeit mit Hochdruck an einem neuen Konzept. Dem Vernehmen nach will Marc Thoma darauf verzichten, bei der neuen Sendung eine leitende Funktion zu übernehmen, falls die neue Ausrichtung nicht seinen Vorstellungen entsprechen sollte.
Unterstützungskomitee für "Den Nol"
Inzwischen hat sich ein Unterstützungskomitee für die beliebte Sendung gebildet. Vieles deute darauf hin, dass die Absetzung des "Nol op de Kapp" auf jenen Vorfall zurückzuführen sei, der sich zwischen Sophie Schram und dem Mudam-Direktor ereignet habe, heißt es in einer Pressemitteilung.
Die einheimische Medienlandschaft müsse künftig auf eine "ebenso erprobte wie populäre Investigativ-Plattform" verzichten. Zudem werde der Luxemburger Zivilgesellschaft ein wirksames Instrument der demokratischen Auseinandersetzung aus der Hand genommen.
Presserat tagt am Dienstag
Die Unterzeichneten (Jean-Claude Grosbusch, Edgar Bisenius und Jean-Paul Hoffmann) hoffen, dass RTL die "übereilte wie unbegründete Entscheidung" noch einmal überdenkt. Des Weiteren kündigen sie die Schaffung einer regelmäßig aktualisierten Webseite (originalnol.wordpress.com) an.
Am Dienstag wird sich der Presserat vermutlich mit der Causa Lunghi befassen. Tags darauf wird sich der CLT-UFA Verwaltungsrat auf Bitte des Regierungskommissars Jean-Paul Zens der Sache annehmen. Unklar ist derzeit, wer Berwick als CEO von RTL Lëtzebuerg ablösen wird. Nicht gewusst ist zudem, ob Berwick, der bis Sommer 2017 Mitglied des CLT-UFA Verwaltungsrats bleibt, an den Verhandlungen über den neuen Konzessionsvertrag beteiligt bleibt.
Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.