Caritas zur Reform des Elternurlaubs : Einheitlicher Stundensatz für alle
(ml) - Paare sollen künftig beim Elternurlaub auf flexiblere Modelle zurückgreifen können. Die Regierung will es den Müttern und Vätern ermöglichen, Arbeit und Familie besser unter einen Hut zu bringen. Nun hat sich die Caritas mit einigen Vorschlägen in die Diskussion eingeschaltet.
In erster Linie soll der Zugang zum congé parental vereinfacht werden. Derzeit muss man zur Zeit des Antrags, seit mindestens einem Jahr beschäftigt sein. Die Caritas hält Erleichterungen für angebracht, um zu verhindern, dass "ein Arbeitgeberwechsel wegen des Elternurlaub-Anspruchs nicht stattfindet." Außerdem sollten die Regeln bei der Teilzeitarbeit reformiert werden.
Junge Menschen, die künftig einen kürzeren Elternurlaub von vier Monaten in Anspruch nehmen wollen, sollen laut Koalitionsplänen, die gleiche Summe ausgezahlt bekommen wie beim jetzigen Modell (sechs Monate ohne Berufstätigkeit oder zwölf Monate bei Halbtagestätigkeit). Vorgesehen ist jedoch ein Maximalbetrag.
Liegt der Durchschnittslohn der letzten drei Monate unter dem Maximalbetrag, soll laut Regierung dieser gezahlt werden. "Das würde bedeuten, dass ausgerechnet die Ärmsten hier schlechter abschneiden," heißt es in der Pressemitteilung der Caritas. Der Grundsatz, dass alle gleich vor dem Gesetz sind, dürfte somit verletzt werden.
2080 Stunden Elternurlaub für jeden
In ihrer Stellungnahme bringt die Caritas eine völlig neue Variante ins Spiel. Sie schlägt vor, jedem Elternpaar 2.080 Stunden zuzugestehen. Dies entspricht dem aktuellen congé parental für zwei Eltern.
Die Eltern sollen die Möglichkeit erhalten, die verfügbaren Stunden in den ersten fünf Jahren nach der Geburt ihres Kindes, nach ihren Bedürfnissen aufzuteilen. Grundsätzlich sollte dies ohne das Einverständnis des Arbeitgebers geschehen, heißt es weiter. Die Anzahl der Personen, die einen Elternurlaub beantragen, mache lediglich rund ein Prozent aller Beschäftigten aus.
Bei Härtefällen sollte der Brötchengeber allerdings ein Recht auf Einspruch haben. Letztlich sollte eine paritätisch besetzte Kommission eine Entscheidung treffen. Dies würde die "gültige, starre und für alle unbefriedigende Regel im Falle von Teilzeitarbeit hinfällig machen", so die Caritas.
Zusätzlicher Ansporn für die Männer
Generell nehmen die Männer den Elternurlaub weniger in Anspruch als Frauen. Um gegenzusteuern, schlägt die Caritas vor, eine Sensibilisierungskampagne zu starten, die sich nicht nur an die Väter richtet, sondern auch an ihre Vorgesetzten und Kollegen. Die Caritas würde es für angebracht halten, den congé parental um 320 auf insgesamt 2.400 Stunden zu erhöhen, wenn Frau und Mann sich ihn teilen, unter der Voraussetzung, dass jeder mindestens 640 Stunden nimmt.
Bei der Höhe der Entlohnung spricht sich die Caritas für einen einheitlichen Stundensatz aus. Dies würde bedeuten, dass eine Person, die nicht die Gesamtzahl der zur Verfügung stehenden Stunden in Anspruch nimmt, auf den entsprechenden Teil der Lohnersatzleistung verzichtet. Die Höhe des Stundensatzes sollte sich an den Mindestlohn anlehnen. Dass Elternurlaub-Bezieher nicht gleichzeitig "chèques service-accueil" in Anspruch nehmen dürfen, hält die Caritas für falsch.