Caritas zur Reform der Familienzulagen: "Nicht ausgereift und ohne solide Basis"
(TJ) - Die Regierung will die Familienzulagen reformieren. Erhielt eine Familie bislang für das erste Kind 262 Euro und für jedes weitere Kind einen höheren Betrag, so sieht die neue Regelung einen einheitlichen Betrag für jedes Kind vor. Besonders kinderreiche Familien verlieren durch die Neuregelung Geld. Eltern mit zwei Kindern bekommen rund 750 Euro weniger, bei Familien mit fünf Kindern betragen die Einbußen bis zu 7.000 Euro jährlich.
Das stößt der Caritas sauer auf. Die Reform sei voreilig umgesetzt worden und fuße nicht auf soliden Untersuchungen.
Ohne wissenschaftliche Basis
Bei der Ausarbeitung berufe man sich auf eine österreichische Studie, die lediglich die Ausgaben von Familien mit mehreren Kindern in Betracht zieht. Daraus gehe hervor, dass kinderreiche Familien keine höheren Ausgaben pro Kind getätigt hätten, als solche mit nur einem Kind. Die Ausgaben würden also linear steigen, weshalb der einheitliche Betrag den Bedürfnissen entspreche.
Diese Ausgaben, so Caritas würden jedoch nicht die realen Bedürfnisse dieser Familien widerspiegeln. Ausgaben seien logischerweise durch das verfügbare Einkommen beschränkt und würden die Bedürfnisse also nicht darstellen. Caritas gibt sich damit nicht zufrieden und verlangt eine Luxemburg-bezogene Studie über die effektiven Bedürfnisse und Mehrausgaben, die sich in kinderreichen Familien zwangsläufig ergeben.
Dass deren Ausarbeitung, wie die Regierung behauptet, mehrere Jahre in Anspruch nehme, lässt man nicht gelten. Blau-Rot-Grün habe ohne solides Zahlenmaterial gehandelt, anstatt sich ein paar Monate Zeit zu geben, so der Verband. Caritas spricht sich nicht prinzipiell gegen eine Vereinheitlichung der Zulagen aus, man vermisst nur eine wissenschaftliche Analyse der Realitäten.
Stichwort "Altersgebundene Erhöhung"
Auch die altersgebundene Erhöhung des Kindergeldbetrags schmeckt der Caritas nicht ganz: So werden beispielsweise ab dem zwölften Lebensjahr 50 Euro zusätzlich an die Eltern überwiesen. Caritas ist der Meinung, dass man diese Beträge ebenfalls besser hätte unter die Lupe nehmen sollen. Eine Schweizer Studie habe ergeben, dass die finanzielle Belastung für die Eltern ab diesem Alter um 50 und mehr Prozent steige. Auch hier ist man mit der Neuregelung nicht glücklich.
Lesen Sie hier das vollständige Schreiben von Caritas Luxemburg:
