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Cannabis als Medizin: "Wir wollen nichts überstürzen"
Politik 2 Min. 07.11.2017

Cannabis als Medizin: "Wir wollen nichts überstürzen"

Als Ausnahme bewilligt: Das Gesundheitsministerium will Hanfblüten für medizinische Zwecke nur für bestimmte Krankheitsbilder zulassen.

Cannabis als Medizin: "Wir wollen nichts überstürzen"

Als Ausnahme bewilligt: Das Gesundheitsministerium will Hanfblüten für medizinische Zwecke nur für bestimmte Krankheitsbilder zulassen.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 07.11.2017

Cannabis als Medizin: "Wir wollen nichts überstürzen"

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Immer schön langsam mit dem Cannabis. So lautet in der Sache die Botschaft von Gesundheitsministerin Lydia Mutsch. Luxemburg will zwar Hanfblüten für medizinische Zwecke zulassen. Doch das Pilotprojekt ist restriktiv angelegt.

(BB) - Luxemburg wird Cannabis für medizinische Zwecke zulassen. Das hatte Premierminister Xavier Bettel vor ein paar Tagen angekündigt. Einige haben nicht schlecht gestaunt. Dürfen sich alle Patienten fortan berauschen? Ein bisschen Gras gegen die Wochenend-Migräne gefällig? Nun hatte der Premier die Sache schon im gleichen Atemzug beim Pressebriefing nuanciert: Es sei zur Schmerzlinderung angedacht, vor allem bei Krebspatienten und chronischen Krankheiten mit schweren Leiden.

Wahrnehmung und Akzeptanz

Immer schön langsam mit dem Cannabis, lautet auch in der Sache die Botschaft der Gesundheitsministerin. "Es ist kein Allheilmittel, sondern eine ergänzende Option in einem genau definierten Behandlungsablauf und das für eine begrenzte Anzahl an Patienten mit besonderen Krankheitsbildern", umreißt Lydia Mutsch. Weiter ist von einem "gezielten Einsatz", einer "sicheren Grundlage" für Fachärzte und "strengen Vorgaben" bei den benötigten Wirkstoffen die Rede. 

 Es ist kein Allheilmittel, sondern eine ergänzende Option in einem genau definierten Behandlungsablauf und das für eine begrenzte Anzahl an Patienten mit besonderen Krankheitsbildern.  

Kurzum: Das Bild von kiffenden Krebspatienten passt wohl nicht zur politischen Kommunikation. Denn immer noch gibt es beim Thema Cannabis ein Spannungsfeld zwischen Droge und Arzneimittel. Für die einen ist es ein nicht zu unterschätzendes Suchtmittel, für andere ein Heilkraut, das entspannt und Schmerzen betäuben kann.

"Wir wollen nichts überstürzen. Es muss eine Grundakzeptanz in der Gesellschaft geben", erklärt die Ministerin. So soll der Einsatz von Cannabis für medizinische Zwecke zuerst als Pilotprojekt über zwei Jahre erfolgen. In diesen zwei Jahren werden Erfahrungswerte gesammelt, und auf legaler Ebene wird der medizinische Einsatz von Cannabinoiden an Sonderbestimmungen geknüpft. Bis zur wahrhaftigen gesetzlichen Anerkennung könnte also noch einige Zeit vergehen.

Auf Rezept und unter strengen Auflagen

Der Rahmen ist eng gesteckt. Lediglich Fachärzte werden die Blüten oder Extrakte der Hanfpflanze verschreiben können. Die Apotheken der Krankenhäuser stellen dann die Schmerzlinderungsmittel aus. Wer letztlich in den Genuss davon kommen kann, hängt von wissenschaftlichen Grundlagen ab, wie Dr. Simone Steil vom Gesundheitsministerium erklärt. Jene US-Studien, die dem Ministerium vorliegen, haben vorwiegend Lösungen bei chronischen Schmerzen untersucht. Dass Cannabis  auch bei der Behandlung von Epilepsien zum Einsatz kommt, steht noch aus.

Das Ministerium rechnet zurzeit mit 80 bis 100 möglichen Patienten. Der Kostenpunkt für die öffentliche Hand würde bei  750.000 Euro liegen, wenn der Staat zu 100 Prozent für die Therapie aufkommt.

Kopfzerbrechen bei Grenzgängern

Längere Diskussionen wird es noch mit dem Sozialministerium geben, was die Kassenübernahme von medizinischem Cannabis betrifft. Unklar ist ebenfalls wie Grenzgänger, die in Luxemburg sozialversichert sind, hier Hanfprodukte von einem Arzt beziehen und diese dann in ihrem Wohnort im Ausland einnehmen können. "Cannabis bleibt Cannabis, und gilt in vielen Staaten als illegale Substanz. Wenn es ins Ausland exportiert wird, greift die Regelung des entsprechenden Landes", gibt Drogenkoordinator Alain Origer zu bedenken.

Und dann wäre die Frage, wie es um die zurzeit in Luxemburg hergestellten Öle und Extrakte steht. Eine Aussprache zwischen Landwirten, die Nutzhanf anbauen, und den Gesundheitsbehörden hat es noch nicht gegeben. Wer übrigens ein Riesengeschäft mit sattgrünen Hanffeldern wittert, wird enttäuscht sein. Zum breit angelegten Anbau von Cannabis soll es in Luxemburg nicht kommen. Das Ministerium schließt dies aus.

Den Stoff für medizinische Zwecke will Luxemburg voraussichtlich von Herstellern "aus den Niederlanden oder Kanada" beziehen.Eins stellt das Ministerium auch klar: Nach wie vor wird es untersagt sein, Cannabis als Rauschmittel im eigenen Wohnzimmer herzustellen.


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