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Broschüre "Der 2. Weltkrieg in Luxemburg" vorgestellt
Politik 4 Min. 09.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Broschüre "Der 2. Weltkrieg in Luxemburg" vorgestellt

Premierminister Xavier Bettel stieß das Projekt an und finanzierte es über das Staatsministerium.

Broschüre "Der 2. Weltkrieg in Luxemburg" vorgestellt

Premierminister Xavier Bettel stieß das Projekt an und finanzierte es über das Staatsministerium.
Foto: Chris Karaba
Politik 4 Min. 09.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Broschüre "Der 2. Weltkrieg in Luxemburg" vorgestellt

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Das Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale (CM2GM) bestehend aus Vertretern des Widerstands, der Zwangsrekrutierten und der Opfer der Shoah, halten die Erinnerung wach.

Zwei Jahre Arbeit stecken in der Broschüre „Der 2. Weltkrieg in Luxemburg“, die eigentlich schon am 8. Mai an alle 15-jährigen Schüler in Luxemburg ausgeteilt werden sollte, sich aber auch an die ganze Öffentlichkeit wendet. Am Freitag wurde sie mitsamt ihrem pädagogischen Begleitheft und der neuen Webseite www.cm2gm.lu des Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale (CM2GM) im Beisein von Premierminister Xavier Bettel (DP) offiziell vorgestellt. 

Das CM2GM wurde 2016 gegründet. Dem 18-köpfigen Gremium gehören jeweils sechs Vertreter der Zwangsrekrutierten, der Resistenzler sowie der Opfer der Shoah an. „Es war nicht einfach,  alle drei an einen Tisch zu bekommen, auch wenn sie alle ein gemeinsames Ziel haben - die Erinnerung wach zu halten“, sagte Bettel in Anspielung an die anfänglichen Reibereien und Animositäten der drei Verbände. 

Es war nicht einfach, alle drei an einen Tisch zu bekommen.

Xavier Bettel

Er hob lobend die vielen Stunden an freiwilliger Arbeit hervor, die in dem Projekt stecken. „Es gibt immer weniger Zeitzeugen, wir können uns nicht erlauben, wertvolle Zeit zu verlieren, um dann irgendwann sagen zu müssen: Jetzt ist es zu spät“, betonte er. 

Solidarität bewiesen

Bettel erinnerte auch an seinen Spruch „Wir waren nicht alle Helden“ bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau im Jahr 2015 und ergänzte: „Wir haben während des  Confinements viel Solidarität bewiesen - wie immer, wenn ein Feind von außen uns bedroht. Im 2. Weltkrieg gab es auch Helden, die Leben gerettet haben und  es wurde große Solidarität gezeigt.“    

Auch Claude Wolf, die im Comité die Opfer der Shoah vertritt und seit vergangenem Montag CM2GM-Präsidentin ist, verwies darauf, dass erstmals an einem Projekt zusammengearbeitet wurde. „Es war uns wichtig, die jungen Menschen anzusprechen. Wir wollen mit der Broschüre aber auch Neu-Ankömmlinge darüber informieren, wie die Zeit des 2. Weltkriegs hier im Land  erlebt wurde.“

Umfrage geplant

Sie bedauerte, dass der Nationale Kommemorationstag in diesem Jahr covid-bedingt nicht im großen Rahmen stattfinden kann. „Wir haben uns viel Mühe gegeben, vor allem junge Leute mit in die Erinnerungsarbeit einzubinden“, sagte sie und verwies gleich auch auf Zukunftsprojekte. „Wir wollen eine Umfrage durchführen, um die Erinnerungsarbeit neu auszurichten. Wir wollen herausfinden, wo die Erinnerungen und Emotionen der ersten Nachkriegsgenerationen aufhören und wo vielleicht neue Ansätze nötig sind.“

Wir wollen herausfinden, wo die Erinnerungen und Emotionen der ersten Nachkriegsgenerationen aufhören.

Claude Wolf

Sie zeigte sich auch ganz besonders stolz darauf, dass am 18. Oktober eine Gedenktafel zur Erinnerung an die 3.614 jungen luxemburgischen Frauen, die von den Nazis zum Reichsarbeitsdienst eingezogen wurden am Luxemburger Bahnhof eingeweiht wird

„Das ist zum großen Teil das Verdienst von einer der letzten Überlebenden aus dieser Zeit, Frau Maisy Ginter- Bonichaux, eine ganz große Kämpferin für die späte Anerkennung dieser Frauen.“

Fakten, Illustrationen, Biographien

Elf Themen werden in der Broschüre behandelt -  vom „Weg in den Krieg“, über „die Invasion“, „die völkische Politik“, „die Verfolgung der Juden“, „der Widerstand“, „die Zwangsrekrutierung“ bis hin zu „eine gespaltene Gesellschaft“. 


Albert Hansen, Präsident des "Comité pour la mémoire"
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Dabei werden die historischen Fakten und Eckdaten ergänzt durch zahlreiche Illustrationen und Kurzbiographien von authentischen Personen, die Mittäter oder Opfer der verschiedenen Facetten der Nazi-Herrschaft waren oder sich im Widerstand engagierten. Daran mitgearbeitet haben die beiden Historiker Vincent Artuso und Pit Péporté. 

„Die Sprache dieser pädagogischen Broschüre ist so verständlich wie möglich gehalten und nicht emotional geladen“, erklärte CM2GM-Vize-Präsident Guy Dockendorf. Gedenkarbeit mache nur dann Sinn,wenn die Erinnerungen sich auch in die Zeit von heute einschreiben.

Von emotionaler und faktischer Wahrheit

„Die Wahrheit der Historiker von heute ist ab und zu eine andere, als die Wahrheit der Zeitzeugen, die den Krieg auf ihre Art erlebt haben. Hier ging es darum zu schauen, ob es möglich ist, die emotionale Wahrheit mit der objektiver faktueller Wahrheit überein zu bringen.“ In diesem Sinn sei die Zusammenarbeit mit den beiden jungen Historikern sehr fruchtbar gewesen.

Das war eine Knochenarbeit mit einem regen Austausch.

Guy Dockendorf

Es war ein wichtiger Test, ob zwei oder drei Generationen miteinander arbeiten können, aber auch ob unsere drei Gemeinschaften sich demokratisch und in offener Aussprache auf einen Text einigen können. Das war eine Knochenarbeit mit einem regen Austausch“, betonte Dockendorf.

Pädagogische Begleitheft

Dazu gibt es ein pädagogisches Begleitheft, das sich an Schüler und Lehrpersonen richtet. Es wurde vom Zentrum fir politesch Bildung konzipiert und bietet zusätzliches Bild- und Textmaterial, Links und Tipps zu Recherchieren sowie Vorschläge zur Diskussion. Die Broschüre gibt es auf luxemburgisch, französischm deutsch und englisch, das Begleiheft ist auf deutsch. 

Alles lässt sich auf der von der Oeuvre de Secours Grande-Duchesse Charlotte finanzierten Webseite www.cm2gm.lu herunterladen. Die Broschüren sind auch beim Service de la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale im Staatsministerium und bei den einzelnen Erinnerungsorganisationen erhältlich - einfach anrufen.  

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