Briefe an die Redaktion

Ich will leben

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Viele Wochen schon geht der Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern der Fuchsjagd, und hat für hitzige Debatten gesorgt. Sogar zwei gegenteilige Petitionen gab es hierzu mit Tausenden Unterschriften, die sich in etwa die Waage hielten. Natürlich ist der Fuchs ein possierliches Tierchen, und er soll nicht unnötig gejagt werden. Andererseits habe ich Angst vor dem Fuchsbandwurm, besonders da ich am Waldrand wohne, und das Obst mir am besten frisch von der 
Hecke schmeckt. Hier handelt es sich aber nicht um ein Plädoyer für oder gegen den Fuchs.

Was mir bei der ganzen Kampagne aufgefallen ist, ist etwas ganz anderes. Handelt es sich um den Tierschutz, wallen die Gemüter auf, und es fallen Worte und Slogans wie „Auch Tiere haben Gefühle“, oder: „Alle Tiere haben ein Recht auf ein artgerechtes 
Leben und Vermeidung von Leid“, oder: „Ich will leben!“. Dies ist recht so und begrüßenswert.

Aber, wer setzt sich so leidenschaftlich ein für den Lebensschutz des ungeborenen Menschen? Wie viele Menschenrechtler, wie viele Gegner der Todesstrafe haben sich vor der Kammer eingefunden, um gegen das neue Abtreibungsrecht zu protestieren?

Wo sind die Petitionen gegen ein Gesetz, welches das Recht auf Leben des schutzlosen Ungeborenen nicht achtend, es vom Gutdünken und dem Selbstbestimmungsrecht einer Frau abhängig macht, die wohl kaum den Namen Mutter verdient, wenn sie es ohne Not, und nur aus purer Bequemlichkeit abtreibt? Wer glaubt, ein Ungeborenes würde mit zwölf Wochen keinen Schmerz verspüren, sollte den Mut aufbringen, sich den erschütternden Bericht einer Abtreibung im Film „Der stumme Schrei“ anzusehen, und würde 
eines Besseren belehrt.

Es ist ein Leichtes, Leute aufzutreiben, um gegen Tierexperimente zu protestieren. Handelt es sich aber um Menschenversuche, so tun sich dieselben oft schwer damit.

Zwar hat es die bisher erfolgreichste europäische Bürgerinitiative, nämlich die Petition „One of Us“ gegen die Embryonenforschung, geschafft, mit fast zwei Millionen Unterschriften, den Weg ins Europaparlament zu finden. Trotzdem wurde sie verworfen, und erst nach der Berufung gestanden die Parlamentarier zögerlich, dass sie vielleicht nicht 
adäquat darauf reagiert haben.

Von alledem ließ allerdings die Presse nichts verlauten, sondern 
es wurde regelrecht totgeschwiegen! Wieso nur? Fast drängt sich der Verdacht auf, als ob hier, 
wie bei der PMA und der Leihmutterschaft, gewaltige finanzkräftige Konzerne, Märkte und Forschungsinstitute ihre Hand 
im Spiele haben, und Druck ausüben.

Eines steht jedenfalls fest: Das Leben und die Würde eines Menschen scheinen bei den meisten weniger zu wiegen als jene eines Tieres.

Marie-Andrée Faber, Luxemburg