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Briefe an die Redaktion: Bradiert der Bildungsminister den Lehrerberuf?

Leserbriefe Politik 06.10.2014

Die Regierung wird also demnächst den allgemeinen Werteunterricht einführen, laut Bildungsminister Claude Meisch bereits in dieser Legislaturperiode. Die Religionslehrer, so der Minister in 
einem Zeitungsinterview zum Schulbeginn 2014/15, werden vom Staat übernommen.

Stellt sich allerdings die Frage, mit welchen Aufgaben sie betraut werden sollen. „Meisch schloss die Möglichkeit nicht aus, Religionslehrern in der Grundschule Gelegenheit zu geben, über eine einjährige Zusatzausbildung ein Lehrerdiplom zu erwerben“, so der Originalton.

Bei der Lektüre dieser Aussage muss man sich vorerst mehrmals in den Arm kneifen, und doch 
ändert sich kein Wort an der Aussage.

Ma geet et dann! Nach einem einzigen zusätzlichen Ausbildungsjahr sollen die Religionslehrer also zu Lehrern promovieren. Diese Gleichstellung käme einer ähnlichen Verfügung für die Mitarbeiter der Protection Civile gleich, die nach einem einzigen Ausbildungsjahr Ärzte wären. Zum einen: Die Ausbildung zum Religionslehrer ist eine spezifische, eben auf dieses Fach ausgerichtete. Zudem beläuft sich der Anteil der Inhaber eines Abiturdiploms unter den Religionslehrern lediglich auf schätzungsweise 50 Prozent.

Zum andern: Der Ausbildungsweg der Lehrer ist einer der schwierigsten und zudem ein mit zahlreichen erheblichen Hürden gepflasterter. Vorbedingung ist das Abitur, ehe ein vierjähriges Uni-Studium ansteht.

Es folgen gleich zwei Examina nach dem streng selektiven Modus des „Numerus clausus“, dann eine dreijährige Stagezeit bei nur teilweiser Entlohnung und dann erst die Vergabe des Lehrerdiploms.

Somit kann eine bradierte 
Ausbildung zum Lehrerberuf 
auf keinen Fall hingenommen werden.

Roby Zenner,

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