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Brandmal
Leitartikel Politik 2 Min. 12.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Brandmal

Leitartikel Politik 2 Min. 12.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Brandmal

Marco GOETZ
Marco GOETZ
Die Bäumhäuser im Norden von Laos wird man nicht finden, wenn man auf Luxemburgisch nach dem Weg fragt. Wer zu neuen Ufern aufbrechen möchte, sollte nicht nur weltoffen, sondern auch sprachgewandt sein.

Die Bäumhäuser im Norden von Laos wird man nicht finden, wenn man auf Luxemburgisch nach dem Weg fragt. Wer zu neuen Ufern aufbrechen möchte, sollte nicht nur weltoffen, sondern auch sprachgewandt sein. Mit mehreren Sprachen im Rucksack kommen wir überall hin, sagen meine Teenie-Töchter und träumen von großen Reisen.

Damit die halbe Welt bei uns vorbeischaut, weil es hier so toll ist, soll dem Land ein neues Gesicht verpasst werden. Ein „Nation branding“, ein Zeichen, an dem man Luxemburg überall erkennen und auf den ersten Blick bemerken soll: Hier kommt etwas Besonderes. Kein neues Nischenprodukt des Finanzplatzes. Ein neues Image, um des Landes wahre Größe auszustrahlen.

Nach dem Referendum vom vergangenen Sonntag muss man sich allerdings fragen, wie das gehen soll mit dem neuen Gesicht – und überhaupt. Nur 22 % der Wähler lassen erahnen, wie weltoffen Luxemburg sein könnte. Die übrigen 78 % kommen ziemlich zugeknöpft daher. Nicht gerade ein Aushängeschild, mit dem man auf den Kontinenten punkten kann.

Nicht dass andere Länder unbedingt besser wären. Darum geht's auch gar nicht. Wer Zeichen setzen möchte, muss sich trauen und bereit sein, auf Pfaden unterwegs zu sein, die keiner vor ihm betreten hat. Wie Abenteurer halt. In diesem Sinne wurde ganz einfach eine gute Gelegenheit verpasst, den Stränden der Südsee und den Bergen des Himalayas etwas entgegenzusetzen.

Irgendwann werden breitere Schichten der Bevölkerung die verpasste Chance erkennen. Diese einmalige, äußerst medienwirksame Möglichkeit, in der Welt aufzutreten und zu sagen: Seht her, wir sind Weltenbürger, und selbst wenn wir flächenmäßig kein großes Land sind, so sind wir trotzdem Global Player. „Bei uns ist die Welt zu Hause“ hätte auch für unser Land ein glaubhafter Slogan werden können. Leider ist es nicht so gekommen. Das geplante New-Branding, das neue Gesicht für die Nation, wird zum Brandmal.

Dass es lange dauern kann, bis man Fehler aus der Vergangenheit einsieht, zeigt die Debatte zum Artuso-Bericht am vergangenen Dienstag im Parlament. 70 Jahre nach den Verfehlungen entschuldigt sich der Premierminister im Namen der Regierung für das, was damals einigen – nicht allen, aber zu vielen – richtig oder zumindest unabdingbar schien.

Dass die Referendumsdebatte am vergangenen Dienstag am gleichen Nachmittag stattfindet wie die Entschuldigung, nur 15 Minuten trennten beide Punkte der Tagesordnung, mutet seltsam an. Scheinbar hat sich keine der Parteien im hohen Haus dafür eingesetzt, die beiden Diskussionspunkte deutlicher voneinander zu trennen.

Schade. Denn zuerst entschuldigt man sich bei der jüdischen Gemeinschaft Luxemburgs und beschäftigt sich anschließend damit, dass 78 % der Wähler eine andere Gemeinschaft auf Distanz halten wollen und warum sie das heute für richtig oder zumindest unabdingbar halten.

„La perception du Luxembourg à l'étranger tend parfois à être confuse voire inexistante.“ So steht's zu lesen auf den offiziellen Internetseiten der Regierung. Der Versuch, dies zu ändern, ist am vergangenen Sonntag gescheitert. „Mir kënne bleiwe, wat mir sinn“, die Baumhäuser im Dschungel von Laos werden viele mit dieser Einstellung nie finden.


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