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Blick auf das Luxemburger Bildungssystem: Zu viele Schüler bleiben auf der Strecke
Politik 2 Min. 02.12.2016

Blick auf das Luxemburger Bildungssystem: Zu viele Schüler bleiben auf der Strecke

Luxemburg muss sich anstrengen, um die Bildungschancen aller Kinder unabhängig von der Herkunft und des familiären und sozialen Umfelds zu erhöhen.

Blick auf das Luxemburger Bildungssystem: Zu viele Schüler bleiben auf der Strecke

Luxemburg muss sich anstrengen, um die Bildungschancen aller Kinder unabhängig von der Herkunft und des familiären und sozialen Umfelds zu erhöhen.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 02.12.2016

Blick auf das Luxemburger Bildungssystem: Zu viele Schüler bleiben auf der Strecke

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Laut dem neuesten EU-Bildungsmonitoring hat Luxemburg ein Inklusionsproblem. In Luxemburg sind die Bildungschancen der Kinder stark von der Herkunft und der sozio-ökonomischen Situation der Familie abhängig.

(mig) - Die Feststellung ist nicht neu. Schüler, die zu Hause kein Luxemburgisch sprechen - mittlerweile ist das bei fast zwei Drittel der Schüler der Fall - haben weniger gute Chancen auf hohe Bildungsabschlüsse. Nach der Grundschule werden die meisten ins Secondaire technique orientiert. Zudem sind die Bildungschancen der Schüler in Luxemburg sehr stark von der sozio-ökonomischen Situation der Familien abhängig. Zu dieser Schlussfolgerung kommt die EU-Kommission in ihrem Bildungsmonitoring, das im Rahmen der Strategie Europa 2020 durchgeführt wird.

Die EU-Kommission bezeichnet das dreisprachige Schulsystem in Luxemburg als Vorteil, zugleich aber auch als Nachteil für Kinder mit einem nicht-luxemburgischen Sprachhintergrund. "Luxemburg muss seine Anstrengungen verstärken und für mehr Inklusion sorgen", sagte Yuriko Backes von der Luxemburger Vertretung der EU-Kommission am Freitag bei der Vorstellung der Studie.  

Wieder mehr Schulabbrecher

Mit einer Schulabbrecherquote von 9,3 Prozent (2015) liegt Luxemburg zwar unter dem EU-Durchschnitt (elf Prozent) und unter dem nationalen Ziel von maximal zehn Prozent. Beunruhigend ist aber, dass die Quote im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist.

Positive Aspekte

Luxemburg hat eine hohe Quote an 30- bis 34-Jährigen mit einem tertiären Bildungsabschluss und liegt im EU-Vergleich an zweiter Stelle. Luxemburg hat seine Bildungsausgaben gesteigert und eine überdurchschnittlich hohe Quote (18 Prozent, EU: 10,7 Prozent) an Beschäftigten, die an Weiterbildungsprogrammen teilnehmen.

Gute Beispiele aus dem Ausland

Die EU-Kommission rät den Ländern, ihre Bildungsreformen weiterzutreiben und sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. An Luxemburg geht der Rat, sich in Sachen Chancengleichheit am Beispiel der Niederlande zu orientieren. Dort hat der sozio-ökonomische Status der Eltern kaum Einfluss auf die Bildungschancen der Schüler.

Das hat u.a. zwei Gründe. "Die Schulen haben eine sehr große Autonomie gekoppelt an eine sehr große Verantwortung für die Ergebnisse ihrer Schüler", erklärte Livia Ruszthy von der EU-Kommission. Außerdem basiert das Finanzierungsmodell der Schulen auf dem Prinzip "das Geld folgt den Schülern", d.h. die Finanzierung hängt von der Zahl der Schüler ab. Zudem bekommen Schulen mit mehr Schülern aus sozial benachteiligten Familien auch mehr Geld.

Jedes Jahr untersucht die EU-Kommission die Entwicklung der Bildungssysteme ihrer Mitgliedsstaaten. Ziel des EU-Bildungsmonitorings ist es, die Zahl der Personen mit einem tertiären Bildungsabschluss zu erhöhen und die Zahl der Schulabbrecher zu verringern.

Die Ergebnisse der EU-Studie decken sich mit den Pisa-Ergebnissen, die alle drei Jahre vorgestellt werden. Luxemburg beteiligt sich seit 2003 an der Studie. Die neuesten Pisa-Ergebnisse werden am kommenden 6. Dezember vorgestellt.


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