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Blau-rot-grüner Neuanstrich
Bei den 17 Regierungsmitgliedern sind vier Neulinge ohne Ministererfahrung dabei.

Blau-rot-grüner Neuanstrich

Foto: Pierre Matgé
Bei den 17 Regierungsmitgliedern sind vier Neulinge ohne Ministererfahrung dabei.
Politik 6 Min. 10.12.2018

Blau-rot-grüner Neuanstrich

Patrick BESCH
Patrick BESCH
Vier der 17 Regierungsmitglieder betreten Neuland. Ein kurzes Porträt der vier Neulinge.

In den kommenden fünf Jahren werden 17 Minister die Geschicke des Landes führen. Mit Taina Bofferding (LSAP), Lex Delles (DP), Paulette Lenert (LSAP) und Sam Tanson (Déi Gréng) haben es vier neue Gesichter in die Neuauflage von Blau-Rot-Grün geschaft. Besonders um die beiden LSAP-Vertreter hat es im Vorfeld der Regierungsvereidigung größere Diskussionen gegeben. Die Gemeindenbeamtengewerkschaft FCFG zweifelte schon vor der definitiven Nominierung von Taina Bofferding als Innenministerin an deren Qualitäten. Paulette Lenert hingegen stand im Fokus einer internen Parteidiskussion bei der LSAP. Doch wer sind die neuen Gesichter? Was haben sie bis jetzt erreicht? Wie sieht ihre bisherige politische und berufliche Laufbahn aus? Ein kurzes Porträt der vier Neulinge.


Sam Tanson -  Kultur und Wohnungsbau

Sam Tanson (Déi Gréng)
Sam Tanson (Déi Gréng)
Foto: Pierre Matgé
  • Alter: 41 Jahre
  • Partei: Déi Gréng
  • Bezirk: Zentrum
  • Beruf: Anwältin
  • Politisches Engagement: Abgeordnete und Gemeinderat (Luxemburg)

Seit dem 5. Dezember ist Sam Tanson als Ministerin verantwortlich für das Kultur- und Wohnungsbauministerium. Wahrlich keine leichte Aufgabe, fehlte es in den beiden Bereichen in den vergangenen Jahren doch an den nötigen Ideen. Doch Sam Tanson ist keine Person, die sich vor großen Aufgaben scheut: 2018 ist sie die politische Karriereleiter förmlich hoch gesprungen.

Zwar begann das Jahr für sie mit einer kleinen Niederlage, denn trotz einem Zugewinn bei den Gemeindewahlen mussten die Grünen um Tanson in der Hauptstadt von der Mehrheit in die Opposition. Dies bedeutete für Tanson das Ende ihres Schöffenmandats. Doch danach begann ihr steiler Aufstieg: Vom Staatsrat ging es in die Chamber, im Dezember folgte schließlich die Vereidigung zur Ministerin. Ihre berufliche Karriere begann die studierte Juristin, wie viele ihrer Kollegen, in den Medien.

Nach ihrer Arbeit beim Letzebuerger Land arbeitete sie zwischen 2002 und 2005 bei RTL als Journalistin. Darauf folgte eine kurze Karriere als Anwältin. 2005 begann auch ihre politische Karriere: Sie schloss sich den Grünen an. Schnell übernahm sie Verantwortung in unterschiedlichen Parteifunktionen: Zwischen 2006 und 2007 war sie Pressesprecherin von Déi Jonk Gréng, von 2009 bis 2010 Sprecherin der Grünen und zwischen 2010 bis 2015 Präsidentin der Partei.

Schon bei ihrem ersten Wahlantritt erhielt Tanson das Vertrauen der Wähler: Bei den Gemeindewahlen 2011 erreichte sie auf der Grünenliste den vierten Platz. Da François Bausch 2013 in die Regierung wechselte, bekleidete Tanson von Dezember 2013 an das Mandat des 1. Schöffen der Hauptstadt. Dort war sie verantwortlich für die Bereiche Mobilität und Finanzen. Sie machte sich besonders stark für die sanfte Mobilität in der Hauptstadt, vor allem für die Weiterentwicklung der Fahrradinfrastrukturen.

Den 2015 übernommenen Sitz im Staatsrat gab Tanson im April 2018 ab: Als Nächstgewählte der Grünenliste rückte sie für Claude Adam ins Parlament nach. In die Legislaturwahlen im Oktober 2018 ging sie, neben François Bausch, als Spitzenkandidatin im Zentrum ins Rennen. Mit fast 10 000 Stimmen mehr als bei den Wahlen 2013 erreichte sie den zweiten Platz der Liste. Dieser große Erfolg trug seine Früchte: In der neuen Regierung wurden ihr mit Kultur und Wohnungsbau gleich zwei wichtige Ressorts angeboten.

Lex Delles -  Tourismus und Mittelstand

Lex Delles (DP)
Lex Delles (DP)
Foto: Pierre Matgé
  • Alter: 34 Jahre
  • Partei: DP
  • Bezirk: Osten
  • Beruf: Lehrer
  • Politisches Engagement: Abgeordneter und Bürgermeister (Mondorf)

Der studierte Lehrer Lex Delles ist das jüngste Mitglied des Kabinetts Bettel-Braz-Schneider, in dem er für die Bereiche Tourismus und Mittelstand verantwortlich ist. Trotz seiner jungen Jahre ist der Mondorfer kein unerfahrener Politiker: Mit 29 Jahren wurde er 2014 Bürgermeister von Mondorf, als Nachfolger von Maggy Nagel, die zur Kultur- und Wohnungsbauministerin in der ersten Auflage der blau-rot-grünen Regierung ernannt wurde.

Es ist die Fortsetzung eines schnellen politischen Aufstiegs: Bei den Gemeindewahlen 2011 wurde er auf Anhieb Listenzweiter hinter der Bürgermeisterin Nagel. Somit wurde er zum Schöffen der Gemeinde ernannt. Sein erster Antritt bei Landeswahlen ist von gleichem Erfolg gekrönt. Genau wie bei den Gemeindewahlen erreichte Delles den zweiten Platz auf der DP-Ostliste, wiederum hinter Maggy Nagel.

Als 2015 die Personalie Maggy Nagel immer weiter in Ungnade fiel und ihr Regierungsaus im Dezember beschlossene Sache war, begann die Suche nach einem Nachfolger. Die Entscheidung fiel auf Delles, der jedoch unerwartet verzichtete. Er wolle das Vertrauen, das ihm die Bürger der Gemeinde Mondorf anvertraut haben, nicht brechen und daher lieber sein Bürgermeistermandat ausüben, so Delles.

2018 führte jedoch kein Weg an dem Mondorfer vorbei: Mit großem Abstand konnte er im Osten den ersten Platz der DP-Liste behaupten. Ein steiler Aufstieg für den Lehrer, der vor seiner politischen Laufbahn in der Grundschule in Lenningen unterrichtete. 2010 beschloss er, sich den „Jongen Demokraten Letzebuerg“ (JDL) anzuschließen. Im Anschluss daran rief er die Mondorfer Sektion der DP wieder ins Leben und war bis 2013 Präsident der JDL-Ostsektion.

Taina Bofferding - Inneres und Chancengleichheit

Taina Bofferding (LSAP)
Taina Bofferding (LSAP)
Foto: Pierre Matgé
  • Alter: 36 Jahre
  • Partei: LSAP
  • Bezirk: Süden
  • Beruf: Gewerkschaftssekretärin OGBL
  • Politisches Engagement: Abgeordnete und Gemeinderat (Esch/Alzette)

Taina Bofferding ist die jüngste Frau in der neuen Regierung. Für die ehemalige Gewerkschaftssekretärin des OGBL aus Esch/Alzette ist der Aufstieg zur Innen- und Chancengleichheitsministerin der Höhepunkt ihrer politischen Laufbahn, die 2004 bei der sozialistischen Arbeiterpartei begann.

2009 stellte sich Bofferding zum ersten Mal bei Wahlen auf: Sie erreichte auf der Südliste der LSAP einen Mittelfeldplatz. Den Sprung ins Parlament schaffte sie vier Jahre später bei den vorgezogenen Wahlen im Oktober 2013: Da die LSAP sich an der Regierung beteiligte, rückte Bofferding als erste Nichtgewählte ins Parlament nach.

In der Zwischenzeit bekleidete sie auch einen Sitz im Gemeinderat: Bei den Gemeindewahlen 2011 erreichte sie bei ihrer ersten Kandidatur den vierten Platz. 2017 konnte sie ihr Resultat noch verbessern: Sie erreichte den zweiten Platz bei der LSAP, musste aber auf der Oppositionsbank Platz nehmen.

Auch bei ihrem dritten Anlauf bei den Landeswahlen verpasste die Escherin den Sprung ins Parlament denkbar knapp, da sie wieder erste Nichtgewählte wurde. Trotzdem wurde sie als Nachfolgerin von Parteikollege Dan Kersch zum Innenminister ernannt. Damit ist sie auch die erste Frau, die dieses Amt in Luxemburg bekleidet.

Die politische Laufbahn von Taina Bofferding kannte jedoch nicht nur Erfolge. 2013 wurde die damalige Bürgermeisterin von Esch/Alzette, Lydia Mutsch, zur Gesundheitsministerin ernannt. Beste Chancen also für Bofferding, den frei gewordenen Schöffensitz zu erhalten. Doch die Escher LSAP entschied sich überraschend anders und plädierte für Dan Codello.

Als Argumente für die Nichtberücksichtigung führten einige ihrer Parteikollegen ihr Alter und ihre Unerfahrenheit an. In der Folge versuchte die Escherin, den Verjüngungsprozess der LSAP voranzutreiben. Gemeinsam mit einigen jungen Parteikollegen stand sie Anfang 2018 hinter der Initiative „D’LSAP nei denken ! D’LSAP nei opstellen !“.

Paulette Lenert - Kooperation und Konsumentenschutz

Paulette Lenert (LSAP)
Paulette Lenert (LSAP)
Foto: Pierre Matgé
  • Alter: 50 Jahre
  • Partei: LSAP
  • Bezirk: Osten
  • Beruf: Staatsbeamtin
  • Politisches Engagement: /

Die große Unbekannte der neuen Regierung: Paulette Lenert ist die einzige Quereinsteigerin des Kabinetts Bettel-Braz-Schneider. Als Leiterin einer großen staatlichen Behörde, dem Institut national d'administration publique (INAP) weiß sie zumindest jedoch, wie man die Zügel beim Staat in die Hand nehmen muss.

Zwar stand sie schon 2016 als möglicher Ersatz im Wechseltheater um den Arbeitsminister Nicolas Schmit im Raum, der damals mit einem Wechsel zum Europäischen Rechnungshof liebäugelte. Doch so richtig auf dem Zettel hatte niemand sie in den vergangenen Wochen.

Nach abgeschlossenem Jurastudium in Paris und London begann Lenert 1992 ihre Karriere als Anwältin in Luxemburg. Schon zwei Jahre später wurde sie zur Staatsbeamtin ins Justizministerium berufen. Nach zahlreichen Stationen in unterschiedlichen Verwaltungen und Ministerien wurde sie 2013 Regierungsberaterin im Ministerium für den öffentlichen Dienst und für die Verwaltungsreform.

Schließlich wurde sie 2017 zur Direktorin des INAP ernannt, den Posten, den sie jetzt aufgeben musste, da sie die kommenden fünf Jahre die Geschicke im Kooperationsministerium sowie in dem erstmals eigenständigen Konsumentenschutzministerium leiten wird.