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Offener Brief kritisiert Labor-Monopol beim LST
Politik 3 Min. 14.06.2021
BioneXt Lab

Offener Brief kritisiert Labor-Monopol beim LST

BioneXt Lab

Offener Brief kritisiert Labor-Monopol beim LST

Foto: LW-Archiv/Guy Wolff
Politik 3 Min. 14.06.2021
BioneXt Lab

Offener Brief kritisiert Labor-Monopol beim LST

In einem offenen Brief an die Gesundheitsministerin spricht der Gründer von "BioneXt Lab" von "unlauterem Wettbewerb".

(SC) - Um Nicht-Geimpften, darunter auch vielen jungen Menschen, die Teilnahme am öffentlichen Leben über PCR-Tests zu erleichtern, verkündete Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) am Freitag in einer Pressekonferenz, das „Large Scale Testing“-Programm (LST) künftig neu auszurichten. Was früher vor allem als repräsentativer Querschnitt der Infektionslage in der Gesellschaft diente, soll voraussichtlich ab dem 20. Juli auf Anmeldung für alle öffnen. Das klassische LST werde trotzdem weiterhin parallel dazu laufen, betonte die Ministerin am Freitag.


So funktioniert das Large Scale Testing in Luxemburg
Vom Rachenabstrich bis zur SMS: Hier sehen Sie, wie die verschiedenen Etappen eines PCR-Tests im Rahmen des Large Scale Testing ablaufen.

Der Gründer des luxemburgischen Untersuchungslabors „BioneXt Lab“, Dr. Jean-Luc Dourson, richtete am Montag einen offenen Brief an Gesundheitsministerin Lenert, in dem er das Labor-Monopol beim „Large Scale Testing“ kritisierte. In Kopie waren unter anderem Premierminister Xavier Bettel (DP) und Santé-Direktor Dr. Jean-Claude Schmit.

In dem Schreiben bemängelt Dourson, ehemaliger Besitzer und Geschäftsführer der KetterThill-Labore, dass die Corona-Tests im Rahmen des LST allesamt nur von einem Labor durchgeführt werden. Vielmehr hätten sämtliche Akteure auf dem luxemburgischen Markt, sowohl privat als auch öffentlich, in das Testprogramm eingebunden werden sollen.

Jean-Luc Dourson im Labor von BioneXt Lab.
Jean-Luc Dourson im Labor von BioneXt Lab.
Foto: Lucien Wolff

Vor allem die Öffnung des LST auf Anmeldung stößt dabei auf Kritik: „Nun haben wir, wieder einmal über die Presse und ohne vorherige Rücksprache  mit der Berufssparte, herausgefunden, dass der wissenschaftliche Ansatz des LST im Sinne der öffentlichen Gesundheit durch ein grenzenloses Test-Instrument ersetzt werden soll, von dem nur ein Analyselabor profitiert.“ Zwar unterstütze man die Initiative der Regierung, kostenlose Covid-Tests anzubieten um der Bevölkerung die freie Bewegung zu erleichtern - aber warum grenze man die Durchführung der Tests auf ein einziges Labor ein, das zu Beginn des Testprogramms „wahllos“ und auf „obskurer“ und „fehlerhafter“ Basis den Auftrag bekam?


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Das Large Scale Testing ist ein opakes Riesengeschäft
Gut 150 Millionen Euro kostet das Testen im großen Stil, das trotz Schnelltests und Impfungen in die dritte Phase geht. Für den epidemiologischen Verlauf hat es nichts gebracht.

Dourson folgt mit dem Argument, dass Luxemburg über ein dichtes Netz an Testlaboren verfügt. „Die Bevölkerung dazu zu zwingen, sich zu den Teststationen des LST zu begeben, generiert nur zusätzlichen Verkehr, der im aktuellen Kontext nicht angebracht ist. Des Weiteren wird die freie Wahl des Einzelnen über seinen Dienstanbieter so nicht respektiert.“ Der Notstand, der noch vor einem Jahr schnelle Entscheidungen forderte, existiere heute so nicht mehr, führt Dourson aus. 

In dem offenen Brief fordert der Gründer von "BioneXt Lab" daher, dass das kostenlose LST-Programm auf alle Labore des Landes aufgeweitet wird. Das “illegal vom Staat subventionierte System", das viel Geld koste und darüber hinaus von konstanter staatlicher Werbung profitiere, stelle den anderen Laboren gegenüber einen unlauteren Wettbewerb dar.


Die Laboratoires Réunis bekamen den Auftrag für Luxemburgs Massentest-Programm.
Labore berichten von diskriminierender Ausschreibung
Konkurrierende medizinische Labore erklären, wie sie aus dem 150 Millionen Euro teuren Testprogramm ausgeschlossen wurden.

Zu Erinnerung: Das „Large Scale Testing“ kostet wöchentlich rund 2,4 Millionen Euro. Die Abstriche werden von dem Privatlabor „Laboratoires Réunis“ mit Sitz in Junglinster ausgewertet.

Den Hintergrund zur Auftragsvergabe finden Sie bei den Kollegen der „Luxembourg Times“.

Die Bedenken, die Dourson in seinem offenen Brief äußerte, wurden am Montagnachmittag in einer dringenden parlamentarischen Frage der CSV-Abgeordneten Claude Wiseler und Michel Wolter aufgegriffen. Sie wollen von der Gesundheitsministerin wissen, warum der Bevölkerung nicht Gutscheine zur Verfügung gestellt werden, mit denen sie sich an einem Labor ihrer Wahl kostenlos testen lassen könnten. Auch werfen sie die Frage auf, ob eine Änderung des Auftrags des Large Scale Testing die Regierung nicht vor Vorwürfe des unlauteren Wettbewerbs stellen würde.

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