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Bildungssituation in Luxemburg: Licht und Schatten wechseln sich ab
Politik 3 Min. 10.11.2017

Bildungssituation in Luxemburg: Licht und Schatten wechseln sich ab

Ein Viertel der Luxemburger Schüler hinkt in den Kernkompetenzen hinterher. Sie haben nicht einmal ein ausreichendes Basiswissen.

Bildungssituation in Luxemburg: Licht und Schatten wechseln sich ab

Ein Viertel der Luxemburger Schüler hinkt in den Kernkompetenzen hinterher. Sie haben nicht einmal ein ausreichendes Basiswissen.
Getty Images
Politik 3 Min. 10.11.2017

Bildungssituation in Luxemburg: Licht und Schatten wechseln sich ab

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Für Luxemburger Bildungspolitiker ist und bleibt die PISA-Studie ein rotes Tuch. In den Kernkompetenzen hinken die Schüler weit hinterher, die Wiederholungsrate explodiert. Doch gibt es auch Positives zu berichten.

(ham) - „Life is good in Luxembourg“, fasst Ökonom Jan Strasky von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die jüngsten Befunde seiner Organisation zum Großherzogtum zusammen. Das Land bietet viele Möglichkeiten, das Wachstum ist stark, die verschiedenen Branchen entwickeln sich positiv.

Demnach sei das, was die OECD in ihrem Bericht praktiziere, fast schon Meckern auf hohem Niveau, gibt Strasky zwischen den Zeilen zu verstehen. Und doch sei es das Ziel des OECD-Berichts, Schwachstellen auszumachen und Ansätze zu liefern, wie man die aktuelle Lage noch verbessern kann. Und Schwachstellen gibt es, wie im Rahmen der Pressekonferenz in der hauptstädtischen Maison de l'Europe festgestellt werden konnte.

Auch wenn sich Luxemburg auf wirtschaftlicher Ebene in einer blendenden Verfassung befindet, so gibt es besonders im Bildungsbereich noch so manche Probleme. Besonders ersichtlich werden diese, wenn man den OECD-Bericht um die entsprechende Bestandsaufnahme der Europäischen Kommission ergänzt. Diese nämlich fußt unter anderem auf den Ergebnissen der jüngsten PISA-Studie, in der die Luxemburger Jugendlichen erneut weit hinter den Erwartungen zurückblieben.

Bildung und Fähigkeiten

Fakt ist: Der OECD-Bericht bescheinigt Luxemburg eine hervorragende Ausgangsbasis. In fast allen Kategorien liegt das Großherzogtum über dem OECD-Durchschnitt. Nur in zwei Bereichen hapert es noch: Bei der „environmental quality“ schafft das Großherzogtum so gerade den Durchschnitt, doch bei „education and skills“ liegt man unter dem Schnitt. Bei Bildung und Fähigkeiten springt also eine „Datz“ heraus.

Nun wimmelt es im Bericht nur so von Daten, Zahlen und Grafiken, die sämtliche sozio-ökonomischen Faktoren von allen Seiten beleuchten. Jan Strasky redet aber nicht lange um den heißen Brei und fasst das Problem zusammen: Luxemburg sei ein Immigrationsland und habe es nicht geschafft, sein Bildungssystem entsprechend auszurichten.

Nun sei das Land zwar stets an vorderster Front der neuesten wirtschaftlichen Entwicklungen zu finden, und Luxemburg schaffe auch immer wieder, sich neu auszurichten, doch scheinen die großen Probleme alle mit dem Bildungssystem verbunden zu sein, so Strasky und untermalt seinen Befund mit einer aufschlussreichen Statistik: Etwas mehr als die Hälfte der 15-Jährigen, die in der PISA-Studie getestet wurden, haben einen Migrationshintergrund. Der EU-Schnitt liegt hier bei 12,6 Prozent.

„Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich etwas ändern muss“, schiebt der Ökonom rasch hinterher.

Hohe Wiederholungsrate

Zum gleichen Schluss kommt auch die Bildungsbestandsaufnahme der Europäischen Kommission. Auch wenn die oberste Vertreterin der Kommission in Luxemburg, Yuriko Backes, ihre Ausführungen mit positiven Resultaten beginnt, so täuschen diese nicht darüber hinweg, dass in Luxemburg 13,5 Prozent der jungen Menschen ihre Ausbildung abbrechen. Der EU-Schnitt lag 2016 bei 10,7 Prozent. „Diese Zahl steigt seit 2009. Das ist ein Problem!“, so Backes.

Dazu kommt, dass in der PISA-Studie ein sattes Viertel der Luxemburger Schüler in Mathe, Wissenschaften und Lesekompetenzen einfach nicht über die nötigen Grundkenntnisse verfügen, um ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Nur 40 Prozent der Schüler schaffen den Abschluss in der dafür vorgesehenen Zeit. Damit ist Luxemburg Schlusslicht unter den OECD-Ländern.

In diesem Sinn legt die Kommission Luxemburg ans Herz, sich ein Beispiel am niederländischen System zu nehmen. Dieser Bildungsweg scheint nämlich am wenigsten von sozio-ökonomischen Einflüssen beeinträchtigt zu werden. In anderen Worten: Schüler mit Migrationshintergrund schlagen sich in den Niederlanden am wackersten, u. a. weil sie einfacher den Bildungsweg wechseln können, sollten sie Schwierigkeiten haben.

Ein Beispiel sollte sich das Großherzogtum auch an Estland nehmen. Das baltische Land hat ähnliche Herausforderungen zu meistern, z. B. im Sprachgebrauch, und hat mit einer größeren Autonomie der Schulen eine gute Erfahrung gemacht. Da dies ja nun auch in Luxemburg vorgesehen ist – alle Schulen müssen einen eigenen Entwicklungsplan erstellen – sieht Yuriko Backes bereits erste Lösungsansätze fürs Großherzogtum.

Und dann gibt es ja auch noch die guten Nachrichten aus der Bestandsaufnahme: Luxemburg hat mit 54,6 Prozent die meisten Hochschulabschlüsse vorzuzeigen (EU-Schnitt: 39,1 Prozent), und von den Hochschulabsolventen finden auch 89 Prozent einen Job. Auch das ist europäische Spitze. 96,6 Prozent der schulpflichtigen Kinder gehen auch tatsächlich zur Schule, und Luxemburg hat die lernwilligsten Erwachsenen: 16,8 Prozent machen von den „Lifelong Learning“-Angeboten Gebrauch.


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