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Bildung: Neuer Stundenplan für die Grundschule
Mit dem neuen Stundenplan wird die Grundschule zu einer Tagesstätte umgewandelt, sagt SEW-Präsident Patrick Arendt.

Bildung: Neuer Stundenplan für die Grundschule

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Mit dem neuen Stundenplan wird die Grundschule zu einer Tagesstätte umgewandelt, sagt SEW-Präsident Patrick Arendt.
Politik 2 Min. 17.11.2014

Bildung: Neuer Stundenplan für die Grundschule

Der neue Stundenplan für die Grundschulen sieht verlängerte Pausen und eine einheitliche Dauer für sämtliche Schulstunden vor. Außerdem sollen die Schüler am Montag- und Mittwochnachmittag bis 17 Uhr die Schulbank drücken.

(ml) - Das Bildungsministerium plant, einen neuen Stundenplan einzuführen. Sämtliche Schulstunden sollen künftig 55 Minuten dauern, heißt es in einer Mitteilung der Lehrergewerkschaft SEW. Bisher war es so, dass einige Kurse bereits nach 45 Minuten beendet waren.

- Die Pausen am Morgen sollen künftig auf eine halbe Stunde verlängert werden.

- Montags- und Mittwochsnachmittags soll die Grundschule nicht schon um 16 Uhr, sondern erst um 17 Uhr ihre Türen schließen.

- Zwischen 16 und 17 Uhr soll Förderunterricht (appui) stattfinden. Sämtliche Kinder sollen daran teilnehmen. Im Förderunterricht sollen auch die Hausaufgaben erledigt werden.

Bisher war es so, dass die Lehrkräfte jede Woche einige Kinder auswählten, um ihnen während 90 Minuten eine zusätzliche Betreuung anzubieten. Der derzeitige Förderunterricht, der 2009 festgelegt worden war, soll ganz abgeschafft werden.

Dem neuen Stundenplan zufolge soll die Grundschule morgens bis 12.10 Uhr dauern. Das Wochenende soll wie bis jetzt am Freitagnachmittag um 16 Uhr beginnen. Die Beratungsstunden des Lehrpersonals soll von anderthalb auf nun mehr eine Stunde pro Woche reduziert werden.

Die Lehrergewerkschaft SEW zeigt sich mit den geplanten Änderungen nicht zufrieden. Minister Claude Meisch habe diese Pläne den Präsidenten der Schulkomitees ohne Rücksprache mit den Sozialpartnern unterbreitet. Am 7. November wurde eine SEW-Delegation beim Minister vorstellig, um über die bildungspolitischen Sparmaßnahmen informiert zu werden. Von Regierungsseite hieß es zu jenem Zeitpunkt, man sei noch nicht in der Lage, Einzelheiten bekannt zu machen. Nur vier Tage später habe Meisch jedoch anhand einer Powerpoint-Präsentation, einigen Schulkomitees den vorgesehenen Stundenplan vorgelegt.

Mit dem neuen Stundenplan soll das Arbeitspensum der Lehrer heraufgesetzt werden. Anstatt 23 Stunden müssten die Lehrer künftig jede Woche 24,5 Stunden Schule halten, so der SEW. Die CGFP-nahe Gewerkschaft SNE kommt sogar auf 25 Stunden. Diese Mehrbelastung gehe auf Kosten der pädagogischen Qualität, betonen die Kritiker.

"Des Weiteren wird die Schule in eine Tagesstätte umgewandelt. Das Ganze soll auf Kosten der Lehrkräfte gehen. Diese Situation ist für uns nicht tragbar", sagt SEW-Präsident Patrick Arendt. Minister Meisch versuche, die Schulen vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Der SEW geht nicht davon aus, dass die Pläne des Ministers auf Zustimmung stoßen werden. Die Gewerkschaft will demnächst den Minister um ein Gespräch bitten. Sollte der Minister es dabei belassen, will das Syndikat für Erziehung und Wissenschaft gewerkschaftliche Aktionen ins Auge fassen. Sogar ein Streik sei nicht auszuschließen.

Arendt hat den Eindruck, dass das Bildungsministerium darum bemüht sei, ausschließlich Sparmaßnahmen auf dem Buckel derjenigen umzusetzen, die Schule halten. "Das ist eine falsche Botschaft. Seit Monaten wird auf die Lehrer eingedroschen, um ihr Image nach außen zu verschlechtern, in der Hoffnung, dass die Erhöhung des Arbeitspensums der Lehrer in der Gesellschaft auf eine breite Akzeptanz stößt," so Arendt.


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