Bildung: Lehrergewerkschaften warnen vor Sparkurs
(mig) - Die Lehrergewerkschaften SEW/OGBL und SNE warnen vor Sparmaßnahmen im Bildungswesen. Das führe unweigerlich zu einer Verschlechterung der pädagogischen Arbeit, sagte SNE-Präsident Patrick Remakel bei der Eröffnung der Ausstellung LuxDidac am Montag im Forum Geesseknäppchen. Das Motto der Regierung, mehr mit weniger machen zu wollen, sei im Bildungsbereich eine Utopie, so Remakel. An der Bildung dürfe nicht gespart werden. Alternativ könne man beim administrativen Wasserkopf spartechnisch ansetzen, "der durch die Grundschulreform entstanden ist", so Remakel.
Auch SEW-Präsident Patrick Arendt warnte vor dem Sparkurs der Regierung. "Die Mittel werden gekürzt, zugleich nehmen die Investitionen in die Bürokratie zu und die Lehrer werden mit administrativen Aufgaben zugeschüttet", monierte der SEW-Präsident bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. Er forderte, den Akzent wieder verstärkt auf die pädagogischen Herausforderungen zu setzen.
Arendt zufolge gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der Kürzung der Mittel einerseits und der Schulautonomie andererseits. Es gehe dem Minister darum, mit weniger Mittel bessere Ergebnisse zu erzielen. Die Autonomie diene dazu, die Schulen und Lehrer für die Ergebnisse verantwortlich zu machen. Auch Jules Barthel, beim SEW zuständig für den Sekundarbereich, sieht die Ankündigung von mehr Autonomie kritisch. "Mit dem Versprechen von mehr Autonomie will der Minister sich aus der Verantwortung ziehen, sollten die Dinge nicht so laufen wie geplant", so Barthel.
Nach Ansicht des SEW ist Schulautonomie gleichbedeutend mit Autonomie für den Lehrer. Der aber werde im jetzigen System quasi zum Befehlsempfänger degradiert. "Das Ministerium versucht seinen Einfluss auf das, was in den Klassensälen passiert, immer weiter auszudehnen", so der Vorwurf des SEW-Präsidenten.
Der SNE verbindet mit dem Begriff Schulautonomie vor allem eine flexiblere Bereitstellung von Ressourcen, wie die multidisziplinaren Teams. Sie müssten direkt in den Schulen angesiedelt werden, um Kindern mit Lern- bzw. Verhaltensschwierigkeiten schneller helfen zu können, so SNE-Präsident Patrick Remakel.
Debatte über Sprachenunterricht
Der SEW fordert eine breite, gesellschaftliche Debatte über die künftige Ausrichtung des Sprachenunterrichts. "Wir müssen über den Stellenwert der drei Amtssprachen und des Englischen diskutieren", meinte Arendt. Dazu brauche es politischen Mut.
Die zweisprachige Betreuung kommt bei den Gewerkschaften prinzipiell gut an, der SEW warnt allerdings vor einer "Verschulung der Betreuung".
Der SEW fordert, dass das Reformprojekt im Secondaire von Meischs Vorgängerin zurückgezogen und ganz neu ausgearbeitet wird.
Ferner bereitet die Berufsausbildung dem SEW weiterhin große Sorgen. "Wir befürchten, dass die Bemühungen des Ministers darauf hinauslaufen werden, die Organisation der Ausbildungen in den Schulen zu vereinfachen, ohne dass es zu einer Qualitätsverbesserung der Ausbildungen kommt", so Jules Barthel.
SNE gespannt, was der Minister vorhat
Der SNE begrüßt prinzipiell die Ankündigungen des Ministers, die Lehrer stärken und den Schulen mehr Autonomie einräumen zu wollen, und wartet nun gespannt darauf, was der Minister konkret vorhat. Wie SNE-Präsident Patrick Remakel am Montag anlässlich der Eröffnung der Ausstellung erklärte, hoffe man auf einen echten Dialog und ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Ministerium und den Lehrkräften. In diesem Sinne sei man gespannt auf die Vorschläge und Entscheidungen des Ministers.
Im Zusammenhang mit der geplanten Reform im öffentlichen Dienst richtete Remakel einen Appell an den Minister, das Abkommen zwischen den CGFP-Unterorganisationen SNE und Féduse mit der Vorgängerregierung zur Umsetzung der Reform einzuhalten.