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Bewegende Trauerfeier für Camille Gira
Politik 16 3 Min. 02.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Bewegende Trauerfeier für Camille Gira

Die offizielle Gedenkfeier an Camille Gira fand am Samstagmorgen im Hof des früheren Außenministeriums statt.

Bewegende Trauerfeier für Camille Gira

Die offizielle Gedenkfeier an Camille Gira fand am Samstagmorgen im Hof des früheren Außenministeriums statt.
Foto: Guy Jallay
Politik 16 3 Min. 02.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Bewegende Trauerfeier für Camille Gira

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Am Samstagmorgen versammelten sich Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa, die Regierung, die Abgeordneten und viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu einer offiziellen Gedenkfeier für den verstorbenen Staatssekretär Camille Gira.

Mit einer Trauerfeier im Hof des ehemaligen Außenministers gedachten die Regierungsmitglieder, die Abgeordneten, die Vertreter des diplomatischen Korps Camille Gira. Auch zahlreiche Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsministeriums und Freunde wohnten der Gedenkfeier bei und spendeten der Familie des Verstorbenen Trost.

"Äddi Camille", so Premierminister Xavier Bettel zu Beginn seiner Ansprache. Der Abschied von Camille Gira sei schmerzvoll, für die vielen Freunde und Kollegen, ganz besonders aber für die Familie. "Wir sind gezwungen, Abschied zu nehmen, auch wenn wir es nicht wollen und nicht  akzeptieren können. Doch wir haben keine Wahl", so der Regierungschef weiter.

Bei seinem Besuch im Überschwemmungsgebiet im Müllerthal habe er am Freitag an Camille Gira denken müssen. Die Schäden nach den schweren Unwettern hätten ihm verdeutlicht, dass die Menschen nur ein kleiner Teil der Natur seien, eine Natur für die sich Camille Gira sein Leben lang eingesetzt habe. Bettel unterstrich aber nicht nur Giras Engagement für die Umwelt: "Camille Gira hat sich  stets für die Allgemeinheit, für die Menschen, für die Bürger seiner Gemeinde, seiner Region und für das ganze Land eingesetzt." Vor allem aber erinnerte er an die Überzeugungskraft des Verstorbenen. Er habe Werte wie Solidarität, Toleranz, Respekt und Gerechtigkeit vor gelebt. Diese Werte und die Tatsache, dass er stets auf den Dialog setzte, werte Premier Bettel als das Fundament und das Vermächtnis seines politischen Wirkens. 

Camille würde uns heute wachrütteln und uns auffordern, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.

Camille Gira würde aber nicht hinnehmen, dass die Hinterbliebenen nur zurückblicken, meinte der Regierungschef weiter.  "Camille würde uns heute wachrütteln und uns auffordern, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Wir dürfen unser Haus nicht nur von außen bewundern, wir müssen aus dem Fenster schauen und auch Verantwortung für die Nachbarn übernehmen."

Zum Schluss seiner kurzen Rede wandte sich Staatsminister Bettel direkt an die Familie von Camille Gira, an seine Frau Simone und an seine beiden Söhne Michel und Louis und sprach ihnen Trost zu.

Windmühlen statt Mauern

Worte des Trostes fand auch Christian Kmiotek. Der Co-Präsident von Déi Gréng erinnerte an einen Spruch, den Camille Gira gerne zitierte: "Wenn der Wind der Veränderung über das Land weht, dann bauen die einen Mauern, die anderen aber bauen Windmühlen." Dies sei gewissermaßen sein Leitspruch  gewesen, denn Camille Gira sei immer offen für Veränderungen gewesen. Er habe wie ein Seismograf auf Ungerechtigkeiten reagiert. Und Ungerechtigkeiten habe er viele ausgemacht. Seine Analyse habe nie lange auf sich warten gelassen, anschließend habe er die Ärmel hoch gekrempelt und seine Ideen in die Tat umgesetzt.

"Wenn der Wind der Veränderung über das Land weht, dann bauen die einen Mauern, die andern aber bauen Windmühlen.

"Camille Gira hat Dinge bewegt und dabei hartnäckig seinen gesamten Gestaltungsspielraum genutzt", so Kmiotek weiter. Er hob des Weiteren hervor, dass Camille Gira der erste grüne Bürgermeister des Landes war, in seiner Heimatgemeinde Beckerich habe er Vieles in Gang gesetzt, das er später, in seiner Zeit in der Regierung auch auf die nationale  Ebene zu übertragen versucht habe. Als Staatssekretär habe er versucht, die Kritik, die er als Abgeordneter in der Opposition immer wieder geäußert habe, in die Tat umzusetzen. Dabei sei es ihm nie um den Titel gegangen: "Den Titel as mir egal, Minister oder Staatssekretär. Haaptsaach ech kann eppes bewegen", zitierte Kmiotek seinen langjährigen Freund und Weggefährten.

Die Tragödie

Der grüne Co-Präsident empfand es als eine Tragödie, dass Camille Gira ausgerechnet kurz vor der Abstimmung über das Naturschutzgesetz verstarb, "sein Gesetz, an dem er viereinhalb Jahre mit enormen Engagement gearbeitet hat". Gira sei umgefallen wie eine Eiche im Sturm. Dass im Hof des Staatsministeriums eine Linde in Erinnerung an ihn gepflanzt wurde, sei zwar kein Trost, aber eine Ehre.

Vor dem Baum wurde eine schlichte Plakette mit dem Namen und den Lebensdaten von Camille Gira angebracht, die nach der Erinnerungszeremonie von Großherzog Henri im Beisein der Familie des Verstorbenen enthüllt wurde.


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