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Bevölkerungsentwicklung: Hat Luxemburg ein Demografie-Problem?
Politik 2 Min. 02.10.2014

Bevölkerungsentwicklung: Hat Luxemburg ein Demografie-Problem?

Arbeitsminister Nicolas Schmit

Bevölkerungsentwicklung: Hat Luxemburg ein Demografie-Problem?

Arbeitsminister Nicolas Schmit
Foto: Claude Piscitelli
Politik 2 Min. 02.10.2014

Bevölkerungsentwicklung: Hat Luxemburg ein Demografie-Problem?

Während Nachbarregionen wie z. B. das Saarland oder Rheinland-Pfalz unter den Folgen des demografischen Wandels ächzen, geht Luxemburg eher gelassen mit den Problemen einer sich veränderten Gesellschaftsstruktur um. Zurecht? Arbeitsminister Nicolas Schmit gibt Antworten.

Wie lange noch bis die ersten Folgen des demografischen Wandels im Großherzogtum spürbar sind? Kann das Land sich den Luxus leisten, den Auswirkungen wie Überalterung wenig Aufmerksamkeit zu schenken? Arbeitsminister Nicolas Schmit steht in drei kurzen Fragen Rede und Antwort.

Hat Luxemburg tatsächlich ein Demografie-Problem?

Ich würde nicht sagen, dass Luxemburg ein Demografie-Problem hat. Unsere Bevölkerung wächst schneller als das in den meisten Ländern in Europa der Fall ist. (+23 % zwischen 2000 und 2013, im Vergleich mit +5 % für die EU-28 Länder). Das ist natürlich hauptsächlich auf Einwanderung zurückzuführen (die ausländische Bevölkerung hat sich seit 1970 fast vervierfacht so dass sie 2014 rund 45 % der Gesamtbevölkerung ausmacht). Auch die Grenzgänger tragen wesentlich dazu bei, dass wir eine relativ junge aktive Bevölkerung haben. Nimmt man aber nur die luxemburgische Bevölkerung – das heißt mit Luxemburger Pass – in Betracht, dann sieht die Alterspyramide ganz anders aus. Das Durchschnittsalter liegt bei 39 Jahren. Ohne Einwanderung und Grenzgänger hätte unser Land ein riesiges Demografie-Problem, das wirtschaftliches Wachstum und einen soliden Sozialstaat unmöglich machen würde.

Welche Maßnahmen ergreift der Staat um gegen die Überalterung der Gesellschaft vorzugehen?

Die Alterung unserer Gesellschaft ist ein Prozess der in Europa sicherlich sehr ausgeprägt ist, aber auch in Japan und voraussichtlich sogar in China. Schwache Geburtenraten plus Verlängerung der Lebenszeit bestimmen diese Alterung, die man nur über Einwanderung abmildern kann. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen in guten Bedingungen älter werden. Dazu gehört das was man aktives Altern nennt. Gute Arbeitsbedingungen, ein präventiv-handelndes Gesundheitssystem, Teilnahme der älteren Mitbürger am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben … aber auch Verlängerung unter gewissen Bedingungen der Lebensarbeitszeit. Luxemburg hat den Vorteil praktisch keine Altersarmut zu kennen. Das muss absolut erhalten bleiben.

Ist Handlungsbedarf in hiesigen Unternehmen schon gegeben?

Sicherlich. Viele Unternehmen sehen ältere Mitarbeiter nicht als Vorteil, sondern versuchen sie aus dem Arbeitsprozess auszuschließen. Es ist keine Frage von alt oder jung. Wir brauchen beide. Das was man in Deutschland „Fachkräftemangel“ nennt riskiert uns auch bevorzustehen. Eine bessere Planung der Lebensarbeitszeit ist notwendig, sowie gute Arbeitsbedingung und interne Mobilität, die natürlich „life long learning“ für jeden zugänglich machen muss. Ein Gesetzesprojekt über „gestion des âges“ soll diesen notwendigen Mentalitätswandel beschleunigen.

"Wandel ohne Folgen?" ist Titel des Fokus' im Luxemburger Wort vom 2. Oktober 2014, der die verschiedenen Facetten des demografischen Wandels in und um Luxemburg beleuchtet.  


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