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Bettel: "Wir sind nicht über den Berg"
Politik 2 4 Min. 03.04.2020

Bettel: "Wir sind nicht über den Berg"

Die Neuinfektionen verlangsamen sich, den Krankenhäusern steht das Schlimmste aber noch bevor, mahnte Paulette Lenert.

Bettel: "Wir sind nicht über den Berg"

Die Neuinfektionen verlangsamen sich, den Krankenhäusern steht das Schlimmste aber noch bevor, mahnte Paulette Lenert.
Foto: SIP
Politik 2 4 Min. 03.04.2020

Bettel: "Wir sind nicht über den Berg"

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert berichten aus dem Regierungsrat und über neue Maßnahmen. Die Shutdown-Regeln weiter beachten bleibt lebenswichtig.

Zunächst die aktuellen Zahlen um 18 Uhr am Freitagabend: 2.612 positiv Getestete von 21.458 Tests, die insgesamt durchgeführt wurden; 31 an Corona Verstorbene plus einem der französischen Patienten aus dem Grand est; 232 Infizierte, die hospitalisiert sind und 43 mit den Patienten aus Frankreich, die auf einer Intensivstation liegen; 174 Infizierte, die die Spitäler wieder verlassen konnten; 500 Personen, die zwei Wochen nach dem Test zuzüglich von 48 Stunden ohne Symptome waren.

"Wir sind nicht über den Berg", mahnte Premierminister Xavier Bettel (DP) beim Pressebriefing am Freitag. "Die Strategie scheint zu funktionieren - das ist aber nicht das Verdienst der Regierung, sondern von der Bevölkerung, die sich an den Shutdown hält, gesunden Menschenverstand walten lässt und Solidarität mit den vulnerablen Leute aus der Gesellschaft zeigt." 

Beratungen über schrittweisen Ausstieg aus Shutdown

Man müsse aber nun weitermachen, sich weiter an die Regeln halten, damit nicht umsonst war, was bislang schon erreicht wurde. Auch wenn sich viele Leute und auch Betriebe fragten, wann es vorbei ist. "Wir beraten über die nächsten Schritte, arbeiten an Thesen, wie wir schrittweise ab einem gewissen Zeitpunkt wieder in Normalität verfallen können. Und ich betone schrittweise", so der Premier.

Wir sind nicht über den Berg, wir müssen weitermachen wie bisher.

Xavier Bettel

 Zwei Dinge seien dabei wichtig: Das Gesundheitssystem aufrecht erhalten und den Höhepunkt strecken, damit immer genug Intensivbetreuungskapazitäten da sind sowie die Immunisierungsquote in der Bevölkerung feststellen.

Damit wird demnächst begonnen, wenn eine Populationsstudie mit 1.500 Teilnehmern starten wird. Details gibt es kommende Woche. "Wir sind in engem Kontakt mit Experten aus Wissenschaft und Gesundheit", betonte Bettel. 

Lenert: Die schwere Zeit kommt noch 

Auch Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) warnte, dass zwar die Zahl der Neuinfektionen langsamer steige, es seien aber mit 121 pro Tag noch viele und ihnen stehe gesundheitlich noch das Schlimmste bevor. "Die schwere Zeit für die Krankenhäuser kommt noch, die Hospitalisierungen werden steigen", mahnte sie.

Nachlassen sei keine Option und das Ziel sei, weiterhin mit den Kapazitäten hinzukommen. Und es werde auch über Ostern an der maximalen Abschottung der Alters- und Pflegeheime festgehalten. 

Auch die verhältnismäßig geringe Sterblichkeitsrate von 1,1 Prozent täusche. Lenert erinnerte nochmals daran: "Wir gehören zu den Ländern, die extrem viel testen." Und deswegen werden viele Infizierte detektiert, sodass die Todesrate gering erscheint. Sie hob hervor: "Wer positiv getestet wird, wird telefonisch gut betreut. Es ist wichtig sich an die Isolierung zu halten - für andere und für ein stabiles Gesundheitssystem."

Viele Neuinfektionen bei 70- bis 79-Jährigen

Im Schnitt sind die Todesopfer 86 Jahre alt und man werde künftig detaillierter über die Erkrankten informieren, stellte Lenert in Aussicht. Eines bereitet ihr allerdings Sorgen: "Es haben sich viele aus der Alterskategorie zwischen 70 und 79 Jahren neu infiziert. Die Zahlen lügen nicht - es gehen vielleicht doch noch zu viele einkaufen", mahnte sie. 

Die schwere Zeit für die Krankenhäuser kommt noch, die Hospitalisierungen werden steigen.

Paulette Lenert

"Es ist für diese Altersgruppe  problematisch aus dem Haus zu gehen, sie müssen mehr aufpassen und sich helfen lassen, es muss aber auch mehr auf sie aufgepasst werden. Wir schaffen das nur zusammen", so der Appell der Ministerin. Zu den neuen Maßnahmen gehört derweil, dass im Centre de soins avancés (CSA) in der Escher Rockhal eine weitere Behandlungslinie geöffnet wird, um der großen Nachfrage zu entsprechen. Im Schnitt wenden sich jeweils 330 Patienten pro Tag an die vier CSA. 

43 weitere Beatmungsgeräte angekommen

Mittlerweile sind auch drei Cargolux-Flüge mit ganz viel weiterem Material eingetroffen, das nun Mit Hilfe des CGDIS verteilt wird - unter anderem 43 weitere Beatmungsgeräte. 


China liefert weiteres Hilfsmaterial
Zwei weitere Cargolux-Flüge bringen an diesem Mittwoch medizinisches Material aus China. Die Provinz Henan hat zudem eine weitere Geschenklieferung angekündigt.

Zur Diskussion um das Tragen von Masken sagte die Ministerin: "Wir begrüssen Schutzmasken, auch wenn es nicht professionelle sind, aber was wirklich hilft, ist drinnen zu bleiben und sich dadurch solidarisch mit der Risikogruppe zu zeigen." Auch Bettel warnte, dass sich dahinter die falsche Sicherheit verberge, sich nicht anzustecken. 

Technische Fahrzeugkontrollen für Risikogruppe ausgesetzt

Der Regierungsrat befasste sich unter anderem aber auch mit den technischen  Fahrzeugkontrollen, die weiter möglich sind. Allerdings sind Personen, die zur Corona-Risikogruppe gehören und sich im Prinzip nicht draußen bewegen sollen von der Pflicht entbunden: Ihre Kontroll-Zertifikate bleiben während der Krise gültig. "Man kann damit hier im Land fahren, sollte aber nicht ins Ausland", so  Bettel. 


Seit dem 1. Februar dürfen neben der SNCT auch andere Unternehmen technische Kontrollen durchführen.
Technische Fahrzeug-Kontrolle teils ausgesetzt
Nach Kritik von ACL und UCL an den weiterhin geltenden Fristen für die Fahrzeugkontrolle führt die Regierung nun eine Ausnahmeregelung für Risikogruppen ein.

Die Regeln des Urlaubs aus familiären Gründen, dass nur ein Familienmitglied freigestellt wird, finden nun auch Anwendung bei der Betreuung von Kindern über 13 mit Behinderung und von Senioren: Auch dafür wird nun ein "congé pour soutien familial"  eingeführt, denn beides sind Gruppen, die nicht mehr in ihre spezifischen Strukturen gebracht werden können, aber auf Betreuung angewiesen sind. 

Während der Krise wird auch die 78-Wochenfrist ausgesetzt, nach der Langzeitkranke ihre Sozialversicherung verlieren und der normale Mechanismus für die Zahlung des Krankengeldes geändert. Ausgesetzt wird auch die Zinsstrafe, wenn Sozialbeiträge nicht bezahlt werden.   

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